Das Kalkwerk in Wülfrath-Flandersbach. Foto: Kling

Wülfrath. Rheinkalk treibt die klimaneutrale Kalkproduktion im größten Werk Europas in Wülfrath weiter voran. Das Projekt „Everest“ soll durch den EU-Innovationsfonds in Millionenhöhe gefördert werden. Zukünftig könnten mehr als eine Million Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr am Standort vermieden werden.

Lhoist Germany prüft derzeit gemeinsam mit Air Liquide die Umsetzung einer Anlage zur Abscheidung von Kohlendioxid am Standort Wülfrath. Zukünftig könnten damit bis zu einer Millionen Tonnen CO2 pro Jahr daran gehindert werden, in die Atmosphäre zu gelangen. Eine endgültige Entscheidung der EU-Kommission steht noch aus.

„Es ist ein toller Erfolg, dass wir mit unserem Projekt Everest die Chance einer Förderung erhalten. So kommen wir der klimaneutralen Kalkproduktion in Europas größtem Kalkwerk einen wichtigen Schritt näher,“ sagt Thomas Perterer, Geschäftsführer von Lhoist Germany.

Für das Erreichen der gesetzten Klimaschutzziele brauche es zukunftsweisende Projekte, die gemeinsam mit Wirtschaft und Politik auf den Weg gebracht werden, um sukzessiv die Dekarbonisierung der Industrie in Nordrhein-Westfalen zu ermöglichen.

Als Mitunterzeichner des Industriepakts für Klimaneutralität und Wettbewerbsfähigkeit habe Lhoist Germany die Möglichkeit, durch eine Förderung durch den EU-Innovationsfonds in den kommenden Jahren seine Transformation in Richtung klimaneutraler Produktion weiter voranzutreiben.

Der EU-Innovationsfonds hat zum Ziel, innovative Lösungen zur Dekarbonisierung der europäischen Industrie zu fördern, diese erfolgreich auf den Markt zu bringen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu begünstigen.

Im Rahmen des Vergabeverfahrens können Unternehmen Vorschläge für Großprojekte, die industrielle Lösungen zur Dekarbonisierung in Europa vorsehen, einreichen. Im Anschluss werden die Projekte durch ein Expertengremium auf ihre Förderfähigkeit unter anderem nach Auswahlkriterien wie Wirksamkeit der Vermeidung von Treibhausgasemissionen, Innovationsgrad oder Kosteneffizienz geprüft und abschließend bewertet.

Derzeit steht das Projekt „Everest“ neben sechs weiteren Großprojekten in Deutschland in der Vorauswahl. Insgesamt wurden in dem Vorauswahlverfahren 41 Projekte aus 15 EU Ländern aus allen Industriebereichen mit einem Fördervolumen von rund 3,6 Milliarden Euro bestimmt.

Lhoist Germany will nun gemeinsam mit dem Technikpartner Air Liquide in die intensive Planung einsteigen. Ziel ist es, durch weitere  Engineering-Studien eine Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten. Das Kalkunternehmen verfolgt das Ziel „Erster Hersteller nahezu klimaneutralen Kalks zu werden“.

Das Unternehmen steht nach eigenen Angaben vor der Herausforderung, eine technische Lösung für die im Herstellungsprozess bisher noch nicht vollständig vermeidbaren CO2-Emission zu finden. Hierfür könne die bereits erprobte Technologie des Technikpartners zur Abscheidung von CO2 genutzt werden.

Diese kann das CO2 aus dem Kalkstein einfangen, verflüssigen und über Pipeline oder Schiene weitertransportiert werden. Durch diese Lösung gelangt das Gas dann nicht mehr in die Atmosphäre.

„Der Förderbescheid der EU-Kommission wäre ein Meilenstein für das Unternehmen in Richtung klimaneutraler Produktion und ein wichtiges Signal für die erfolgreiche Transformation der Industrieunternehmen in Nordrhein-Westfalen“, schreibt Rheinkalk in einer Mitteilung. Eine Entscheidung der Kommission wird für Ende 2023 erwartet.