
Wülfrath/Kreis Mettmann. Die neue Kampagne des Kreises Mettmann gegen Altersarmut unter dem Motto „Altersarmut ist keine Schande. Wegsehen schon“ findet Anerkennung bei Wolfgang Peetz, Leiter der Aktion „Wülfrather Kinder in Not“. Zugleich fordert er eine vergleichbare kreisweite Initiative gegen Kinderarmut.
„Kinderarmut darf nicht länger im Schatten stehen“, lautet die zentrale Botschaft seines Anliegens. Wenn der Kreis Mettmann mit einer gemeinsamen Kampagne und einer zentralen Anlaufstelle ältere Menschen besser über Unterstützungsangebote informiere, sollte nach Auffassung von Peetz auch die Situation von Kindern und ihren Familien stärker in den Blick genommen werden.
Die Zahlen unterstrichen die Bedeutung des Themas. Nach Angaben des Wegweisers Kommune lag die Kinderarmutsquote im Kreis Mettmann 2023 bei 16,4 Prozent. Der Anteil der älteren Menschen, die Grundsicherung im Alter beziehen, betrug 3,7 Prozent. Da nicht alle Menschen die Sozialleistungen in Anspruch nehmen, auf die sie Anspruch haben, bildet diese Quote die tatsächliche Altersarmut nur teilweise ab. Selbst bei vollständiger Inanspruchnahme der Grundsicherung läge die Quote nach Einschätzung von Peetz bei höchstens sechs Prozent.
Peetz betont, dass es nicht darum gehe, die Bedürfnisse älterer Menschen gegen die von Kindern auszuspielen. Armut sei in jedem Lebensalter eine soziale Herausforderung. Die neue Altersarmutskampagne zeige jedoch, dass der Kreis gemeinsam mit den Städten eine öffentliche Initiative auf den Weg bringen könne, um Betroffene besser zu erreichen und ihnen den Zugang zu Hilfen zu erleichtern.
Kinderarmut bedeute häufig auch geringere Bildungs- und Teilhabechancen. Was für andere Kinder selbstverständlich sei – ein Vereinsbeitrag, ein Buch oder die Teilnahme an einem Ausflug –, könne für Familien mit geringem Einkommen bereits eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Die Folgen reichen damit über die unmittelbare Versorgung hinaus und können die Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern langfristig beeinträchtigen.
Peetz schlägt drei konkrete Maßnahmen vor. Eine zentrale Internetplattform soll Familien verständlich und übersichtlich über finanzielle Hilfen, Bildungsangebote und weitere Unterstützungsleistungen informieren. Eine zentrale Hotline soll Eltern kompetente Ansprechpartner vermitteln, die ihnen als „Lotsen durch den Paragrafendschungel“ helfen und sie an die jeweils zuständigen Stellen weiterleiten. Darüber hinaus fordert Peetz ein gemeinsames Handlungskonzept unter Beteiligung des Kreises, der kreisangehörigen Städte, der Wohlfahrtsverbände, Schulen, Kindertageseinrichtungen und bestehender Initiativen.
Ziel müsse es sein, vorhandene Hilfsangebote besser zu vernetzen, ihre Bekanntheit zu erhöhen und sicherzustellen, dass die Unterstützung tatsächlich bei den betroffenen Kindern und Familien ankommt. Dafür seien eine zentrale Anlaufstelle und eine abgestimmte Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen entscheidend.
Mit der Altersarmutskampagne habe der Kreis Mettmann gezeigt, wie soziale Probleme öffentlich sichtbar gemacht und konkrete Hilfsangebote gebündelt werden könnten. Dieses Vorgehen solle nun auch auf die Kinderarmut übertragen werden. „Die Chancen eines Kindes dürfen nicht davon abhängen, wie gut seine Eltern sich im Dschungel der Sozialleistungen auskennen“, lautet der Kern der Forderung.
Peetz appelliert deshalb an die Landrätin und die Verantwortlichen im Kreis Mettmann, die Bekämpfung der Kinderarmut zu einer gemeinsamen Aufgabe des gesamten Kreises zu machen. Bessere Chancen für Kinder seien nicht nur eine Hilfe für einzelne Familien, sondern eine Investition in die Zukunft der gesamten Gesellschaft.

