Eine Frau sitzt vor einem Computer. Bild: pixabay
Eine Frau sitzt vor einem Computer. Bild: pixabay

Düsseldorf. ChatGPT, Copilot und andere KI-Anwendungen sind schnell verfügbar. Doch ein Zugang allein verbessert noch keinen Arbeitsprozess. Entscheidend ist, ob Beschäftigte Künstliche Intelligenz auf konkrete betriebliche Aufgaben übertragen können.


Die IHK Düsseldorf sieht deshalb im gezielten Kompetenzaufbau einen wichtigen Schlüssel für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. „Fachkräftemangel, demografischer Wandel und immer kürzere Innovationszyklen stellen Unternehmen gleichzeitig vor große Herausforderungen. Die Kompetenzen, die sie künftig brauchen, können sie nicht allein am Arbeitsmarkt einkaufen. Um wettbewerbsfähig und innovationsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen deshalb stärker in die Menschen investieren, die bereits bei ihnen arbeiten“, sagt Kerstin Vorberg, Geschäftsführerin Berufliche Weiterbildung und IHK-Forum der IHK Düsseldorf. Der Druck auf Unternehmen wächst von zwei Seiten. Laut Prognose des IHK-Fachkräftemonitors wird sich der Fachkräfteengpass in Düsseldorf und im Kreis Mettmann bis 2034 mehr als verdoppeln: von rund 51.000 auf mehr als 110.000 fehlende Fachkräfte. Gleichzeitig verändert KI-Tätigkeiten und Prozesse. Unternehmen müssen deshalb stärker in die Kompetenzen ihrer Beschäftigten investieren.

Wie der professionelle Einsatz von KI gelingen kann, zeigt Irene Welp, Business Coach und Organisationsentwicklerin bei Empower your Insights. Sie hat den Zertifikatslehrgang der IHK „KI Business Manager“ erfolgreich absolviert und aus einem wiederkehrenden Prozess einen KI-Agenten entwickelt, der in ihrem Arbeitsalltag für Effizienz sorgt. „Entscheidend war für mich, dass es nicht beim theoretischen Wissen blieb. Aus meiner Fragestellung ist ein KI-Agent entstanden, den ich direkt in die Praxis übertragen konnte. Heute unterstützt er mich dabei, potenzielle Kunden gezielter zu identifizieren und die Recherche und Ansprache effizienter vorzubereiten“, sagt Welp. Das Beispiel zeigt eine zentrale Voraussetzung für erfolgreichen KI-Einsatz: Am Anfang steht eine konkrete Fragestellung aus dem Arbeitsalltag, anschließend kann mit KI ein Lösungsansatz gefunden werden. „Statt die gesamte Organisation auf einmal verändern zu wollen, können Unternehmen mit einer konkreten Aufgabe starten, Erfahrungen sammeln und funktionierende Anwendungen anschließend ausweiten“, sagt Vorberg.

Was das Praxisbeispiel konkret zeigt, spiegelt sich auch in den Erwartungen der Teilnehmenden wider. Eine Auswertung von 149 anonymisierten Antworten aus vier KI-Lehrgängen des IHK-Forums zeigt, worauf es ihnen beim Kompetenzaufbau besonders ankommt: Orientierung, Transfer und Sicherheit. Gefragt sind ein Überblick über passende KI-Werkzeuge, die Übertragung auf konkrete betriebliche Aufgaben sowie Klarheit über rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen. Auch beim Erfolg der Weiterbildung zählt vor allem die praktische Wirkung: geschäftlichen Mehrwert schaffen, effizienter arbeiten, eigene KI-Anwendungen umsetzen und das Team einbinden. Die Auswertung unterstreicht damit: KI-Wissen entfaltet seinen Wert, wenn daraus konkrete Anwendungen für den Arbeitsalltag entstehen und wiederkehrende Prozesse durch gezielten KI-Einsatz effizienter werden. „Wichtig ist der operative Mehrwert“, unterstreicht Vorberg.

Nachfrage nach KI-Kompetenz steigt

Wie groß das Interesse ist, zeigt die Entwicklung im IHK-Forum. Anfang 2024 startete das Weiterbildungszentrum mit dem Zertifikatslehrgang „KI-Manager“. Inzwischen umfasst das Angebot 20 unterschiedliche KI-Kurse. 2026 finden 53 Kurse statt – 56 Prozent mehr als 2025. Insgesamt nehmen in diesem Jahr 332 Personen teil. 187 davon sind Frauen, das entspricht 56 Prozent. „Weiterbildung ist mit Blick auf den technologischen Wandel keine Begleitmaßnahme, sondern Teil der Unternehmensstrategie. Denn KI-Kompetenz zeigt sich nicht darin, wie viele Tools Beschäftigte kennen. Entscheidend ist, ob sie damit konkrete Probleme lösen und die Technik verantwortungsvoll in ihre Arbeit integrieren“, sagt Vorberg. „Genau dort setzt berufliche Weiterbildung an.“