
Ratingen. Rund 40 Menschen kamen bei der Talkveranstaltung „Lieblingsplatz Ehrenamt“ im Mehrgenerationentreff Tiefenbroich zusammen. Eingeladen hatte die seniorengerechte Quartiersentwicklung Ratingen gemeinsam mit der Miteinander-Freiwilligenbörse Ratingen und weiteren sozialen Einrichtungen.
Angesprochen waren insbesondere Menschen, die sich im Hinblick auf einen bevorstehenden Ruhestand neu orientieren und ihre zusätzliche freie Zeit sinnvoll gestalten möchten. Auf dem Podium berichteten Ehrenamtliche aus unterschiedlichen Bereichen über ihre Erfahrungen – von den Digitalpaten und der Hospizbewegung über den ADFC und das Repair-Café bis zum Bundesfreiwilligendienst im höheren Alter. Auch die Freiwilligenbörse stellte ihre Vermittlungsarbeit vor. Birgitt Klein brachte dafür ein anschauliches Bild mit: einen Suppentopf mit Deckel. „Meine Aufgabe und mein Ziel ist es, in der Vermittlung den passenden Deckel für jeden Topf zu finden“, sagte sie.
Nach der Pause kamen hauptamtliche Koordinatorinnen und Koordinatoren aus verschiedenen Einrichtungen zu Wort. Dabei wurde deutlich: Ehrenamt kann sehr unterschiedlich aussehen und muss nicht von Anfang an festgelegt sein. „Einfach mal machen“ lautete ein Tipp der bereits Engagierten. Ausprobieren, Erfahrungen sammeln und gegebenenfalls etwas anderes ausprobieren – auch das gehört dazu.
Ehrenamtliches Engagement soll Freude machen und kann zugleich viel zurückgeben: Es schafft soziale Kontakte, gibt Struktur im Alltag und ermöglicht es, persönliche Interessen mit einem sinnvollen Beitrag für andere zu verbinden. Wer zum Beispiel Freude an Bewegung hat, kann Radtouren beim ADFC begleiten. Und im Repair-Café oder bei den Digitalpaten können berufliche Erfahrungen und persönliche Fähigkeiten eingebracht werden.
Gleichzeitig wurde betont, dass Ehrenamt gute Rahmenbedingungen braucht. Verlässliche Ansprechpartner, Unterstützung im Team und Möglichkeiten zum Austausch seien wichtig, damit Engagement nicht zur Belastung werde. Auch Fortbildungen und Qualifizierungen gehören für viele Tätigkeiten dazu.
Kritisch diskutierten die Teilnehmenden auch die Frage, wo Ehrenamt an strukturelle Grenzen stößt. Einig waren sich die Gesprächspartnerinnen und -partner darin, dass freiwilliges Engagement hauptamtliche Arbeit nicht ersetzen darf. „Ehrenamt darf und kann Hauptamt nicht ersetzen“, betonte Maymol Devasia-Demming von der Allianz Bildung und Lernen. Wichtig seien klar definierte Aufgaben und eine gute Begleitung der Ehrenamtlichen.
Auch zeitlich befristete Projekte können eine attraktive Möglichkeit sein. Barbara Buscher Sander, Leiterin des Mehrgenerationentreffs Tiefenbroich, berichtete, dass sich Ehrenamtliche dafür gut gewinnen ließen: „Ich erlebe, dass die Ehrenamtlichen sich für zeitlich befristete Projekte gut motivieren lassen und damit auch Zeit für andere Dinge wie Reisen oder Engagement in der Familie haben.“
Eine weitere Möglichkeit stellte Christian Carls von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe mit dem Projekt „Bundesfreiwilligendienst Ü60“ vor. Der einjährige Dienst mit 20 Wochenstunden, Taschengeld und regelmäßigen Fortbildungen kann insbesondere für Menschen interessant sein, die den Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand aktiv gestalten möchten. Für das neue Projekt „Begegnungslotsen“ im Raum Düsseldorf, Ratingen und Essen gibt es noch freie Plätze.
Die Moderierenden Uwe Herden und Astrid Kapels von der seniorengerechten Quartiersentwicklung der Stadt Ratingen zeigten sich mit dem Verlauf des Abends zufrieden. Ein Satz aus dem Publikum fasste die Botschaft des Abends treffend zusammen: „Wir alle tragen Verantwortung füreinander. Gemeinsam sind wir stark.“
Wer sich über Möglichkeiten des ehrenamtlichen Engagements informieren möchte, kann sich an die Miteinander-Freiwilligenbörse Ratingen wenden, Telefon 02102 5595551, E-Mail: info@freiwilligenboerse-ratingen.de.

