Zwangsweise verlängerte Wartezeiten nerven vor allem im Herbst und Winter. Foto: Volkmann
Zwangsweise verlängerte Wartezeiten nerven vor allem im Herbst und Winter. Foto: Volkmann

Velbert. Zwei Zuglinien fahren die Velberter Stopps an – eine davon gehört allerdings zu den unzuverlässigsten in der Region. 


Im Frühjahr und Sommer ist ein verlängerter Aufenthalt an einem Bahnstopp kein größeres Drama. Wird es mit dem Herbst kälter und vor allem deutlich nasser, nervt jede zusätzliche Minute, die Pendlerinnen und Pendler zwangsweise mit dem Warten verbringen müssen. Bei einer Zuglinie durch Velbert hakt es bei der Zuverlässigkeit besonders: kurzfristige betriebliche als auch infrastrukturelle Störungen sorgen vor allem bei dem RE49 dafür, dass Fahrgäste nicht selten vergeblich auf den Zug warten müssen.

„Auf dem Südast der Linie RE 49 zwischen Essen und Wuppertal gibt es des Öfteren eine Infrastrukturstörung, welche den Betrieb so weit stört, dass der Zug auf dieser Strecke ganz ausfallen muss“, teilt das Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW als Erklärung mit. Mit einem Zuverlässigkeitswert von 83.7 Prozent für das Jahr 2025 und 87.8 Prozent für die ersten beiden Quartale des laufenden Jahres gehört der RE49 zu den unzuverlässigsten Linien im VRR. Bei den RB-, RE- und S-Bahnlinien liegt der Regionalexpress mit Halt in Velbert-Neviges bei der Zuverlässigkeit auf dem Spitzenplatz der Negativrangliste.

Bei der Pünktlichkeit (63.2 % für Q1 und Q2 in 2026) sieht es zumindest etwas besser aus, hier ist letztlich jedoch ausschlaggebend, dass ein eingekürztes Betriebskonzept aufgrund der wochenlangen Generalsanierung zwischen Köln und Hagen mit Teilausfällen zwischen Velbert-Nierenhof/Velbert-Langenberg und Wuppertal die Zahlen stabilisiert hat.

Spürbar besser läuft es mit der S9. Im Jahr 2025 lag die Pünktlichkeit bei 70,4 Prozent, die Zuverlässigkeit gar bei 90,0 Prozent. Zum Vergleich die „Top-Linie“ der Region auf der Schiene – die S4 der DB Regio – erreicht einen Pünktlichkeitswert von 97,9 Prozent sowie eine Zuverlässigkeit von 96,6 Prozent. Bei landesweiten Betrachtungen gelte ein Zug ab einer Verspätung von mehr als 3:59 Minuten als unpünktlich, so die Erklärung zu diesem Teil der Datenerhebung.

Insgesamt geht der Trend laut Bericht des Kompetenzcenter Integraler Taktfahrplan NRW im Schienenverkehr (S, RE und RB) leicht ins Negative. Lag im Jahr 2021 die durchschnittliche Pünktlichkeitsquopte noch bei 84,2 Prozent sowie sind es in 2025 nur noch 71,1 Prozent – ein deutliches Minus von rund 13 Prozent. Als Hauptgründe nennt der Bericht unter anderem stark ausgelastete Strecken sowie überlastete Knotenpunkte, aber auch Langsamfahrstellen, Störungen oder marode Infrastruktur. Auch die von Pendlern oft gehörten Begründungen „Verspätung eines vorausfahrenden Zuges“ oder „Verspätung aus vorheriger Fahrt“ werden als Hauptgründe angeführt.

Ausgerechnet die S-Bahnen bessern die Statistik auf: Hier liegt die durchschnittliche Pünktlichkeit bei 77,3 Prozent. „Die guten Werte liegen daran, dass diese Linien meist auf eigener Infrastruktur fahren und keinen konkurrierenden Verkehr auf dem Streckenverlauf erfahren müssen“, so die Erklärung.

Wer sich in Velbert demnächst über eine unpünktliche S9 ärgert, sollte bedenken, dass es noch schlimmer geht. Das Schlusslicht im Ranking – der RE2 – kommt auf einen Pünktlichkeitswert von 42,4 Prozent.