Wülfrath. Für die meisten Paare ist die Hochzeit der „schönste Tag des Lebens“ – zumindest beim ersten Mal. Andrea Pabst hat diesen Tag 2.050-mal erlebt, allerdings auf der anderen Seite des Tisches. An diesem Mittwoch geht Wülfraths Standesbeamtin in den Ruhestand. Bürgermeister Sebstian Schorn nennt sie bei der Verabschiedung „eine Institution in Wülfrath“.
Im August 1979 hatte Pabst als 16-Jährige ihre Ausbildung bei der Stadt Wülfrath begonnen. Seit 1989 war sie Standesbeamtin, seit 1994 fiel auch die Organisation aller Wahlen in ihre Zuständigkeit. Vor einer Woche hat sie die letzte der 2.050 Trauung vorgenommen, und das war dann auch noch die Hochzeit ihrer Kollegin und Nachfolgerin Julia Vogel. Nach fast 47 Jahre geht ihre Dienstzeit im Rathaus zu Ende. Am Freitag wird sie 63.
Die meisten Wülfrather und Wülfratherinnen werden sie als die Frau in Erinnerung behalten, die sie am „schönsten Tag des Lebens“ getraut hat. 4.100 Männer und Frauen machen rein rechnerisch heute etwa 20 Prozent der Bevölkerung aus, auch wenn unter den Paaren auch viele Auswärtige waren, weil man sich in Wülfrath auch samstags trauen lassen kann.
Das Standesamt in Wülfrath habe nicht zuletzt deshalb einen „super Ruf“, weil es alles machbar gemacht habe, erzählte Bürgermeister Schorn, der Andrea Pabst bereits aus seiner Zeit in Mettmann kennt, als auch er als Standesbeamter tätig war.
Was die bleibendste Erinnerung in all den Jahre war? Andrea Pabst erzählt sofort von einer Rocker-Hochzeit, als das gerade getraute Paar von den Freunden mit dem Dröhnen der Harleys und anderer Maschinen vor dem Rathaus empfangen wurde.
Eine Hochzeit verpasst hat noch niemand, so Andrea Pabst, „die haben schon rechtzeitig vorher abgesagt“. Der ein oder andere ist allerdings schon mal zu spät zur eigenen Trauung gekommen, mal haben die Ringe, mal der Brautstrauß gefehlt. „Nein“ gesagt hat aber keiner und keine.
Wie viele Paare von den 2.050 Trauungen noch zusammen sind, weiß die Standesbeamtin nicht, weil es statistisch gar nicht festgehalten wird. Sie weiß nur, dass es nicht alle sein können, weil sie den einen oder die andere auch zweimal getraut hat – allerdings nie dasselbe Paar.
Lesen zählt zu ihren Hobbys, beinah selbstverständlich als Vorsitzende des Fördervereins Stadtbücherei. Und für Reisen, gerne auch in die Ferne, hat sie ab Montag noch mehr Zeit.
Da passt es gut, dass ihr Mann zeitgleich in Ruhestand geht. „Den habe ich danach ausgesucht“, scherzt sie. „Ich bin traurig, dass sie geht“, sagte Bürgermeister Schorn über Andrea Pabst. Und viele Wülfratherinnen und Wülfrather werden sie nicht vergessen, weil sie dazugehörte, zum Tag ihres Lebens.