Demonstration mit Transparenten, Menschenmenge, historisches Foto.
Vor 50 Jahren demonstrierten Tausende vor dem Wülfrather Rathaus gegen die geplante Eingemeindung nach Wuppertal. Fotos: Stadtarchiv/Ernst Erbach

Wülfrath. Vor 50 Jahren haben geschätzt 3.000 Menschen vor dem Wülfrather Rathaus für die Eigenständigkeit der Stadt demonstriert. Denn Wülfrath sollte eigentlich ein Stadtteil von Wuppertal werden.

Die Sache schien schon beschlossen. Im Rahmen der sogenannten Gebietsreform sollte Wülfrath zur Nachbarstadt Wuppertal zugeschlagen werden. Der Landtag hatte in einer ersten Lesung 1973 darüber beraten, wie der Bürgerverein Dornap-Düssel später in einer Festschrift berichtete. Das aber habe die Gemüter der Wülfrather Bürger stark erhitzt, „verständlicherweise“, wie der Bürgerverein erinnerte.

Die Bürgervereine der Stadt waren es auch, die gegen die Eingemeindung mobil machten, erinnert sich Axel Neubauer, der damals zum Sprecher der Initiative der fünf Wülfrather Bürgervereine (Stadt, Flandersbach, Obere Flandersbach, Rützkausen und Düssel) gewählt wurde. Die Bürgervereine organisierten eine Demonstration, an der nach Zeitungsberichten 3.000 Menschen teilnahmen. „Willkür oder Bürgerwille“ war auf einem der viele selbstgemalten Schilder zu lesen oder „ohne Wuppertal geht es auch“. Auf einem Transparent stand: „Zusammenschluss ja, aber nicht mit Wuppertal!“ Das „nicht“ dabei dick unterstrichen.

Vor dem Rathaus fand eine Kundgebung statt, Bürgermeister Helmut Kuhnert sprach vom Rathausbalkon zu den Menschen, ebenso Axel Neubauer für die Bürgervereine. Die Lautsprecheranlage stellte die Firma Bast zur Verfügung, erinnert sich Neubauer.

Bürgermeister Kuhnert und Stadtdirektor Günther Schiffmann nahmen Verhandlungen mit Mettmann auf. Grund: Stadtrat und Verwaltung wollten lieber Stadtteil von Mettmann werden, als zu Wuppertal zugeschlagen zu werden.

Schließlich wurde auf Drängen der Initiative eine Bürgerbefragung organisiert. 97 Prozent sprachen sich für den Erhalt der Selbstständigkeit aus, blickt Axel Neubauer zurück.

So sollte es dann auch kommen, allerdings musste Wülfrath Teile abgeben: So kam unter anderem Dornap zu Wuppertal, nördliche Teile der Stadt zu Velbert.

Die Gebietsreform trat am 1. Januar 1975 in Kraft. Der Kreis Düsseldorf-Mettmann wurde zum Kreis Mettmann, zu dem dann auch Wülfrath als eine von zehn Städten gehörte.

An die Demonstration vor 50 Jahren will eine Ausstellung erinnern, die Stadtarchivar Dr. Axel Bayer zusammengestellt hat. Die Fotos dazu stammen von dem Journalisten Ernst Erbach, der für den General-Anzeiger die Geschichte damals begleitete. Sein Neffe Ulrich Erbach hat die Bilder neu bearbeitet, für die Ausstellung wurden sie auf DIN A 3 vergrößert.

Die Ausstellungseröffnung findet am Jahrestag der Demonstration, dem 19. Januar, statt. Im Foyer wird Bürgermeister Rainer Ritsche auch den damaligen Sprecher der Initiative, Axel Neubauer, begrüßen können.

Demonstration in Wuppertal, historisches Schwarz-Weiß-Foto.
Die Demonstration für Wülfraths Eigenständigkeit auf der Mettmanner Straße.