Der vollbesetzte Saal des Wülfrather Rathauses beim Info-Abend zum Glasfaserausbau. Foto: Kling

Wülfrath. Geduld, Geduld, Geduld: Bei einer Informationsveranstaltung hat die Firma Greenfiber am Abend im proppenvollen Saal des Rathauses um Verständnis für Probleme und Verzögerungen beim Ausbau des Wülfrather Glasfasernetzes geworben. Offen bleibt, ob damit die Wogen geglättet werden konnten.


Mehr als 100 Menschen drängten sich in den großen Saal des Rathauses. Stühle mussten zusätzlich herangeschafft werden. Die letzten Gäste mussten im Eingangsbereich stehen. Stadtwerke-Chef Heiko Schell erklärte, dass es vor fast sechs Jahren eine seiner ersten Initiativen im neuen Job gewesen sei, ein Glasfasernetz für ganz Wülfrath auf den Weg zu bringen. Er hätte damals wohl kaum gedacht, dass das Thema fast sechs Jahre später noch so viele Menschen erregen würde.

Eigentlich hatte Regionalleiter Mike Kleiner von Greenfiber eine Präsentation geplant, die mit der Erklärung beginnen sollte, welche Strukturen es innerhalb des für den Glasfaserausbau in ganz Wülfrath zuständigen Unternehmens gibt. Erst am Ende sollte Zeit für Fragen sein. Doch das Publikum ließ diesen Ablauf gar nicht erst zu. Aus ersten Zwischenfragen und Anmerkungen wurden längere Wortbeiträge. Die Menschen wollten Dampf ablassen – und nicht erfahren, welche Unternehmen unter dem Namen Greenfiber zusammengefasst sind.

Das Problem des Abends: Mehr als 100 zumeist erboste Menschen, mehr als 100 einzelne Geschichten. Immer wieder war zu hören: „Als ich 2022 den Vertrag abgeschlossen habe …“ Und immer wieder endete die Geschichte damit, dass auch vier Jahre später noch immer kein Glasfaser-Licht den heimischen Router erreicht.

Eigentlich wollten alle nur eines wissen: Wann bekomme ich endlich meinen Anschluss? Oder zumindest: Wer kann mir sagen, wann ich meinen Anschluss bekomme?

Mike Kleiner wiederholte nicht die Fehler, die im Laufe des Projekts gemacht worden waren, als das Netz zunächst bis Ende 2024 und später bis Ende 2025 fertiggestellt sein sollte. Fehler, die Greenfiber und die Stadtwerke heute einholen.

Stattdessen machte Kleiner mit Zahlen deutlich, dass inzwischen 1.407 Haushalte online seien – von insgesamt 2.781 Haushalten, die einen Glasfaseranschluss beantragt hätten. Davon sind 2.485 Hausanschlüssen „baulich fertig“. Fehlt nur noch die Glasfaser oder die Freischaltung. Oder beides.

Kleiner erklärte, dass es beim Tiefbau immer wieder Probleme gegeben habe. Auch das Einblasen der Glasfaserkabel in die Leerrohre sei nicht immer erfolgreich gewesen. Das habe zur Folge, dass erneut eine Kolonne kommen und die Straße noch einmal aufreißen müsse, um den Fehler zu beheben.

Kleiner räumte ein, dass es Mängel bei der Kommunikation gegeben habe. „Was für eine Kommunikation?“, rief ein Kunde wütend und beklagte, auf Anrufe und E-Mails mehrfach keine Antwort erhalten zu haben.

Immer wieder meldeten sich Menschen zu Wort, um endlich ihre Geschichte zu erzählen – und sei es nur, um sich etwas Luft zu verschaffen. Der Regionalleiter gab den Menschen den Raum und die Zeit dazu. Die Geschäftsführung des Unternehmens ist Kleiner zu großem Dank verpflichtet, mit welcher Haltung er diesen schwierigen Abend meisterte.

Nach zwei hitzigen Stunden war der allgemeine Teil beendet. Anschließend standen die Besucher Schlange, um persönlich mit Mike Kleiner oder einem der anderen Mitarbeiter des Unternehmens zu sprechen.

Unter dem Strich bleibt, dass Greenfiber niemandem sagen kann, wann der Glasfaseranschluss tatsächlich zur Verfügung stehen wird. Das könnte schon bald der Fall sein. Die Hand dafür ins Feuer legen will jedoch niemand.

Stadtwerke-Chef Heiko Schell und Mike Kleiner, Regionalleiter bei Greenfiber. Foto: Kling