Ratingen. Mit Bestürzung und Empörung hat die Stiftung Haus Oberschlesien auf die Beschädigung der Gedenktafel für die ehemalige Synagoge in Ratingen reagiert.
„Wer eine Gedenktafel für eine Synagoge beschädigt, greift nicht nur ein Denkmal an, sondern die Erinnerung an die jüdischen Ratingerinnen und Ratinger, die entrechtet, vertrieben und ermordet wurden – und damit das jüdische Leben in unserer Stadt heute“, erklärt Sebastian Wladarz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Haus Oberschlesien. „Das ist ein antisemitischer Angriff auf unsere gemeinsame Erinnerungskultur. Wir verurteilen ihn aufs Schärfste und erwarten, dass die Tat konsequent aufgeklärt wird.“
Die Stiftung, die in Ratingen-Hösel das Oberschlesische Landesmuseum trägt, arbeitet eng mit dem Jüdischen Kulturverein Schalom Ratingen zusammen. Im Frühjahr reisten Sebastian Wladarz und der Vereinsvorsitzende Vlad Ilstein gemeinsam unter dem Titel „Auf den Spuren von Leo Baeck und des jüdischen Erbes in Oberschlesien“ nach Oppeln, Gleiwitz, Beuthen und Kattowitz, um mit jüdischen Gemeinden, Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen ins Gespräch zu kommen. Im Anschluss besuchten mehr als 25 Mitglieder des Vereins das Oberschlesische Landesmuseum – eine Begegnung, die deutlich gemacht hat, wie eng jüdisches, deutsches und polnisches Leben in Oberschlesien über Generationen miteinander verflochten war, und wie sehr diese Geschichte durch Nationalsozialismus, Krieg und Vertreibung zerrissen wurde.
„Gerade Oberschlesien zeigt, wohin Hass führt: Die Region, in der jüdische Familien Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft über Jahrhunderte geprägt haben, wurde zum Ort der Entrechtung und Vernichtung“, so Wladarz. „Aus dieser Geschichte erwächst für uns eine klare Verantwortung. Die Antwort auf diesen Angriff kann nur sein, jetzt erst recht zusammenzustehen.“
Die Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Schalom wird daher weiter ausgebaut. Geplant sind unter anderem Konzert- und Podiumsveranstaltungen im Oktogon der Stiftung sowie Projekte der historisch-politischen Bildung gemeinsam mit Partnern in Oberschlesien. Zudem soll die Kooperation auf eine formelle, institutionelle Grundlage gestellt werden.
„Erinnerung lässt sich nicht beschädigen, wenn viele sie tragen“, schließt Wladarz. „Wir stehen an der Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger – heute und in Zukunft. Wir haben aus Oberschlesien symbolisch Steine mitgebracht, um hier etwas aufzubauen. Davon lassen wir uns nicht Abhalten.“
Am Sonntagmorgen, 20. September, ist die Gedenktafel nach Angaben der Polizei gegen 5:30 Uhr beschädigt worden. Die Ermittlungen laufen.


