
Wülfrath. Die Menschen in der Nachbarschaft des Dieks sind es leid: lautes Gegröle, laute Musik, knallende Böller und Motorradfahrer, die die Innenstadt als Rennstrecke benutzen. Bewohnerinnen und Bewohner der Wiedenhofer Straße haben jetzt dem Bürgermeister ihr Leid geklagt.
Die Anwohnergemeinschaft hatte dem Bürgermeister ein fast zweiseitiges Schreiben zukommen lassen, in dem sie ihre Beschwerden auflistete. Der Parkplatz Am Diek verkomme immer mehr zum Treffpunkt für Alkoholtrinkende. Auch die Grünanlage am Krappsteich sei betroffen. „Man hat Angst, abends dort einen Spaziergang zu unternehmen“, heißt es in dem Brief an den Chef des Rathauses, der viele weitere Punkte wie öffentliches Urinieren, Drogenkonsum, Verschmutzungen und Zerstörungen enthält.
„Neulich war so viel los, dass zwei Polizeiwagen heranrückten und die Krawallmacher mittels Megafons mehrfach aufforderten, nach Hause zu gehen“, berichtet die Gemeinschaft in dem Schreiben. Als die Polizei wieder weg gewesen sei, hätten die Betrunkenen einfach weitergemacht.
Bürgermeister Sebastian Schorn hat die Gemeinschaft, die überwiegend aus Frauen besteht, vor Ort besucht. Mit dabei waren Sozialdezernentin Michele Berster sowie Friedhelm Rust und Wolfgang Kraemer von der Seniorenvertretung.
„Es macht es nicht besser, dass alle Städte diese Probleme haben“, sagte Schorn, der das Thema noch aus seiner Zeit als Leiter des Ordnungsamtes kennt. Im Stadtpark und an der Sporthalle Goethestraße sei es gelungen, Verbesserungen zu erreichen. Der Bürgermeister machte den Frauen Hoffnung, dass dies auch in ihrer Nachbarschaft gelingen könne.
Schorn und Berster kündigten verstärkte Aktionen des Ordnungsdienstes und der Polizei an. Es gebe aber verschiedene Probleme, gestand der Bürgermeister ein: Es sei nicht verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken. Und der Ordnungsdienst habe ebenso wie die Polizei Schwierigkeiten, Menschen auf frischer Tat zu ertappen, wenn sie gegen Regeln verstießen. „Jeder Mensch hat das Recht, sich draußen aufzuhalten“, machte der Bürgermeister deutlich. Dagegen könne die Stadt nichts unternehmen. Die Installation von Überwachungskameras sei nach deutschem Recht in diesem Fall nicht erlaubt.
So wollen Stadt und Polizei mit verstärkten Kontrollen und Gesprächen versuchen, die Lage zu entschärfen. „Wir geben uns sehr viel Mühe, dass unsere Stadt gut aussieht und lebenswert ist und bleibt“, sagte Sebastian Schorn. Probleme wie die geschilderten habe es jedoch zu allen Zeiten und in allen Generationen gegeben.
Dennoch werde die Stadtverwaltung nicht aufgeben, das Problem der Ruhestörungen in der Innenstadt weiter anzugehen. Allerdings werde eine Entlastung im Bereich Am Diek wahrscheinlich dazu führen, dass sich die Ruhestörer einen anderen Standort suchten.
„Wir haben nicht genug Personal, um den Ordnungsdienst 24 Stunden am Tag durch die Stadt zu schicken“, zeigte der Bürgermeister aber auch die Grenzen der Möglichkeiten auf.

