Gruppenbild mit einigen Fahnen- und Trachtenträgern und den Ehrengästen. Foto: Carsten Becher
Gruppenbild mit einigen Fahnen- und Trachtenträgern und den Ehrengästen. Foto: Carsten Becher

Velbert. Es gibt Orte, an denen Geschichte, Glaube und Heimat auf besondere Weise zusammenfinden. Der Mariendom in Neviges ist ein solcher Ort. Seit 1995 kommen hier die Schlesier, ihre Nachkommen und Freunde zur Mutter-Anna-Wallfahrt zusammen. Was vor mehr als 30 Jahren begann, ist heute eine der größten Wallfahrten im Erzbistum Köln – und für viele Schlesier ein fester Termin im Jahreskalender. Am Sonntag, 26. Juli, dem Festtag der Heiligen Anna, haben sich laut Landsmannschaft Schlesien rund 5.000 Menschen auf den Weg nach Neviges gemacht.


„Viele von ihnen kamen mit Erinnerungen an die Heimat ihrer Eltern und Großeltern. Manche trugen die Namen schlesischer Orte in ihren Herzen, andere kamen, um die schlesische Heimat ihrer Vorfahren neu zu entdecken. Sie alle verband an diesem Tag der gemeinsame Glaube und die Liebe zu Schlesien“, freut sich Damian Spielvogel, der die organisatorische Leitung der Mutter-Anna-Wallfahrt bereits seit vielen Jahren stemmt.

Der Mariendom war bis auf den letzten Platz gefüllt. Gemeinsam wurde gebetet, gesungen und Eucharistie gefeiert. Besonders beim Gesang wurde die tiefe Verbundenheit der Pilger spürbar. Viele Lieder, die seit Generationen zum religiösen Leben der Schlesier gehören, erklangen mit großer Inbrunst und ließen den Mariendom zu einem eindrucksvollen Ort des Glaubens werden. Verstärkt wurde es durch die musikalischen Darbietungen des Oberschlesischen Blasorchesters Ratingen und des Organisten Marc-David Schwarz.

Eine „Lieblingswallfahrt“

Abbé Thomas Diradourian zelebrierte das Hochamt. Foto: Carsten Becher
Abbé Thomas Diradourian zelebrierte das Hochamt. Foto: Carsten Becher

Das Hochamt zelebriere Abbé Thomas Diradourian. Als leitender Pfarrer und Wallfahrtsleiter von Neviges ist er der „Hausherr“ des traditionsreichen Wallfahrtsortes. Bereits 2022 hatte er der Mutter-Anna-Wallfahrt vorgestanden. Für ihn ist die Mutter-Anna-Wallfahrt seine „Lieblingswallfahrt“. Der gebürtige Pariser wurde 2003 in der Gemeinschaft St. Martin zum Priester geweiht. Seit September 2020 ist er gemeinsam mit Mitbrüdern der Gemeinschaft Sankt Martin leitender Pfarrer und Wallfahrtsleiter in Velbert-Neviges.

Ein berührender Augenblick war die Segnung der Wallfahrtskerze zu Beginn des Gottesdienstes. Kinder waren dabei und standen in diesem Jahr ebenfalls besonders im Mittelpunkt der Wallfahrt. Nach dem Gottesdienst wurde der Pilgerparkplatz zu einem Ort der Begegnung. Die Pilger nutzten die Zeit zum Austausch, trafen Freunde und Bekannte und kamen miteinander ins Gespräch. Ein Platzkonzert des Oberschlesischen Blasorchesters Ratingen sorgte für die passende musikalische Begleitung. Bei schlesischen Fleisch- und Backwaren, von der Fleischerei Golly und der Brot-Bäckerei Müller wurde schließlich gemeinsam gegessen und gefeiert. Der Getränkestand wurde von Mitgliedern des Jungen Schlesiens betreut.

„So wurde die Mutter-Anna-Wallfahrt auch in diesem Jahr zu einem eindrucksvollen Fest des Bekenntnisses zum Glauben und Schlesien. Für einen Tag war Schlesien in besonderer Weise in Neviges gegenwärtig: In den Gebeten und Liedern, in den Gesprächen und Erinnerungen, in den schlesischen Spezialitäten und vor allem in den Menschen selbst“, blickt Spielvogel zurück auf das Fest. „Besonders erfreulich ist, dass die Mutter-Anna-Wallfahrt längst nicht nur von Menschen besucht wird, die familiäre Wurzeln in Schlesien haben. Auch zahlreiche Menschen ohne persönlichen oder familiären Bezug zu Schlesien nehmen an der Wallfahrt teil und fühlen sich von ihrer besonderen Atmosphäre, ihrem Glauben und ihrer gelebten Gemeinschaft angesprochen.“

Erstmals in ihrer Geschichte nahm der polnische Generalkonsul Marek Głuszko an der traditionsreichen Wallfahrt teil. Seine Anwesenheit verlieh der Veranstaltung eine besondere Bedeutung der deutsch-polnischen Beziehungen. Gerade vor dem Hintergrund der wechselvollen deutsch-polnischen Geschichte setzte seine Teilnahme ein bemerkenswertes Zeichen der Begegnung und der Verständigung. Die Stadt Velbert repräsentierte der stellv. Bürgermeister Nico Schmidt. Auch die Bundesleitung der Landsmannschaft Schlesien sowie die schlesische Presse waren bei der Wallfahrt vertreten.

Die Mutter-Anna-Wallfahrt zeige jedes Jahr aufs Neue, dass Heimat verloren gehen, aber sie nicht ausgelöscht werden könne, meint Damian Spielvogel. „Sie lebt in den Erinnerungen, in den Familien und in der Gemeinschaft weiter. Und wenn sich die Pilger am Ende des Tages wieder auf den Heimweg machen, nehmen sie die Gewissheit mit, dass sie nicht allein sind. Sie gehören zu einer großen Gemeinschaft, die ihre Wurzeln in Schlesien hat und diese Wurzeln auch an die kommenden Generationen weitergeben möchte“.

Die nächste Mutter-Anna-Wallfahrt im Mariendom zu Neviges findet am 25. Juli 2027 statt.