Wer sich vertraglich an ein Fitnessstudio binden möchte, sollte sich vor ab gut informieren. Foto: VZ NRW/Adpic
Wer sich vertraglich an ein Fitnessstudio binden möchte, sollte sich vor ab gut informieren. Foto: VZ NRW/Adpic

Düsseldorf/Köln. Wenn das Fitnessstudio die Preise erhöht, ist der Ärger bei Kundinnen und Kunden oft groß. So auch in einem aktuellen Fall, über den die Verbraucherzentrale NRW berichtet. Es geht konkret um Beschwerden über die Fitnessstudio-Kette „Flexx Fitness“ im Raum Köln.


Demnach erreichen die Verbraucherzentrale NRW „zahlreiche Beschwerden“. Grund für den Ärger: Die Fitnessstudio-Kette „Flexx Fitness“ habe seine Mitglieder mit einem Schreiben über seine neue Preisgestaltung informiert, durch die sich die Preise auch für Bestandsmitglieder teilweise deutlich erhöhen würden, teilen die Verbraucherschützer mit. Das solle „sehr kurzfristig“ geschehen sein. Mitglieder der Fitnesskette hätten sich bei der Verbraucherzentrale gemeldet. Zum Teil sollen die höheren Beiträge bereits abgebucht worden sein.

Carolin Semmler, Juristin bei der Verbraucherzentrale NRW, erklärt nachfolgend, welche Rechte Verbraucherinnen und Verbraucher allgemein bei Vertragsänderungen und Preisanpassungen haben:

Nachträgliche Vertragsänderungen nicht ohne weiteres möglich

Grundsätzlich gilt: Verträge sind so einzuhalten, wie sie vereinbart wurden. Das betrifft auch den vereinbarten Preis. Ein Fitnessstudio kann also nicht ohne weiteres den Preis von bestehenden Verträgen nachträglich ändern – auch wenn der Anbieter den Leistungsumfang von sich aus erweitert.

Möglich ist dies nur dann, wenn der jeweilige Vertrag eine wirksame Preisanpassungsklausel enthält. Eine solche steht, wenn sie denn vorhanden ist, meist in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des jeweiligen Vertrages. In vielen Fällen sind solche Klauseln jedoch unwirksam, weil sie zu weit und zu wenig konkret gefasst sind.

Im aktuellen Fall von „Flexx Fitness“ berichten viele Verbraucherinnen und Verbraucher, dass ihre Verträge keinerlei Regelungen zur Preisanpassung enthalten würden. Eine Preiserhöhung wäre in diesem Fall nur zulässig, wenn die jeweiligen Verbraucherinnen und Verbraucher der Preiserhöhung zustimmen. Fehlt diese Zustimmung, ist eine Preiserhöhung seitens des Fitnessstudios nicht zulässig und es bleibt bei dem ursprünglich vereinbarten Mitgliedsbeitrag.

Die Betroffenen sollten in diesem Fall der Preiserhöhung widersprechen und für den Fall, dass das Fitnessstudio den höheren Beitrag bereits abgebucht hat, diesen zurückbuchen beziehungsweise zurückverlangen.

Sonderkündigungsrecht ergibt sich nicht zwangsläufig

Ob darüber hinaus ein außerordentliches Kündigungsrecht besteht, muss im Einzelfall geprüft werden. Ein solches erfordert immer einen „wichtigen Grund“, der die Weiterführung des Vertrages unzumutbar macht. Ein außerordentliches Kündigungsrecht ergibt sich dagegen in der Regel nicht allein aus dem Umstand einer Preiserhöhung.

Eine Kündigung zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt unter Einhaltung der Kündigungsfrist bleibt selbstverständlich in jedem Fall möglich. Gleichzeitig ergibt sich auch für den Anbieter kein Sonderkündigungsrecht, sollten Verbraucherinnen und Verbraucher der Preiserhöhung widersprechen. Das Recht zur ordentlichen Kündigung unter Einhaltung der Kündigungsfrist bleibt aber auch für den Anbieter bestehen. In der Praxis verlieren jedoch wohl die wenigsten Anbieter gerne ihre Kunden.

Weitere Tipps gegen undurchsichtige Vertragsklauseln bei Fitness-Studios gibt es auf der Homepage der Verbraucherzentrale NRW unter: www.verbraucherzentrale.nrw.