
Wülfrath. Kathrin Lindner ist eine Judoka der TSV Einigkeit Dornap-Düssel. Sie hat sich in einer recht komplexen Sichtungsphase die Nominierung für die Europameisterschaften in München im „BCP Drachenboot“ (Breast Cancer Paddlers) erarbeitet. Für über ein halbes Jahr war sie mit ihren Mannschaftskameradinnen national auf Trainingscamps für das anstehende Großereignis unterwegs. Vom 8. bis 12. Juli hat die deutsche Nationalmannschaft des „BCP Drachenbootes“ zusammen mit 1.800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an Drachenboot-Europameisterschaft teilgenommen.
Am ersten Wettkampftag ging es für die Frauen auf die 1.000-Meter-Distanz im Standardboot. Die Anspannung war deutlich spürbar. Zwar hofften alle, dass sich die intensive Vorbereitung auszahlen würde, doch wie gut sie tatsächlich im Vergleich zur Konkurrenz aufgestellt waren, konnte keine der Athletinnen im Vorfeld einschätzen. In dieser Disziplin sicherte sich das Team mit zwei souveränen Läufen den ersten Platz. Damit endete 1.Wettkampftag mit einer Goldmedaille ein unglaublicher Erfolg! Und genauso sollte es im Standardboot weitergehen.
Am zweiten Tag stand der 200-Meter-Sprint an. Erneut dominierten die deutschen Frauen das Rennen im Standardboot und sicherten sich den zweiten Europameistertitel. Der Jubel kannte keine Grenzen. Der Erfolg wurde ausgelassen gefeiert. Am dritten Tag drei startete das BCP-Team über 500 Meter. Trainer wechselten taktisch geschickt die Bootsbesetzung durch, so dass der nächste Europameistertitel eingesammelt werden konnte. Nach 3 Tagen intensiver Belastung stand am vierten Tag die 2.000-Meter-Distanz mit drei Wenden an. Kathrin sagte darüber: „Wir haben auch die 2000 Meter mit einer Goldmedaille beendet. Wir konnten es selbst kaum glauben- wir schweben gerade noch förmlich.“
BCP steht für „Breast Cancer Paddlers“ und bezeichnet eine internationale Sportbewegung sowie eine eigene Wettkampfklasse im Drachenbootsport für Brustkrebsüberlebende. In Deutschland engagieren sich zahlreiche lokale BCP- Teams, wie zum Beispiel „Pink Patrols“ in Bochum oder „Pink Dragonistas“ in Hannover. Sie trainieren regelmäßig und vertraten Deutschland erfolgreich bei nationalen und internationalen Regatten und Meisterschaften. Dabeistehen nicht nur der sportliche Wettkampf, sondern vor allem die Gemeinschaft, das gegenseitige Unterstützen bzw. Austausch und die Botschaft im Mittelpunkt, dass ein aktives Leben nach einer Brustkrebserkrankung möglich ist.
Die Athletinnen der Nationalmannschaft finanzieren ihren Sport vollständig aus eigener Tasche. Öffentliche Zuschüsse oder Fördergelder erhalten sie nicht. Neben Beruf, Familie und den alltäglichen Verpflichtungen organisieren ihr umfangreiches Trainings- und Wettkampfprogramm eigenständig. Besonders der hohe zeitliche Aufwand stellt eine große Herausforderung dar. Für Trainingslager, Regatten und Meisterschaften investieren die Sportlerinnen einen erheblichen Teil ihres Jahresurlaubs. Ihr Engagement zeigt eindrucksvoll, mit wie viel Leidenschaft, Disziplin und persönlichem Einsatz sie ihren Sport ausüben.
Beim Training präsentierte Kathrin voller Stolz ihre Goldmedaillen von der Europameisterschaft. Und als wäre das noch nicht genug, durfte sie sich aus den Händen von Astrid auch noch die Urkunde für das Deutsche Sportabzeichen in Gold freuen. Mit diesen besonderen Auszeichnungen und vielen schönen Erinnerungen im Gepäck verabschiedet sich der Dornaper Judoka nach einem erfolgreichen ersten Halbjahr in die Sommerferien.

