Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, mit Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Foto: IHK Düsseldorf
Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf, mit Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. Foto: IHK Düsseldorf

Düsseldorf. Die Wirtschaft in der Region Düsseldorf/Mittlerer Niederrhein kommt auch im Herbst 2026 nicht in Schwung. Doch immerhin sind die negativen Folgen des Iran-Kriegs nicht so gravierend, wie von vielen Unternehmen bei der Frühsommer-Umfrage befürchtet. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHKs Düsseldorf und Mittlerer Niederrhein, an der sich rund 700 Unternehmen mit rund 48.000 Beschäftigten beteiligt haben.


Der Konjunkturklimaindex liegt bei 88,3 Punkten. Damit hat er sich vom Schock im Frühsommer (83,3) erholt, bleibt aber unter dem Wert vom Jahresbeginn von 93,2 Punkten und deutlich unter seinem langjährigen Mittel von 103,8 Punkten. Eine nachhaltige Erholung ist damit nicht in Sicht. „Die Unternehmen warten weiterhin auf bessere Bedingungen. Hohe Kosten, zu viel Bürokratie und fehlende Planungssicherheit verhindern, dass aus ersten Stabilisierungssignalen ein Aufschwung wird. Die Politik muss jetzt die strukturellen Bremsen lösen und Unternehmen wieder Luft für Investitionen geben“, sagt Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf.

In der Frühsommerumfrage sechs Wochen nach Ausbruch des Iran-Krieges waren die Geschäftserwartungen auf minus 21,9 Punkte eingebrochen. Dieser Schockeffekt hat sich inzwischen deutlich abgeschwächt. Der Indikator liegt nur noch bei minus 12,0 Punkten. Die Geschäftslage rangiert dagegen weiterhin etwa auf dem Niveau der vergangenen Umfrage. „Dies deutet darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Lage bislang nicht – wie damals befürchtet – weiter verschlechtert hat“, so Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein.

Energiekosten rücken an die Spitze der Geschäftsrisiken

60,4 Prozent der Unternehmen nennen die Energiepreise als zentrales Geschäftsrisiko – fast genauso viele wie bei der Blitzumfrage im Frühjahr und deutlich mehr als die 42,6 Prozent im Herbst 2025. Bei energieintensiven Unternehmen liegt der Anteil sogar bei 76,1 Prozent. Ursache für den deutlichen Anstieg sind vor allem die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und die dadurch steigenden Beschaffungskosten. Höhere Energiepreise treffen dabei nicht nur die Betriebe direkt, sondern schwächen auch die Kaufkraft der Verbraucher.

Auch Rohstoff- und Arbeitskosten belasten die Unternehmen. 39,0 Prozent sehen die Rohstoffpreise als Risiko, 51,3 Prozent die Arbeitskosten. Steigende Sozialabgaben und der Fachkräftemangel treiben die Lohnkosten, während schwache Nachfrage und hoher Wettbewerbsdruck es erschweren, Mehrkosten weiterzugeben. „Wenn Energie, Arbeit und Abgaben teurer werden, während die Nachfrage schwach bleibt, geraten Unternehmen von zwei Seiten unter Druck“, erklärt Berghausen. „Deshalb brauchen wir keine neuen Belastungen, sondern wettbewerbsfähige Energiepreise, niedrigere Lohnnebenkosten und weniger Bürokratie.“

Die unsicheren Rahmenbedingungen und die schwache Nachfrage schlagen sich weiterhin in den Investitionsplänen nieder. Der Saldo der geplanten Inlandsinvestitionen verschlechtert sich gegenüber dem vergangenen Herbst von minus 9,2 auf minus 13,2 Punkte. Viele Unternehmen investieren vor allem, um bestehende Anlagen zu ersetzen. Nur 18,4 Prozent planen eine Ausweitung ihrer Kapazitäten.

Auch die Beschäftigungspläne werden restriktiver. Der Saldo sinkt von minus 11,7 auf minus 17,3 Punkte. Damit wollen deutlich mehr Unternehmen Stellen abbauen als neue Beschäftigte einstellen. Besonders schwach sind die Aussichten im Einzelhandel. Kaufzurückhaltung, hohe Energie- und Personalkosten sowie Bürokratiehemmnisse belasten die Unternehmen.

„“In den vergangenen drei Jahren haben uns die Betriebe jeweils sinkende Investitionspläne gemeldet. Wir leben immer mehr von der Substanz“, sagt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. „Die Wirtschaft braucht politische Weichenstellungen, die Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit des Standorts schaffen. Dann treffen die Unternehmen auch wieder langfristige Entscheidungen und investieren wieder mehr.“

Auftragseingänge senden erste positive Signale

Trotz des schwierigen Gesamtbildes gibt es Lichtblicke. Im produzierenden Gewerbe berichten 20,5 Prozent der Unternehmen von höheren Auftragseingängen als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Betriebe mit rückläufigen Neuaufträgen von 49,4 auf 39,7 Prozent. Besonders deutlich verbessert sich die Auftragssituation im Baugewerbe: Dort steigt der Anteil mit wachsendem Auftragsvolumen von 4,2 auf 28,6 Prozent. Eine breite Nachfragebelebung ist das noch nicht.

