Mirko Braunheim ( Leiter der Stabsstelle Bevölkerungsschutz des Kreises Mettmann), Heike Bellinghausen (Projektleitung Mobile Helfer), Landrätin Dr. Bettina Warnecke, Christiane Massing (Projektmanagement Mobile Helfer). Foto: Kreis ME
Mirko Braunheim ( Leiter der Stabsstelle Bevölkerungsschutz des Kreises Mettmann), Heike Bellinghausen (Projektleitung Mobile Helfer), Landrätin Dr. Bettina Warnecke, Christiane Massing (Projektmanagement Mobile Helfer). Foto: Kreis ME

Kreis MettmannUnwetter wie die Überschwemmungen 2021, Stürme und andere klimatische Extremereignisse nehmen immer mehr zu. Sie sorgen bei Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Technischem Hilfswerk und Rettungsdienst immer wieder für zahlreiche Einsätze. Eine gut vorbereitete, koordinierte Unterstützung im Krisenfall ist eine zentrale Voraussetzung für gelingende Hilfe.


Der Kreis Mettmann kennt die Anforderungen, die mit solchen Ereignissen verbunden sein können und setzt auf vorausschauende Vorbereitung und erprobt als eine der ersten zehn Pilotregionen das Projekt „Mobile Helfer – die sinnvolle Ergänzung im Bevölkerungsschutz“. Ziel ist es, Menschen, die im Ereignisfall helfen möchten, nicht erst spontan im Krisenmoment zu erfassen, sondern bereits vorher niedrigschwellig zu informieren, zu qualifizieren und im Einsatzfall strukturiert einzubinden. Das meldet die Kreisverwaltung.

„Krisen zeigen uns immer wieder: Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist da. Entscheidend ist, dass diese Hilfe sicher, wirksam und gut koordiniert eingesetzt werden kann. Mit der Pilotierung von Mobile Helfer gehen wir im Kreis Mettmann einen wichtigen nächsten Schritt, um unseren Bevölkerungsschutz zukunftsfähig weiterzuentwickeln“, sagt Mirko Braunheim von der Stabsstelle Bevölkerungsschutz des Kreises Mettmann.

Der Kreis Mettmann optimiert für die Zukunft

Mit einem Kick-off-Workshop startete jetzt die operative Zusammenarbeit zwischen dem Kreis Mettmann und dem Projekt Mobile Helfer. Bereits im Mai war die Kooperation offiziell besiegelt worden. Der Kreis bringt dabei seine Erfahrungen aus der Gefahrenabwehr und dem Krisenmanagement in ein bundesweites Pilotvorhaben ein und leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung moderner Strukturen im Bevölkerungsschutz.

Im Mittelpunkt der Pilotierung steht die Frage, wie ungebundene Helfende – also Menschen, die keiner Hilfsorganisation angehören, aber im Ereignisfall unterstützen möchten – vorbereitet, aktiviert und sinnvoll in bestehende Einsatzstrukturen eingebunden werden können. Dabei geht es nicht um Ersatz für professionelle Einsatzkräfte, sondern um eine strukturierte Ergänzung, die Behörden, Organisationen und Einsatzleitungen entlasten kann. Die eigens dafür entwickelte App ermöglicht diese zielgerichtete Unterstützung der Bevölkerung.

„Das Projekt ‚Mobile Helfer‘ ist sehr niedrigschwellig: Jeder und jede kann sich künftig beteiligen, sich in der App registrieren und im Ernstfall wichtige Hilfe leisten. Das System steuert die Hilfeleistungen und unterstützt die Einsatzkräfte gezielt. Darüber hinaus wird der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft gestärkt“, betont Landrätin Dr. Bettina Warnecke, die sich bereits auf die interne Testphase freut.

Vorbereitung, Qualifizierung und klare Strukturen sind entscheidend, damit aus spontaner Hilfsbereitschaft verlässliche Unterstützung wird. Unwetterereignisse wie im Sommer 2021 zeigen, wie schnell eine Lage auch im sehr gut aufgestellten Kreis Mettmann komplex werden kann. Aufgrund des erheblichen Einsatzaufkommens mussten umfangreich Kräfte aus anderen Städten und Kreisen angefordert werden.

Solche Ereignisse machen deutlich, dass Bevölkerungsschutz nicht allein auf die akute Gefahrenabwehr reduziert werden kann. Notwendig sind Systeme, die bereits vor einer Krise ansetzen: bei Information, Sensibilisierung, Qualifizierung, Koordination und der Frage, wie Bürgerinnen und Bürger sicher helfen können, ohne Einsatzstrukturen zusätzlich zu belasten. Genau hier setzt das Projekt „Mobile Helfer“ an. Das Projekt verbindet digitale Werkzeuge mit fachlicher Vorbereitung und kommunaler Einsatzlogik. In der Pilotierung im Kreis Mettmann werden die einzelnen Systembausteine praxisnah getestet, weiterentwickelt und auf ihre Einsatzfähigkeit im Zusammenspiel mit bestehenden Strukturen geprüft. Alle beteiligten Tester freuen sich, dass sie die Pilotierung aktiv mitgestalten können.

„Mobile Helfer“ versteht sich dabei nicht als Ersatz oder Wettbewerb zu bereits im Kreis Mettmann genutzten technischen Systemen, sondern als fachliche und organisatorische Ergänzung dazu. Der Mehrwert liegt im ganzheitlichen Ansatz: Neben der Registrierung bietet das Projekt aktives Ehrenamtsmanagement, digitale Lernplattformen sowie Qualifizierungs- und Betreuungsstrukturen an. So werden Helfende nicht nur erreicht, sondern aktiv vorbereitet und begleitet.

Bundesweites Projekt mit lokaler Praxiserprobung

Mobile Helfer ist ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe (BAGEH) und wird durch das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gefördert. Die Pilotierung im Landkreis Mettmann bildet einen weiteren operativen Auftakt für Erprobungen in Deutschland. Ziel ist ein praxistaugliches Gesamtsystem, das Kommunen, Bezirke und Hilfsorganisationen dabei unterstützt, ungebundene Helfende rechtssicher, vorbereitet und wirksam einzubinden. In den kommenden Monaten werden die Projektbeteiligten gemeinsam konkrete Abläufe, Kommunikationswege, Qualifizierungsbausteine und Einsatzszenarien erproben. Die Erfahrungen aus der Pilotregion fließen anschließend in die Weiterentwicklung des Systems ein.

„Wir freuen uns sehr, mit dem Kreis Mettmann eine Pilotregion gewonnen zu haben, die die Bedeutung des Themas erkannt hat und die praktische Erprobung aktiv mitgestalten will. Genau solche kommunalen Erfahrungen brauchen wir, um Mobile Helfer realitätsnah weiterzuentwickeln“, so Heike Bellinghausen, Projektleitung im Projekt Mobile Helfer des Vereins Mobile Retter.

Mobile Helfer – die sinnvolle Ergänzung im Bevölkerungsschutz ist ein bundesweites Projekt zur strukturierten Einbindung ungebundener Helfender in Bevölkerungsschutzlagen. Das Vorhaben wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe getragen und vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gefördert.

Mobile Helfer verbindet eine App-basierte Registrierung und Kommunikation mit einem aktiven Ehrenamtsmanagement-Portal, einer digitalen Lernplattform und unterstützenden Strukturen für Qualifizierung, Einsatzkoordination, Betreuung und Nachsorge. Ziel ist es, die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung niedrigschwellig aufzunehmen und so vorzubereiten, dass sie im Ereignisfall sicher, wirksam und koordiniert eingesetzt werden kann.