Wülfrath. Es ist ein langer Weg bis an diese Startlinie gewesen. Nach einer mehrmonatigen Verletzungspause und einem schwierigen Wiedereinstieg ins Training hatte die Wülfratherin Anne-Katrin Reinl ihren Saisonhöhepunkt längst vor Augen: die Ironman 70.3 World Championship in Nizza. Doch wenige Wochen zuvor hatte sie bei der Veranstaltung in Duisburg einen weiteren Rückschlag erlebt.
Trotz einer starken Leistung mit Platz zwei in ihrer Altersklasse verletzte sie sich dort am Knöchel und musste erneut eine Trainingspause einlegen. In Nizza konnte sie deshalb erst wenige Tage vor dem Rennen testen, ob Schwimmen und Laufen wieder möglich waren. Beide Tests verliefen gut – damit war klar: Sie konnte starten.
Schon vor dem Rennen am 12. September herrschte in Nizza eine besondere Atmosphäre. Athletinnen und Athleten aus aller Welt, Fahrräder und Fahnen prägten das Stadtbild. Die Kulisse für eine Weltmeisterschaft hätte kaum besser sein können.
Um 7:14 Uhr ging es für Reinl mit der zweiten Startgruppe ins Mittelmeer. Das glasklare Wasser hatte mehr als 25 Grad, weshalb kein Neoprenanzug erlaubt war. Stattdessen ging es im Swimskin auf die 1,9 Kilometer.
Beim Schwimmen lief es nicht ganz nach Plan. Mit 41:46 Minuten und einigen zusätzlichen Metern auf der Uhr kam Reinl aus dem Wasser – eine ihrer langsameren Schwimmzeiten. Ärgern wollte sie sich darüber jedoch nicht. Nach den vergangenen Wochen überwog die Freude, überhaupt wieder im Wasser zu sein. Mit Vorfreude ging es auf die 93 Kilometer lange Radstrecke.
Die ersten zehn Kilometer führten flach aus Nizza heraus, anschließend warteten rund 30 Kilometer bergauf zum Col de Vence. Reinl erwischte einen guten Tag und fühlte sich am Berg stark. Auch die welligen Passagen über das Plateau lagen ihr, bevor es in die mehr als 20 Kilometer lange Abfahrt ging.
Der obere Teil ließ sich mit gutem Asphalt und flüssigen Kurven schnell fahren. Die letzten zehn Kilometer der Abfahrt waren dagegen von schlechtem Asphalt und zahlreichen Bodenwellen geprägt. Reinl nahm dort bewusst etwas Tempo heraus. Anschließend ging es noch einmal rund zehn Kilometer flach zurück nach Nizza – dieser Abschnitt lief wieder bestens. Nach 3:17:53 Stunden erreichte sie die Wechselzone direkt am Hafen. Dann hieß es: Laufschuhe an und los.
Vom Hafen führte die Strecke zunächst leicht bergauf, bevor es auf die Promenade des Anglais ging. Mittlerweile waren die Temperaturen deutlich gestiegen. Hitze und Wind machten den flachen Halbmarathon anspruchsvoll, gleichzeitig sorgten die vielen Zuschauer für eine großartige Stimmung. Zwei Runden mussten absolviert werden – hinaus bis zum Flughafen und wieder zurück in die Innenstadt. Reinl versorgte sich regelmäßig mit Getränken und Kühlung und konnte während des Laufs noch einige Plätze gutmachen. Nach 1:34:08 Stunden war auch die letzte Disziplin geschafft.
Nach insgesamt 5:42:29 Stunden erreichte sie das Ziel. Das bedeutete Platz 29 von 361 Starterinnen in ihrer Altersklasse.
Für Reinl war die Platzierung dabei nur ein Teil des Erfolgs. Viel wichtiger war, dass sie nach der Verletzung in Duisburg überhaupt wieder alle drei Disziplinen absolvieren konnte – und das ausgerechnet bei einer Weltmeisterschaft. „Ich bin einfach unendlich dankbar, dass ich hier starten durfte.“
Damit fand eine von Rückschlägen und Geduld geprägte Saison in Nizza doch noch ihren versöhnlichen Abschluss. Nach allem, was in den vergangenen Monaten passiert war, konnte Reinl vor allem eines: zufrieden und mit einem großen Lächeln ins Ziel laufen.