In der Industrie zeigen sich erste Anzeichen einer Stabilisierung. Der Lagesaldo verbessert sich gegenüber dem Vorjahr, bleibt mit minus 8,5 Punkten aber negativ. „Immerhin ist das der beste Wert seit zweieinhalb Jahren“, kommentiert Steinmetz. Auch bei den Erwartungen überwiegt weiterhin der Pessimismus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine bewertet die Industrie ihre Aussichten allerdings nur in zwei Umfragen besser als aktuell.

Die Bauwirtschaft erhält zwar Impulse durch öffentliche Infrastrukturmaßnahmen, jedoch bleiben Wohnungs- und Wirtschaftsbau schwach. Langwierige Entscheidungs- und Planungsprozesse sorgen zudem dafür, dass ein Teil der angekündigten Investitionen in die Infrastruktur noch nicht in der Wirtschaft angekommen ist.

Besonders schwierig bleibt die Lage im Einzelhandel. Kaufzurückhaltung sowie steigende Energie- und Arbeitskosten belasten nach wie vor die Branche. Auch der Großhandel leidet unter der schwachen Nachfrage aus Industrie, Bau und Konsum. Bei den Dienstleistern fällt der Geschäftslagesaldo erstmals seit der Corona-Pandemie ins Minus. Diese Branche ist allerdings heterogen. Während die Verkehrswirtschaft aufgrund hoher Kraftstoffpreise eine schlechte Lage meldet, kommen positive Signale von Architektur- und Ingenieurbüros.

Exportwirtschaft: Standortkosten wiegen schwer

Auch vom Auslandsgeschäft gehen nur begrenzte Wachstumsimpulse aus. 19,7 Prozent der exportierenden Unternehmen rechnen mit steigenden, 26,7 mit sinkenden Exporten. Auch hier bleibt der Saldo zwar negativ, die Werte bei den vergangenen drei Konjunkturumfragen waren jedoch deutlich ungünstiger. Gleichzeitig verliert die Auslandsnachfrage bei den exportierenden Betrieben als Geschäftsrisiko an Bedeutung. 31,3 Prozent der Betriebe bezeichnen die Auslandsnachfrage als Risiko – das sind knapp acht Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Dafür rücken auch bei diesen Unternehmen hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen stärker in den Fokus. „Der Außenhandel wird also weniger durch die Nachfrage, sondern zunehmend durch Kosten- und Standortbedingungen in Deutschland gebremst“, erklärt Berghausen. Wichtigster Absatzmarkt bleibt die Eurozone mit 92,6 Prozent, auch andere europäische Märkte gewinnen an Bedeutung. Dagegen sinkt angesichts geopolitischer Spannungen und Handelskonflikte der Anteil der Unternehmen mit Exportgeschäft nach China auf 13,3 Prozent.

Die Industrie- und Handelskammern sehen vor allem drei Handlungsfelder, in denen die Politik jetzt liefern müsse. „Bei den sozialen Sicherungssystemen liegen die notwendigen Reformvorschläge längst auf dem Tisch – bei Pflege, Grundsicherung, Rente und Gesundheit. Jetzt geht es darum, Entscheidungen zu treffen und die Reformen umzusetzen“, sagt Berghausen. Ziel müsse es sein, den weiteren Anstieg der Arbeitskosten zu begrenzen. Gerade in der Industrie gehörten die Arbeitskosten inzwischen zu den größten Geschäftsrisiken: 53 Prozent der Betriebe nennen sie als wesentliche Belastung.

Auch beim Bürokratieabbau gibt es dringenden Handlungsbedarf. „Ankündigungen für weniger Bürokratie hören wir regelmäßig. Bei den Unternehmen kommt davon bislang zu wenig an“, sagt Steinmetz. Ob Entgelttransparenzgesetz oder EU-Verpackungsverordnung – die Betriebe hätten vielfach den Eindruck, dass die Regulierungsdichte eher zunehme als abnehme. „Mit der Modernisierungsagenda hat die Bundesregierung selbst einen Weg aufgezeigt, wie sie für Entlastung sorgen will. Jetzt muss sie diesen Weg auch konsequent gehen – und verhindern, dass gleichzeitig neue Bürokratie entsteht“, so Steinmetz.

Als dritten Schwerpunkt nennen die IHKs die Energiepreise. „Unsere Unternehmen brauchen Energie, die wettbewerbsfähig, verlässlich und bezahlbar ist. Kurzfristig müssen deshalb die Energiesteuern auf das europäische Mindestmaß sinken. Mittel- und langfristig brauchen wir ein ausreichendes Energieangebot“, fordert Berghausen. Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt der Blick auf die Geschäftsrisiken: In der Industrie nennen inzwischen 69 Prozent der Betriebe die Energiepreise als wesentliche Belastung. Das ist der höchste Wert seit Jahresbeginn 2023.