Ein Fahrkartenautomat im VRR. Foto: Volkmann
Ein Fahrkartenautomat im VRR. Foto: Volkmann

Gelsenkirchen. Alle Jahre wieder: Zum 1. Januar 2027 wird die Fahrt im öffentliche Nahverkehr teils deutlich teurer. Das Deutschlandticket kostet dann 66,80 Euro. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr erhöht zudem die Preise für mehrere Tickets um fast fünf Prozent. Ausnahmen gibt es allerdings. 


Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) entwickelt sein Tarifangebot zum 1. Januar 2027 weiter. Ziel ist es, den Zugang zu Bus und Bahn einfacher und attraktiver zu gestalten. Deshalb bleibt der Preis für den elektronischen Tarif eezy.nrw im VRR ebenso unverändert wie auch der für das EinzelTicket für Kinder. Gleichzeitig baut der VRR sein gesellschaftliches Engagement aus und ermöglicht Sternsinger:innen in den kommenden Jahren die kostenlose Nutzung von Bus und Bahn. Der Preis für das DeutschlandTicket steigt nach dem Beschluss des „Koordinierungsrats Deutschlandticket“ ab. 1. Januar 2027 auf 66,80 Euro. Die politischen Gremien des VRR haben zudem in ihrer heutigen Sitzung entschieden, die Preise im übrigen VRR-Tarif um 4,9 Prozent zu erhöhen.

Der elektronische Tarif „eezy.nrw“ entwickelt sich im VRR weiterhin dynamisch. Bis zum 5. Oktober 2026 unternahmen Fahrgäste mehr als 20 Millionen Fahrten mit eezy.nrw allein über die vom VRR und seinen Partnern für Nordrhein-Westfalen bereitgestellten Systeme und Apps. Damit entfallen rund drei Viertel aller eezy.nrw-Fahrten in NRW auf das VRR-System: Landesweit wurden bislang rund 27 Millionen Fahrten registriert. Auch die aktuelle Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung des elektronischen Tarifs im Verbundraum.

Allein im ersten Halbjahr 2026 stieg die Zahl der Fahrten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 75 Prozent. Die Einnahmen legten im gleichen Zeitraum um 65,1 Prozent zu. Für Dezember 2026 erwartet der VRR erstmals mehr als eine Million eezy.nrw-Fahrten pro Monat im Verbundgebiet.

Der digitale Tarif ermöglicht eine besonders einfache Nutzung des Nahverkehrs: Fahrgäste checken vor Fahrtbeginn über eine App ein und nach Fahrtende wieder aus. Das Hintergrundsystem berechnet den Fahrpreis anschließend automatisch auf Grundlage eines festen Grundpreises und der direkten Luftlinie zwischen Start und Ziel. Monatlich zahlen eezy-Nutzer dabei nie mehr als den jeweils gültigen Preis des DeutschlandTickets – ab dem 1. Januar 2027 also nie mehr als 66,80 Euro. Um mehr Menschen für den digitalen Tarif zu begeistern und Anreize zu setzen, Bus und Bahn häufiger zu nutzen, bleiben die Preise für eezyim VRR im Jahr 2027 stabil. „Die Entwicklung von eezy.nrw zeigt, dass einfache Tarifangebote bei den Fahrgästen ankommen. Niemand möchte sich vor jeder Fahrt mit Preisstufen oder dem passenden Ticket beschäftigen. Deshalb arbeiten wir kontinuierlich daran, den Zugang zum Nahverkehr einfacher und verständlicher zu machen. Dass die Preise für eezy 2027 stabil bleiben, ist ein wichtiges Signal für unsere Fahrgäste“, sagt Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR. Neben eezy.nrw bleibt auch das EinzelTicket für Kinder von der Tarifanpassung ausgenommen.

