In der Gaststätte
In der Gaststätte "Hevra" hatten sich die Mitglieder des Bürgervereins getroffen. Foto: BV Düssel

Wülfrath. Auf der vergangenen Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Düssel ist unter anderem die Bebauung des ehemaligen Sportplatzes diskutiert worden. Die Mitglieder waren sich letztlich einig: Ein Wettbewerb soll das Problem lösen.

Mehr als 50 Mitglieder waren der Einladung zu der Hauptversammlung gefolgt. Zunächst gab Stefan Schneider, obwohl er seit letztem Jahr das Amt des Geschäftsführers abgegeben hat, Informationen über den Geschäftsbericht und die Aktivitäten aus 2023 weiter. Die wichtigsten Aktivitäten des Vereins waren die Beteiligung an den Dreck-Weg-Tagen 2023 und 2024, die Renovierung der Bänke auf dem Dorfplatz, verschieden Freizeitaktivitäten wie Fahrradtour, Motorradausfahrt sowie die regelmäßigen Aktivitäten wie Stammtisch und die mit großem Engagement von Margit Hassel-Bähr durchgeführten Spielenachmittage. Dank einer Spende von Hartmut Wichelhaus, der Initiative von Peter Delvos und der Mithilfe des städtischen Bauhofs sowie der tatkräftigen „Malerarbeiten“ unseres Beisitzers Meinolf Franke erfreuen sich die neuwertigen Bänke nun ganz besonderer Beliebtheit bei den vielen Besucherinnen und Besuchern im Dorf an der Düssel. Auch Uschi Franke hat mit der Organisation und Durchführung eines Besuchs des Neanderthal-Museums großen Anteil an der Vielzahl der Aktivitäten im Verein. Für dieses Jahr sieht das Programm des Düsseler Bürgervereins eine ähnliche Anzahl an Veranstaltungen vor. Als nächstes steht das Maibaumfest am 30. April 2024 auf dem Dorfplatz an.

Der Kassenbericht von Monika Schnitzler hatte dank der Spende aus dem Zweckertrag der Kreissparkasse Düsseldorf ein positives Ergebnis: mit 1.800 Euro fiel der Jahresüberschuss hoch aus. Damit kommt der 212 Mitglieder starke, gemeinnützige Verein seinem nächsten Ziel, einen Trinkwasserbrunnen auf dem Dorfplatz zu errichten, ein großes Stück näher.

Zu neuen Kassenprüfern wurden Lilly Lennartz und Ralf Borbet gewählt.

Großen Raum nahm dann die angekündigte Aussprache zur Vision eines Düsselturms auf dem Sportplatz ein. Gedacht als Gegenentwurf zur vorgeschlagenen mehr oder minder einheitlichen Bebauung der Verwaltung, hatte das Thema durchaus Konfliktpotenzial. Letztlich blieb es jedoch ruhig.

Thomas Kaulfuß eröffnete die Diskussion mit einem kurzen Rückblick in die Historie: Vorstellung eines Bebauungsentwurfs einer aufgelockerten Bebauung mit Ein- und Zweifamilienhäusern durch die ehemalige Bürgermeisterin Dr. Claudia Panke, nicht eingehaltene Zusage der Stadt, vor einem weiteren Entwurf sowohl mit dem Bürgerverein als auch mit den Düsseler Bürgerinnen und Bürger zu diskutieren, Vorstellung der nun im Bebauungsplanentwurf dargestellten einheitlichen Bebauung anlässlich der letzten Jahreshauptversammlung 2023, Gegenentwurf des BV Düssel mit der Vision einer turmartigen Bebauung in der Formensprache von Friedensreich Hundertwasser, zum Teil beleidigende Äußerungen gegenüber dem BV Düssel und seinem Vorsitzenden wegen dieses Vorschlags auch durch Mitglieder des BV Düssel selber und vor allem die ablehnende Haltung seitens der Stadt, sich überhaupt mit einer alternativen Darstellung oder Bebauung auseinanderzusetzen.

Michael Becker als Hochbaufachmann und ehemaliger Vorsitzender des BV Düssel machte sich für den Turm stark, er sei ein Highlight und man müsse ja auch nicht so hoch bauen, wie der Umweltschutz das vorgeschlagen hatte. Es ginge schließlich nicht um eine unendliche Anzahl an Wohneinheiten.

Margit Hassel-Bähr führte für den Turm ins Feld, dass dieser schließlich deutlich weniger Fläche versiegeln würde als eine Standardbebauung. Ein Argument in Zeiten des Klimawandels. Ein weiteres Stichwort von ihr war, dass Wülfrath seit Jahrzehnten verschuldet sei, Monheim es vorgemacht hätte, wie man aus der Verschuldung herauskommen kann. Und Wülfrath brauche doch ein attraktives Wohnumfeld, um insbesondere junge Familien nach Wülfrath zu locken, wie die Stadt das bereits mit der Hundertwassersiedlung und der Bebauung an der Vorburg positiv begonnen hatte.

Neumitglied Lilly Lennartz, ehemalige Mitarbeiterin der Landesentwicklungsgesellschaft NRW, griff dieses Argument auf und stellte klar, dass eine einheitliche Wohnbebauung kontraproduktiv für die gewünschte Integration der Neubürgerinnen und Neubürger sei. Wichtig war auch für sie, dass das Wohnumfeld und auch die Bebauung vor allem für jüngere Familien äußerst wichtig seien.

Gegenwind kam insbesondere von den direkten und indirekten Anwohnern: Der Blick würde versperrt, der Turm würde zu hoch, er passe nicht ins Umfeld des dörflichen Charakters, eine Bebauung wie in der Vorburg wäre denkbar.

Uwe Heinemann, ehemaliges Vorstandsmitglied, erläuterte, dass es bei der damaligen Bebauung der heutigen Siedlung „Vorburg“ – im Volksmund „Bonbonsiedlung“ genannt – ebenfalls zu großen Protesten gekommen sei. Heute würde die Bonbonsiedlung als ein attraktiver Teil des Dorfes gesehen. Und damals hätte man die Stadt mehr oder minder gezwungen, die Bebauung dieser Fläche im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs auszuschreiben. Dies auch mit großem Erfolg und gegen den Widerstand der Stadt.

Dieser „städtebauliche Wettbewerb“ war dann auch das Zauberwort für einen tragfähigen Kompromiss, den der Vorsitzende wie folgt formulierte: „Der Bürgerverein Wülfrath Düssel fordert die Stadt Wülfrath auf, die Bebauung des Sportplatzes in Düssel auf der Basis eines städtebaulichen Wettbewerbs mit der Maßgabe, dass sich die Bebauung an der Formensprache von Friedensreich Hundertwasser zu orientieren habe, umzusetzen.“

In der anschließend durchgeführten Abstimmung sprachen sich alle anwesenden Mitglieder des BV Düssel bei zwei Enthaltungen ohne Gegenstimme einstimmig für diesen Vorschlag aus.

Zum Ende der Veranstaltung wurde dann noch über einige Veranstaltungen diskutiert, insbesondere über das zweigeteilte Weihnachtsbaumfest. In diesem Jahr will der Düsseler Verein nicht nur die Kinder des Kindergartens einladen, sondern alle in Düssel wohnenden Kinder.