Die Ähnlichkeiten sind verblüffend: Links das Forum Velbert, rechts die Minecraft-Version des Gebäudes. Bilder: Kehren/Volkmann
Die Ähnlichkeiten sind verblüffend: Links das Forum Velbert, rechts die Minecraft-Version des Gebäudes. Bilder: Kehren/Volkmann

Velbert. Ende September wird das Forum Velbert parallel zum Schlangenfest offiziell eröffnet. Interessierte können vorab einen Blick in das Gebäude werfen – die exklusive Führung findet allerdings am Computer statt: Ein Minecraft-Experte hat das Gebäude komplett aus virtuellen Bausteinen nachgebildet. 


Als der schwedische Programmierer Markus Persson, in der Gaming-Szene als „Notch bekannt, anno 2009 die erste Minecraft-Version öffentlich machte, war das 3D-Sandbox-Spiel noch nicht der Erfolg, der es heute ist. Über 230 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, mit monatlich rund 140 Millionen aktiven Spielenden im Jahr 2021 ist Minecraft inzwischen längst als kulturelles Phänomen in der Geschichte verankert. Dank der Akquisition des Entwicklerstudios hinter Minecraft, „Mojang“, durch den Software-Konzern Microsoft im Jahr 2014 lässt sich der Wert des Videospiels sogar beziffern: 2,5 Milliarden US-Dollar hatten die Redmonder hingeblättert.

Eben jenes Videospiel nutzen nun die Velberter „Kulturloewen“, um ersten Gästen einen Exklusiven Rundgang durch das neue Forum Velbert zu bieten: am 2. und 5. September gibt es Führungen durch die Räumlichkeiten – allerdings rein virtuell. Der Minecraft-Experte Thiemo Hackel hat das Forum aus den für Minecraft typischen Pixel-Klötzchen von Grund auf in der digitalen Welt erbaut. Detailgetreu, mit vielen Gimmicks. Wer weder mit Minecraft noch mit Videospielen etwas anfangen kann: das Forum Velbert gibt es vereinfacht erklärt nun aus Klemmbausteinen bestehend auf dem Computerbildschirm zu sehen.

Klötzchenbau: 33 Spieltage Arbeit

Thiemo Hackel hatte zuvor ein ähnlich Projekt in Düsseldorf umgesetzt und dort das Schauspielhaus nachgebildet. Das Forum Velbert ist nun sein zweites „echtes Gebäude“ aus Minecraft-Brocken. Zu seiner kreativen Idee habe er in der Corona-Zeit gefunden, berichtet Hackel. Er war in der Kulturbranche tätig, die aufgrund der Pandemie jedoch nahezu vollständig zum Erliegen kam. Eine für ihn zentrale Frage zu dieser Zeit: „Was macht man mit seiner Zeit?“. Die Antwort war Minecraft. Das Spiel kannte Hackel bereits, er hatte es zuvor „zur Entspannung“ gespielt.

Insgesamt 33 „Spieltage“ lang war er damit beschäftigt, wälzte die Baupläne, tauschte sich mit den Projektverantwortlichen bei den Velberter Kulturloewen aus. Verblüffend: Vor Ort ist Thiemo Hackel nur einziges Mal gewesen, wie er erklärt. 5.000 Euro hat die Kulturloewen die Umsetzung gekostet – „das entspricht den Kosten für eine einzige Abendveranstaltung“, ordnet Betriebsleiterin Linda Brücher die Summe ein.

Das virtuelle Forum Velbert ist eindeutig wiederzuerkennen. Bild: Volkmann
Das virtuelle Forum Velbert ist eindeutig wiederzuerkennen. Bild: Volkmann

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Das Minecraft-Forum Velbert kommt dem Original sehr nah. Die Fensterfronten, der Dachbereich, selbst die verschiedenen Räume – von der Bibliothek über den Theatersaal mit seinen 652 Sitzplätzen bis hin zur Volkshochschule – sind detailgetreu nachgebildet. Hier und da musste Thiemo Hackel Kompromisse eingehen. „Minecraft gibt nicht alles her“, erklärt Tanja Meurers von den Kulturloewen. Die Velberter Kulturtruppe ist sichtlich stolz über das Geschaffene: „Es ist ein Herzensprojekt für die letzten Monate“, erklärt Linda Brücher. Man wolle mit dem Konzept eine junge Zielgruppe erreichen, mit dem digitalen Besuch für das reale Forum Velbert begeistern. Das eröffnet offiziell am 24. September, parallel zum Schlangenfest in der Velberter Innenstadt.

Erste Eindrücke – auch von den Dimensionen des Forums – gibt es im Rahmen von zwei virtuellen Führungen am 2. und 5. September, dafür müssen Interessierte sich über die Webseite der Kulturloewen anmelden. Und danach? Wird man die Minecraft-Version weiter hin erkunden können – dann im Rahmen des „Foyer-Programms“. Womöglich wird die Idee noch weiterentwickelt, sodass Interessierte auch völlig autark zumindest in einigen Bereichen des digitalen Baustein-Kunstwerks herumstreifen dürfen, wie Tanja Meurers erklärt.

Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es unter: www.kulturloewen.de/minecraft.