Schon seit dem Start von „eezy“ können in der VRR App weitere Personen und Fahrräder mit eingecheckt werden. Jetzt gibt es auch die Möglichkeit für beispielsweise Deutschlandticket-Nutzer, über eezy weitere Kinder oder Erwachsene mitzunehmen. Hierzu müssen Fahrgäste lediglich in der App auswählen, dass sie selbst schon ein Ticket haben, um im Anschluss weitere Mitreisenden einzuchecken. Bei einer Ticketkontrolle müssen dann das Deutschlandticket und das eezy-Ticket vorgezeigt werden.

In der vergangenen Woche legte der „Koordinierungsrat Deutschlandticket“ – bestehend aus Bund, Ländern, kommunalen Spitzenverbänden und Verkehrsbranche – auf Basis eines definierten Kostenindexes den Preis für das DeutschlandTicket auf 66,80 Euro ab 1. Januar 2027 fest. Für den VRR bleibt das DeutschlandTicket eine tragende Säule seines Tarifangebots. Aktuell nutzen bundesweit rund 14,5 Millionen Menschen das DeutschlandTicket. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete der VRR beim DeutschlandTicket weiterhin ein leichtes Wachstum. Besonders das DeutschlandTicket Job entwickelte sich mit einem weiteren Nachfrageplus positiv. „Insbesondere bei den Jobtickets wirkte sich positiv aus, dass wir dank der Finanzierungszusage von Bund und Ländern bis Ende 2029 und dem Kostenindex endlich die Planungssicherheit haben, die insbesondere für Unternehmen enorm wichtig ist“, betont Oliver Wittke.

Kostenlose Fahrt für Sternsinger bis 2029

Der VRR führt zudem sein Engagement für soziale und ehrenamtliche Aktivitäten fort. So können im Rahmen einer Sonderaktion als Sternsinger verkleidete Kinder und Begleitpersonen ab dem Jahr 2027 kostenlos Bus und Bahn nutzen. Die freie Fahrt gilt in der Preisstufe A, also innerhalb einer Stadt bzw. eines Tarifgebietes. Für das Jahr 2027 gilt die Regelung vom 2. bis zum 10. Januar. Die genauen Aktionszeiträume für die Jahre 2028 und 2029 werden rechtzeitig bekannt gegeben. „Die alljährliche Sternsingeraktion lebt vom Engagement vieler Kinder und Ehrenamtlicher. Allein 2026 sammelten die Sternsingerinnen und Sternsinger mehr als 47 Millionen Euro für Kinder in Not. Mit unserem Angebot möchten wir dazu beitragen, dass die Gruppen ihren Weg unkompliziert und ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand zurücklegen können. Das erleichtert die Organisation vor Ort und unterstützt die Kinder bei ihrer Spendenaktion“, sagt VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke.

Mit den stabilen Preisen von eezy und dem EinzelTicket für Kinder setzt der VRR bewusst auf Angebote, die den Zugang zum Nahverkehr erleichtern und einen wesentlichen Beitrag leisten, zusätzliche Fahrgäste für Bus und Bahn zu gewinnen. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Lage der Verkehrsunternehmen angespannt. Steigende Personal-, Energie- und Sachkosten erhöhen den Finanzierungsbedarf im Nahverkehr erheblich. Vor diesem Hintergrund haben die politischen Gremien des VRR in ihrer Sitzung am 8. Oktober 2026 beschlossen, die übrigen Preise im VRR-Tarif ab 1. Januar 2027 um durchschnittlich 4,9 Prozent zu erhöhen.

Da das Deutschlandticket inzwischen den größten Teil der Verkäufe ausmacht, betrifft die Preisanpassung nur noch 17 Prozent der Ticketumsätze im VRR. „Wo wir Spielräume haben, wollen wir attraktive und einfach nutzbare Angebote wie eezy.nrw für unsere Fahrgäste im Preis stabil halten. Gleichzeitig müssen wir die wirtschaftliche Realität der Verkehrsunternehmen berücksichtigen“, so Oliver Wittke, „denn sie sind es ja, die den ÖPNV als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge sichern. Die Tarifanpassung hilft dabei, die steigenden Kosten im Nahverkehr zumindest teilweise aufzufangen.“