Sie haben heute die Artenvielfalt am Eignerbach-Gelände vorgestellt: Lisa Gödde, Klaus Adolphy, Thomas Kordges und Carlos Ripoll. Foto: Kling

Wülfrath/Velbert. „Rohstoffabbau und Naturschutz müssen kein Gegensatz sein.“ Unter diesem Leitgedanken hat Lhoist heute über die Ergebnisse eines jährlichen Artenschutz-Monitorings berichtet.

„Nachhaltigkeit hat bei Lhoist eine lange Tradition und ist in unserem Handeln fest verankert“, betont Carlos Ripoll, Leiter des Lhoist-Werkes Flandersbach bei dem Termin am Aussichtspunkt des Natur- und Naherholungsgebiets Eignerbach. Eine nachhaltige Flächenentwicklung, wie sie Lhoist mit der Rekultivierung des Eignerbach-Geländes vorangetrieben hat, sei ein Beleg dafür

Eignerbach: Beispiel für nachhaltige Flächennutzung

Mehr als 60 Jahre wurde an der Grenze von Wülfrath und Velbert ein Absetzbecken zur Sedimentation mineralischer Feststoffe aus der Gesteinswäsche des Kalkwerkes Flandersbach betrieben. Im Volksmund heißt das Becken „Schlammteich“.

Die Nachnutzung und Wiederherstellung des Geländes nach Beendigung des Betriebes wurde vertraglich geregelt: So konnten unter der Federführung des Kreises Mettmann zahlreiche Maßnahmen festgelegt werden, die sowohl die Vorgaben für den Landschaftsschutz als auch Aspekte der Naherholung berücksichtigen. Gleichzeitig dient das Areal als Kompensationsfläche für andere Erweiterungsprojekte des Unternehmens.

In dem 126 Hektar großen Gebiet, das bereits seit der Stilllegung des Sedimentationsbeckens im Jahre 2002 landschaftsgerecht wiederhergerichtet und weiterentwickelt wird, fühlt sich mittlerweile eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten heimisch, darunter allein rund 130 Vogelarten, die hier während der Zugzeit beobachtet wurden.

„Das Gelände gehört sicherlich zu den artenreichsten und wertvollsten Biotopen im Kreisgebiet“, sagt Klaus Adolphy von der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Mettmann. „Die Kombination von natürlicher Entwicklung und extensiver Beweidung mit den sehr robusten Heckrinder aus dem Neandertal haben eine höchst interessante Fauna und Flora entstehen lassen“, so Adolphy weiter.

Entwicklung auf der Zielgerade

Im Eignerbach-Gebiet finden seltene und bedrohte Arten einen Lebensraum. „Ein Highlight ist die Rohrdommel, ein in NRW bereits ausgestorbener reiherartiger Schreitvogel, der auf der Zugzeit hier wiederholt beobachtet wurde.

Auch die Orchideen-Vorkommen sind mit über 1000 Exemplaren und mindestens sechs Arten sehr bemerkenswert“, erklärt Thomas Kordges. Er leitet das Umweltbüro Ökoplan-Kordges aus Hattingen. Mit einem jährlichen Monitoring begleiten Ökologen die Entwicklung von Flora und Fauna. „Wir beobachten wie sich das Gelände entwickelt und justieren dann gegebenenfalls fein nach – immer vor dem Hintergrund eines bestmöglichen Naturschutzes und in Einklang mit der Naherholung. Mittlerweile haben wir ein sehr vollständiges Bild von Artenbestand und Wandel vor Ort.“

Das Leitbild für das Gelände sei eine halboffene naturnahe gewässerreiche Landschaft, die gleichermaßen Funktionen des Naturschutzes und der Naherholung erfülle. Um ständige Pflegeeingriffe zu vermeiden, bediene man sich dabei verschiedener Weidetiere, „die die drohende Verbuschung des Geländes durch Verbiss unterbinden und als natürliche Landschaftspfleger wirken“, erläutert Kordges. Zu solchen Landschaftspflegern gehören beispielsweise die bereits erwähnten „Auerochsen“ (Heckrinder) und Tarpane des Wildgeheges Neandertal.

Rohstoffabbau und Naturschutz im Einklang

Durch die Flächengestaltung und das begleitende Monitoring kann Lhoist dafür sorgen, dass eine vielseitige Kulturlandschaft entsteht, die Bedürfnisse von Natur und Mensch berücksichtigt. Lisa Gödde, aus der Abteilung Umweltschutz und Genehmigung bei Lhoist, weiß um den besonderen Stellenwert: „Wir haben hier alles in einmaliger Konzentration – erst industrielle Nutzung, dann ein nachhaltiges Folgenutzungskonzept. Das macht dieses Thema auch so wichtig für uns. Es zeigt, dass der Kalksteinabbau sowie Umwelt- und Naturschutz kein Gegensatz sein müssen. „Wir sind froh, dass wir in guter Zusammenarbeit mit dem Kreis Mettmann, der das Eiszeitliche Wildgehege betreibt, dieses faunistisch-floristische Juwel ermöglichen können.“

Über 130 Jahre Nachhaltigkeit im Unternehmen

„Das Projekt Eignerbach steht für einen wichtigen Teil unserer ganzheitlichen verantwortungsbewussten Nachhaltigkeitsstrategie. Diese gilt für unser Unternehmen grundsätzlich bereits seit über 130 Jahren. Dabei gehen wir natürlich mit den Anforderungen der Zeit“, beton Werksleiter Carlos Ripoll. So sei die Errichtung einer Blühwiese für Bienen genauso ein Puzzlestück wie die Minderung von CO2-Emissionen in den Werken oder die Erschließung neuer Anwendungsgebiete für Kalkprodukte. „Wir stehen dabei zu unserer regionalen Verantwortung ganz unter dem Motto WIR. LEBEN. KALK.“ Dieser Leitsatz decke die Anforderungen von Menschen, Umwelt und Wirtschaftlichkeit im Unternehmen ab.

Hier eine Übersicht auf das Gelände. Grafik/Foto: Lhoist