André Bär an seinem Arbeitsplatz im Mettmanner Rathaus. Foto: Kreisstadt Mettmann
André Bär an seinem Arbeitsplatz im Mettmanner Rathaus. Foto: Kreisstadt Mettmann

Mettmann. “Plötzlich Bürgermeister“ – unter diesem Titel hat Bürgermeister André Bär Schülerinnen und Schülern des Berufskollegs Neandertal in einem 90-minütigem Workshop aufgezeigt, wie wichtig es ist, gesellschaftlich und auch politisch Verantwortung zu übernehmen.


Die Schule hatte den Bürgermeister als Referenten zum Courage-Tag am Kolleg eingeladen. Solche Veranstaltungen bieten der Schule die Möglichkeit, Lernende mit außerschulischen Personen
zusammenzubringen, um sie neben der Wissensvermittlung
auch für die Zeit nach der Schule für vielfältige Herausforderungen und Aufgaben vorzubereiten.

„Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun“, zitierte Bürgermeister Bär den französischen Dramatiker Molière und erzählte den Schülerinnen und Schülern, wie er sich aus einer Unzufriedenheit mit der Politik dazu entschieden hatte, selbst aktiv zu werden. Misstrauen oder Desinteresse gegenüber politischen Akteuren, Parteien und Entscheidungen, verbunden mit dem Gefühl der mangelnden Vertretung der eigenen Interessen, führten, so Bürgermeister Bär, immer häufiger bei vielen Menschen zu Politikverdrossenheit.

Als Politiker habe er sich vorgenommen, das verlorene Vertrauen der Menschen in die Politik zurückzugewinnen. „Dafür ist es wichtig, dass wir die Sprache der Menschen sprechen, offen und transparent kommunizieren und die Bürgerinnen und Bürger mitnehmen“, führte der Bürgermeister aus. Dazu gehörten auch noch Ehrlichkeit und eine angemessene Fehlerkultur.

Sein politisches Engagement und die Gründung der unabhängigen Wählergemeinschaft M.U.T. hätten letztlich zu einem deutlichen Wahlsieg bei der Stichwahl gegen die Amtsinhaberin geführt. „Die Buchstaben der Wählergemeinschaft stehen für Mettmann, Unabhängigkeit und für Transparenz. Werte, die für mich sowohl als Ratsherr als auch jetzt als Bürgermeister höchsten Stellenwert haben“, sagte Bürgermeister Bär den Schülerinnen und Schülern.
Aber warum plötzlich Bürgermeister? „Weil der Wahlsieg
zumindest in der Deutlichkeit selbst für mich überraschend
war… und plötzlich war ich Bürgermeister…“, erklärte er mit
einem Schmunzeln.

Die Einladung ins Berufskolleg nutzte Bürgermeister Bär auch dazu, unter den Jugendlichen, die an seinem Workshop teilgenommen hatten, eine von ihm erstellte Umfrage zu starten. Er wollte unter anderem wissen, in welchen Bereichen die Schülerinnen und Schüler aktuell Handlungsbedarf sehen.

Größtes Problem und größte Herausforderung für 79% der Befragten sind die Themen Kriminalität und Sicherheit. Offenbar kommt es in Alltagssituationen junger Menschen öfters vor, dass ihr Sicherheitsgefühl in beachtlichem Maß beeinträchtigt wird. Das Thema Verkehr (Öffentlicher Personennahverkehr) folgt mit 53% auf dem zweiten Platz. Die Bereiche Sauberkeit und Ordnung sowie Wohnen folgen an dritter Stelle mit jeweils 42%. Das gesellschaftliche Zusammenleben sowie Armut und Einkommen spielen für die befragten Jugendlichen (jeweils 37%) auch eine wichtige Rolle, lange vor dem Klima- und Umweltschutz (11%). Beim Thema Freizeitbeschäftigung sehen gerade einmal 5% der
Schülerinnen und Schüler Handlungsbedarf.

Auf die Frage, welche Themen ihnen besonders wichtig sind,
wurde mit 59% am häufigsten die Attraktivität der Innenstadt genannt, vor der Verbesserung des Wohnungsangebots und der Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung (jeweils 53%) sowie solider Finanzen und Generationengerechtigkeit. Mit 5% bildet der Bereich Digitalisierung in der Umfrage den Schlusspunkt.