Person mit blauem Regenschirm in Einkaufsstraße.
„Besonders schwierig ist die Lage der Einzelhändler“, so ein Ergebnis der IHK-Umfrage. Blick in die Velberter Fußgängerzone. Foto: Mathias Kehren

Kreis Mettmann. Die Wirtschaft im Kreis Mettmann stagniert. „Und das ist schon die gute Nachricht“, sagt IHK-Mann Gerd Helmut Diestler.

Seit 25 Jahren untersucht Diestler für die Industrie- und Handelskammer die wirtschaftliche Entwicklung im Kreis Mettmann. Dazu befragt die Kammer Unternehmen der Region, wie sie die aktuelle Geschäftslage einschätzen und wie sich diese voraussichtlich entwickeln wird. Daraus entsteht der Konjunkturbericht.

Für die Gegenwart hat sich eine Stagnation der wirtschaftlichen Entwicklung im Kreis Mettmann ergeben. Und das ist besser als erwartet. Oder besser: als befürchtet.

Denn im vergangenen Herbst hat der Konjunkturexperte „noch das böse R-Wort“ in den Mund genommen, erinnert sich Diestler. Will heißen: Aus den Umfragedaten damals ließ sich eine bevorstehende Rezession ablesen. So weit ist es nicht gekommen. Und Stagnation sei halt besser als Rezession.

Dennoch kann die Industrie- und Handelskammer aber auch – unter dem Strich – keine positiven Signale vermelden. Die Unternehmen blicken nicht zuversichtlich auf den weiteren Jahresverlauf. Eine „rasche Wirtschaftserholung“ hält der IHK-Mann demnach für unwahrscheinlich.

Beispielsweise planten 13 Prozent der 230 Betriebe, die bei der Umfrage mitgemacht haben, überhaupt keine Investitionen. Die Regel, gerade in Krisenzeiten für die Zukunft neue Weichenstellungen vorzunehmen und zu investieren, werde also in diesen Fällen nicht befolgt.

Dabei gebe es durchaus positive Entwicklungen. Beispielsweise seien die Preise für Energie zum Teil wieder deutlich gesunken, auch wenn sie das Niveau vor Corona wohl nie wieder erreichen würden, wie Diestler schätzt.

Aber ansonsten gebe es weder auf ausländischen Märkten noch im Inland Lichtblicke für die wirtschaftliche Entwicklung. Die sorgenvolle Stimmung habe schließlich auch bei den Verbrauchern zu einer „starken Zurückhaltung“ geführt. „Besonders schwierig ist die Lage der Einzelhändler“, sagt Gerd Helmut Diestler, wobei die Situation im Kreis Mettmann keinen Sonderfall darstelle.Der Wohnungsbau ist nach Aussage der Kammer „deutlich eingebrochen“, wobei die Baubranche zuvor allerdings auch eine „Super-Hochkonjunktur“ erlebt habe.

Schlechte Noten geben die Unternehmen vor allem der Wirtschaftspolitik. Die Unternehmen empfänden diese kaum als Unterstützung, eher als Belastung. „55 Prozent aller Betriebe sehen darin ein besonderes Konjunkturrisiko“, meldet die IHK.

Die Politik vor Ort sei gefordert, „alles Mögliche zu tun, um den Unternehmen Rückenwind zu geben“, wie Tina Schmidt, Branchenbeauftragte der IHK im Kreis Mettmann, es formuliert. Dabei gehe es auch darum, „auf vermeidbare Belastungen zu verzichten“, wie die IHK-Frau es nennt. Will heißen: Die Kammer fordert unter anderem den Verzicht auf weitere Erhöhungen der Gewerbesteuer.

Dazu unser Kommentar:

Die Indusrie- und Handelskammer fragt zweimal im Jahr die Unternehmen der Region, wie die aktuelle Geschäftslage ist. Und im zweiten Schritt möchte die Kammer von den Firmen wissen, wie sich die Geschäfte in den nächsten Wochen und Monaten entwickeln werden. Und das ist eigentlich noch viel spannender.

Ein Optimist ist nur ein Mensch, der nur die Realität verkennt, wird positivem Denken hin und wieder vorgehalten. Aber gilt das nicht auch für Pessimisten?

Die aktuelle IHK-Umfrage hat ergeben, dass die Unternehmen sorgenvoll in die Zukunft blicken. Diese pessimistische Sicht aber ist es zugleich, die wirtschaftliche Lage selbst ungemein beeinflusst. Anders ausgedrückt: Ist die Stimmung schlecht, wird weniger konsumiert und investiert. Angst lähmt die wirtschaftliche Entwicklung. So entsteht unter dem Strich eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Die Geschäfte haben sich so schlecht entwickelt, wie befürchtet. Der Pessimist hat also recht?

Dabei haben doch gerade die Demonstrationen der letzten Wochen auch gezeigt, dass man etwas tun kann gegen die schlechte Stimmung, gegen das Gefühl von Ohnmacht. Die Stimmung ist besser geworden. Es gibt Zeichen von Hoffnung.

Wir alle können etwas zur wirtschaftlichen Besserung beitragen. Hin und wieder den Blick darauf werfen, wie gut es uns eigentlich geht im Verhältnis zu den meisten Ländern auf dieser Erde. Den Miesmachern entgegentreten, ist nicht nur gut für das eigene Gefühl, sondern auch für die allgemeine Stimmung. Gute Stimmung ist auch gut für die Wirtschaft. Und schlecht für die AfD.

Wie hat schon der Rückblick auf die vorige Umfrage der IHK im Herbst ergeben: Es ist nicht so schlimm gekommen wie befürchtet. Weiter so!

Hier der Bericht der Kammer: https://supertipp-online.de/top/wirtschaft-im-kreis-mettmann-stagniert-id361353.