Die Stadt Velbert hat Hintergründe zum Bebauungsplan für die Entwicklung des Gewerbegebiets "Große Feld" bei einer Informationsveranstaltung erläutert. Foto: Mathias Kehren

Velbert. In seiner Sitzung am kommenden Dienstag, 14. Juli, ab 16 Uhr im Forum Velbert entscheidet der Rat der Stadt Velbert über ein richtungsweisendes Projekt für die lokale Industrieansiedlung.


Ein wichtiger Tagesordnungspunkt ist der Bebauungsplan 761, der südlich der Langenberger Straße und östlich der Bleibergstraße ein neues Gewerbegebiet mit einer Gesamtfläche von 27 Hektar vorsieht. Die öffentliche Sitzung könnte für die zukünftige wirtschaftliche Ausrichtung der Stadt entscheidend sein.

Der erste Aufstellungsbeschluss und damit der offizielle Start des Bebauungsplanverfahrens datiert auf das Jahr 2017. Der lange Zeitraum und das Fachverfahren selbst, das mittlerweile fast 700 Seiten füllt, machen deutlich, wie kontrovers das Thema in Velbert bis zuletzt diskutiert wurde. Die Versiegelung des Naturraums, die aufgrund der Topographie und Bodenbeschaffenheit zu erwartenden hohen Erschließungskosten sowie letztlich die Notwendigkeit von Flächen für den gewerblichen Bedarf sorgten immer wieder für Diskussionsstoff.

Um die Velberter Bürgerschaft noch einmal über das nun möglicherweise vor dem Abschluss stehende Verfahren zu informieren, hatte die Stadt im Vorfeld zu einer Informationsveranstaltung in den Europasaal des Forums Velbert eingeladen. Etwa 120 bis 150 Personen fanden sich im Europasaal ein, darunter interessierte Bürgerinnen und Bürger, aber auch Ratsmitglieder, Fachleute aus der Verwaltung, Unternehmer und Unternehmensvertretungen wie etwa der IHK. Nachdem Fachplaner Björn Leißner einige kritische Kernpunkte des Bebauungsplans angerissen hatte (mehr dazu siehe unten), stand vor allem die Frage im Raum: Braucht Velbert denn überhaupt ein neues Industriegebiet?

Braucht Velbert ein neues Industriegebiet?

Hier fand Frank Schmidt von der Velberter Wirtschaftsförderung klare Worte: „Velbert hat keinen Quadratmeter Platz für produzierendes Gewerbe“, stellte er klar und erteilte Behauptungen über freie Gewerbeflächen im Stadtgebiet eine Absage. Alle relevanten Flächen seien „betriebsgebunden“ und stünden für eine Vermarktung nicht zur Verfügung. In der hohen Nachfrage sieht Schmidt eine Bestätigung für den Flächenbedarf: Rund 70 bis 80 Firmen hätten Interesse bekundet, rund 30 Betriebe kämen in die engere Auswahl.

Beigeordneter Christian Dräger bekräftigte diesen Standpunkt. Wenn man mit Unternehmern, etwa aus Monheim oder Düsseldorf, im Gespräch sei, höre man: „Velbert ist ja total irre! Super Gegend, direkt am Ruhrgebiet mit vielen Menschen, die hier arbeiten könnten.“ Doch er müsse bisher immer passen: „Wir haben aktuell keine Flächen im Angebot, die in unserem Besitz sind“, so der Dezernent für Wirtschaft und Standortentwicklung.

Was die Art der Unternehmensansiedlungen betrifft, geht es den Akteuren darum, Arbeitsplätze zu entwickeln. Und Betrieben den Vorzug zu geben, die zur Geschichte Velberts und zur Region passen. Geplant sind große Unternehmen in der Mitte des Gebiets und kleine Betriebe am Rand, beispielsweise eine Schlosserei, die ihre lärmintensive Produktion aus der Innenstadt verlagern möchte.

Baudezernent Jörg Ostermann erläuterte den Bestand und den geplanten Ablauf der Maßnahme: Das Erschließungsgebiet ist 27 Hektar (270.000 Quadratmeter) groß und durch eine Wasserscheide geteilt. Geplant sind Entwässerungsgebiete im Westen und Osten des Areals mit Regenrückhaltebecken und Anschluss an die bestehenden Bachläufe dort.

Die ersten Bauphase soll etwas mehr als die Hälfte des Gebiets, etwa 17 Hektar, im Bereich Langenberger und Bleibergstraße erschlossen werden. Später dann der zweite Teil. Die Grundstücke sind noch nicht zugeschnitten, was nach Bedarf erfolgen soll. Der Ansatz zielt laut Ostermann darauf ab, die Nachfrage im Blick zu behalten, um die Ressourcen für die Erschließung zu schonen und die Landschaft solange wie möglich unangetastet zu lassen.

Bebauungsplan “Große Feld”

Fachplaner Björn Leißner erläuterte viel diskutierte Stellen im Bebauungsplan, der inklusive aller Gutachten und Nachträge 677 Seiten umfasst. Er versuchte zu beruhigen: Das Industriegebiet werde nicht wie in den Siebzigerjahren gebaut. Fassadenbegrünung und Photovoltaik seien Bestandteil einer modernen Gestaltung. Zudem werde es eine Bauminsel in der Mitte geben und einen rund 20.000 Quadratmeter umfassenden Grüngürtel, der sich mit einer Tiefe von 20 bis 60 Metern über den gesamten Südrand des Industriegebiets erstreckt. Auch entlang der Langenberger Straße soll ein Grünstreifen mit Bäumen angelegt werden.

Das Thema Artenschutz habe bei der derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche keine Rolle gespielt, die Wasserproblematik sei mit den zwei Rückhaltebecken umfassend gelöst. Und auch das erst vor drei Jahren vor dem OVG verhandelte Thema Lärmentwicklung wurde in der weiteren Planung mit neuen Gutachten berücksichtigt. Generell sehe man von der Ansiedlung einer Spedition mit erhöhtem LKW-Aufkommen ab.

Ob der Verwaltungsvorschlag diesmal die Mehrheit des Rates überzeugen kann, wird sich bei der entscheidenden Sitzung am Dienstag im Forum Velbert zeigen.

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