Wuppertal/Düsseldorf/Mettmann. Unter Federführung der Schwerpunktabteilung für die Bearbeitung von Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen und Korruptionsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Wuppertal haben die Polizei Düsseldorf, das Hauptzollamt Düsseldorf und das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität am Donnerstag zahlreiche Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Zu einem Einsatz kam es dabei auch in Mettmann.
„Im Rahmen einer gemeinsamen Ermittlungsgruppe werden bereits seit Dezember 2025 unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Wuppertal Ermittlungen gegen insgesamt 13 Beschuldigte geführt. Gegenstand des Verfahrens sind der Verdacht des gewerbsmäßigen und bandenmäßigen Abrechnungsbetrugs im Gesundheitswesen, Geldwäschedelikte sowie Steuerdelikte und des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt“, teilen die Ermittlungsbehörden mit.
Zunächst gab es anonyme Anzeigen. Diese zogen letztlich umfangreiche Ermittlungen zu der Verdachtslage, dass die Beschuldigten „gemeinschaftlich und gewerbsmäßig Leistungen für ambulante Intensivpflege gegenüber Krankenkassen abgerechnet haben, ohne dass diese tatsächlich oder vollumfänglich erbracht worden sind“, nach sich. Weiterhin sollen die Leistungen nicht abrechnungsfähig gewesen sein. Die Gesamtschadenshöhe schätzen die Ermittlungsbehörde auf rund elf Millionen Euro.
„Bei den Beschuldigten handelt es sich um türkische, marokkanische, ägyptische und deutsche Staatsangehörige, teils mit doppelter Staatsangehörigkeit, im Alter zwischen 20 und 54 Jahren“, wie die Polizei Düsseldorf und die Staatsanwaltschaft Wuppertal melden.
Am Donnerstag, 17. September, kam es nun zu einer konzertierten Aktion unter Beteiligung von über 200 Kräfte. Zeitgleich wurden Durchsuchungsbeschlüsse in NRW in Düsseldorf, Dortmund, Wuppertal, Hagen, Oberhausen, Gelsenkirchen, Bottrop, Lüdinghausen, Duisburg, Mettmann, Monheim und Hürth sowie im hessischen Kelsterbach vollstreckt.
Funde: Luxusautos, Schmuck und Geld – und ein Kind in schlechter Verfassung

„In einer Wohnung in Düsseldorf wurde ein pflegebedürftiges Kind angetroffen, welches sich in einem sehr schlechten Gesundheitszustand befand. Es wurde umgehend der Rettungsdienst angefordert. Das Kind kam zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der Kinderschutzbund und das Jugendamt erhielten Kenntnis“, so die Behörde.
Der Haftbefehl gegen eine 39 Jahre alte türkische Staatsangehörige wurde vollstreckt. Gegen ihren Ehemann, einen 44-jährigen Deutschen, konnte der bereits bestehende Tatverdacht erhärtet und ein Haftbefehl beantragt werden. Der Mann wird dem Haftrichter vorgeführt.
In einem Gebäude wurde zudem eine 54 Jahre alte Frau mit georgischer Staatsangehörigkeit angetroffen, die sich illegal in Deutschland aufhält und arbeitet. Sie wurde festgenommen.
„Insgesamt wurde umfangreiches Beweismaterial in analoger und digitaler Form aufgefunden, darunter auch ein vermutlich zur Fälschung von Verordnungen genutzter Arztstempel“, so die Behörde. Demnach wurden Vermögenswerte in Höhe von insgesamt 5,9 Millionen Euro sichergestellt, darunter mehrere hochwertige Kraftfahrzeuge der Marken Maybach, Mercedes AMG und Lamborghini, Bargeld in Höhe von etwa 51.000 Euro, Gold im Wert von circa 10.000 Euro, Schmuck im Wert von etwa 265.000 Euro, hochpreisige Taschen im Wert von circa 16.000 Euro und hochpreisige Uhren im Wert von insgesamt etwa 140.000 Euro. Weiterhin wurden Sicherungshypotheken in Höhe von 3,3 Millionen Euro in die Grundbücher der Immobilien der Beschuldigten eingetragen.
„Zudem fanden die Beamten bei den Hauptbeschuldigten in Mettmann eine scharfe Schusswaffe mit Munition, Betäubungsmittel (Marihuana) und Anabolika“, hieß es seitens der Polizei und Staatsanwaltschaft.
Die Ermittlungen dauern an.


