Düsseldorf. Ob im Badezimmerschrank oder auf dem Schminktisch – mit der Zeit sammeln sich in den meisten Haushalten immer mehr Kosmetikprodukte an. Doch auch diese können verderben, weil Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien hineingelangen.
„Außerdem gibt es empfindliche Inhaltsstoffe in Kosmetika wie bestimmte Duftstoffe oder Öle, die mit Sauerstoff aus der Luft reagieren und sich dadurch verändern oder ranzig werden. Lichteinstrahlung kann diese Prozesse noch beschleunigen“, erklärt Chemikerin Kerstin Effers, Referentin für Umwelt und Gesundheitsschutz der Verbraucherzentrale NRW. Sie hat Antworten zur Haltbarkeit von Kosmetik zusammengestellt.
Wo steht das Haltbarkeitsdatum?
Wenn die Haltbarkeit eines Kosmetikprodukts weniger als 30 Monate beträgt, findet man den Text „mindestens haltbar bis“ oder das Symbol einer Sanduhr auf der Verpackung. Zusätzlich muss ein Haltbarkeitsdatum angegeben werden. Beträgt die Haltbarkeit mehr als 30 Monate, kann auf das Haltbarkeitsdatum verzichtet werden. Stattdessen wird das Produkt mit dem Symbol eines geöffneten Cremetopfs gekennzeichnet. In oder unter diesem steht, wie lange das Produkt nach dem Öffnen haltbar ist: „12 M“ bedeutet zwölf Monate. Tipp: Beim ersten Öffnen mit einem wasserfesten Stift das Datum auf den Cremetiegel schreiben.
Wie stoppen Kosmetikhersteller Mikroorganismen?
Hier gibt es verschiedene Ansätze. Das A und O ist bereits Hygiene bei den Rohstoffen und der Herstellung. Das gilt auch bei selbst gemachter Kosmetik. Außerdem setzen Hersteller wasserhaltiger Kosmetik wie Cremes und Duschgelen Chemikalien zu, die Mikroorganismen abtöten oder deren Vermehrung verhindern. Diese Konservierungsstoffe können prinzipiell auch Auswirkungen auf die natürliche Hautflora haben.
Manche Konservierungsmittel sind besonders in Verruf geraten: So können einige Parabene das Hormonsystem stören, bestimmte Substanzen Formaldehyd abspalten und Isothiazolinone lebenslange Kontaktallergien auslösen. Daher sind Letztere nur noch in abspülbarer Kosmetik wie Flüssigseife erlaubt. Neben den genannten Konservierungsstoffen werden auch Alkohole zur Konservierung in Kosmetik eingesetzt. Zudem spielt auch die Wahl der Verpackung eine Rolle: Eine Cremetube schützt deutlich besser gegen Keime als ein Cremetiegel, da nur eine kleine Menge des Produkts herausgedrückt wird und der Rest in der Tube bleibt. Hingegen gelangen automatisch Bakterien und Pilze in die Creme, sobald man mit dem Finger in einen Tiegel greift.
Woran erkennt man verdorbene Kosmetikprodukte?
Ähnlich wie bei Lebensmitteln ist Vorsicht geboten, wenn Kosmetik muffig oder ranzig riecht, sich die Farbe oder Konsistenz verändert hat oder sogar Schimmel sichtbar ist. In diesen Fällen sollte man das Produkt vorsorglich nicht weiter verwenden. Sofern ein Kosmetikprodukt sich nicht verändert hat, kann man es in der Regel auch über das Haltbarkeitsdatum hinaus weiter nutzen.
Wie sollte Kosmetik aufbewahrt werden?
Wenn keine speziellen Aufbewahrungshinweise auf der Verpackung angegeben sind, sind die meisten Produkte im normalen Verwendungszeitraum im Bad haltbar. Feuchtigkeit, Wärme und Licht können aber dazu beitragen, dass Produkte sich verändern oder verderben. Daher sind Parfüms oder pflanzliche Öle lichtgeschützt im dunklen Schrank besser aufgehoben.
Worauf ist bei Schminke zu achten?
Augenärzte empfehlen aus hygienischen Gründen, angebrochene Mascara nach drei bis vier Monaten auszuwechseln und nicht mit anderen zu teilen. Nach einer Augen-infektion sollte Schminke, die direkt am Auge appliziert wird, vorsorglich nicht weiter verwendet werden. Lippenstifte und Puder bieten dagegen kein Futter für Pilze und Bakterien. Der Grund: Ohne Wasser können sie sich nicht vermehren.
Wie lassen sich Kosmetikabfälle reduzieren?
Bei Kosmetikprodukten ist es nicht sinnvoll, große Vorräte anzulegen. Weniger ist auch hier mehr: Wer nur kauft, was er tatsächlich regelmäßig benötigt und in absehbarer Zeit aufbraucht, behält leichter den Überblick. Bei Produkten ohne Haltbarkeitsdatum hilft es, das Öffnungsdatum zu notieren. Aus Cremedosen und -tiegeln sollte die Portion besser mit einem sauberen Spatel oder Löffel als mit dem Finger entnommen werden, damit weniger Keime eingetragen werden. Und schließlich ist auch feste beziehungsweise wasserfreie Kosmetik eine gute Wahl, denn diese verdirbt in der Regel nicht so schnell und verursacht weniger Verpackungsmüll. Ein Körperöl oder eine Körperbutter ohne Wasser muss im Gegensatz zu einer Körperlotion, die etwa 70 bis 80 Prozent Wasser enthält, nicht konserviert werden. Das gleiche gilt für festes Shampoo, feste Seife, wasserfreie Deos.


