In der Wülfrather Innenstadt hatten sich rund 100 Menschen verssammelt, um ein Zeichen zu setzen. Foto: Volkmann
In der Wülfrather Innenstadt hatten sich rund 100 Menschen verssammelt, um ein Zeichen zu setzen. Foto: Volkmann

Wülfrath. Am Sonntag, 15. März, hat in der Wülfrather Innenstadt eine Demonstration gegen Rechtsextremismus und die AfD stattgefunden. Die Beteiligung war in der Vergangenheit größer , die zentralen Botschaften haben sich allerdings nicht verändert.


Das Bündnis “Wülfrath gegen Rechts” hatte Vereine, Initiativen, Gewerkschaften, Kirchen, Unternehmen und Menschen aus lokalen Netzwerken zum Protest gegen Rechtsextremismus und die Alternative für Deutschland (AfD) aufgerufen. “Zeigt Haltung. Verteidigt die Verfassung. Wülfrath ist vielfältig, solidarisch und wehrhaft”, hieß es unter anderem im dem Appell. Rund 100 Menschen folgten dem Aufruf letztlich und versammelten sich am Sonntagvormittag auf dem Vorplatz der Sparkasse in der Innenstadt.

Mitorganisatorin Anne Schemann machte zu Beginn klar, worum es geht: “Wir stehen hier, weil wir uns Sorgen um unsere Demokratie machen. Und weil die rechtsextreme Ideologie der AfD und anderer Gruppierungen unsere Grundwerte angreift”.

Mehrfach hatten Wülfrather Initiativen in den vergangenen Jahren zu Protesten aufgerufen, zunächst kamen tausende Menschen, dann noch hunderte – diesmal war die Resonanz demnach vergleichsweise gering. Andererseits gingen ähnliche Demonstrationen in kreisangehörigen Städten jüngst mit noch deutlich weniger Teilnehmern über die Bühne.

Der erste Redner, Björn Neßler, versucht zu motivieren: “Ich finde es toll, dass so viele Leute hier sind”. Der geschäftsführende Vorstand der Bergischen Diakonie Aprath macht die Botschaft klar: “Ich finde schön, dass wir alle die gleich Sachen sehen und sagen, es gefällt uns nicht, was hier in unserem Land passiert”. Neßler mahnt, man solle nicht in Schubladendenken verfallen. “Wir Menschen besitzen eine ganz erstaunliche Fähigkeit: Wir können andere Menschen unglaublich gut kategorisieren. Manchmal dauert das keine fünf Sekunden.” Björn Neßler verwies auf die großen Aktivitäten der AfD in den Sozialen Medien, mahnt aber zugleich, man solle sich davon nicht blenden lassen, sondern in die Auseinandersetzung mit den Inhalten gehen.

“Sobald ein Mensch in einer Schublade liegt, passiert etwas ganz Interessantes: dann sehen wir nicht mehr wirklich. Stattdessen erkennen wir nur ein Etikett – der Fremde, der Sozialschmarotzer, die Person, die anders ist. Und das Etikett ist für viele praktischer als der Mensch”. Ein Etikett sei bequem, Menschen hingegen könnten manchmal auch “ganz schön anstrengend sein”. Neßler forderte, man solle Menschen tatsächlich begegnen, auch wenn das Aufmerksamkeit, Zeit oder gar Mut erfordere. Kategorisieren führe letztlich dazu, dass “Menschen einfach verschwinden” – “und dann beginnen wir auch, sie so zu behandeln”, kritisiert der Diakonie-Vorstand. Und plötzlich werden wieder darüber gesprochen, wer wirklich dazu gehört und wer nicht. “Wer drin ist und wer draußen bleibt”, so Neßler unter Bezug unter anderem auf das Propagandawort “Remigration”. Das sei eine gefährliche Entwicklung, nicht nur politisch. Björn Neßler forderte einen Fokus auf die Menschenwürde.

Ähnlich sah es Christian Wolf, der für SPD und Grüne bei der vergangenen Bürgermeisterwahl antrat. “Wir sind für demokratische Grundwerte. Aber wird gegen jede Handlung, die diesen Werten entgegensteht” – und man sei “gegen die Parteien, die sich nicht zu diesen Werten bekennen”. Demokratische Grundwerte, die Verfassung, die freiheitliche und rechtsstaatliche Grundordnung seien nicht verhandelbar. “Darum stehen wir hier und beschützen, was uns wichtig ist”, so Wolf.

Die Idee für die Demonstration hatte die Wülfratherin Vanessa Freund. Sie erklärt: “Wir sind hier, weil wir unsere Demokratie verteidigen wollen. Denn Demokratie sei nicht selbstverständlich. Sie lebt davon, dass wir Haltung zeigen. Gegen Hass, gegen Ausgrenzung und gegen rechte Hetze”.

Im Anschluss an die Redebeiträge zogen die rund 100 Demonstrierenden einmal um den Altstadtkern. Dann klang die Veranstaltung in der City gegen 12:15 Uhr aus.