
Düsseldorf. Wie gut ist das Rheinland auf den Ausfall wichtiger Verkehrswege und Versorgungsnetze vorbereitet? Beim gemeinsamen Mobilitätskongress Rheinland, den die IHK-Initiative Rheinland gemeinsam mit der Metropolregion Rheinland und „Go.Rheinland“ im Düsseldorfer Savoy Theater ausrichtete, wurde deutlich: Es braucht mehr Investitionen, alternative Transportwege und eine engere grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um die Region auch in Krisenzeiten handlungsfähig zu halten.
„Wir dürfen uns bei unserer Infrastruktur nicht länger nur fragen, ob sie im Alltag funktioniert. Entscheidend ist auch, ob sie Krisen standhält. Das Rheinland braucht deshalb Verkehrswege, Energie- und Kommunikationsnetze, die leistungsfähig, verlässlich und widerstandsfähig sind. Dafür müssen wir schneller investieren, besser vorsorgen und Staat und Wirtschaft enger zusammenbringen. Resilienz entsteht nicht erst in der Krise – sie muss vorher organisiert werden“, betonte Andreas Schmitz, Präsident der IHK Düsseldorf, zur Eröffnung des Kongresses.
Welche Bedeutung eine widerstandsfähige Infrastruktur für die wirtschaftliche und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Deutschlands und Europas hat, beleuchtete Marie-Agnes Strack-Zimmermann, MdEP und Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung des Europäischen Parlaments. Dabei hob sie insbesondere die Bedeutung grenzüberschreitender Verkehrsverbindungen für die europäische Verteidigungsfähigkeit hervor und forderte den Abbau bestehender Hürden: „Ohne grenzüberschreitende Mobilität kein Nachschub. Ohne Nachschub keine Verteidigung. Was Europa braucht, ist ein militärisches Schengen. Und zwar umgehend.“
Auch Claudia Elif Stutz, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr, machte die Anforderungen an eine Infrastruktur deutlich: „Sicherheit ist kein Zustand, sondern eine Daueraufgabe. Angesichts der veränderten Sicherheitslage müssen wir unsere Kritische Infrastruktur noch besser schützen und resilienter machen. Prävention, Detektion und Reaktion müssen dabei eng ineinandergreifen. Mit dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) investieren wir gezielt in eine leistungs- und widerstandsfähige Infrastruktur. Und mit dem Infrastruktur-Zukunftsgesetz sorgen wir dafür, dass die Investitionen schnell umgesetzt werden können. Denn das Gesetz räumt bestimmten Vorhaben von öffentlicher Sicherheit oder militärischer Relevanz als prioritär ein.“
Wie anfällig internationale Lieferketten sind, zeigte die Diskussion über globale Warenströme. Geopolitische Konflikte, blockierte Seehandelsrouten, Cyberangriffe sowie Hoch- und Niedrigwasser können Transporte abrupt unterbrechen oder verlagern. Das trifft das Rheinland als europäischen Logistikstandort unmittelbar und erhöht den Druck auf Straße, Schiene und Rhein. Gefragt sind deshalb breiter aufgestellte Lieferketten, alternative Transportwege und eine engere Abstimmung zwischen Wirtschaft und öffentlichen Stellen.
Besonders deutlich wurde der Handlungsbedarf bei der Verkehrsinfrastruktur. Brücken, Schienenstrecken, Umschlaganlagen, Häfen und leistungsfähige Hinterlandverbindungen sind nicht nur Grundlage für wirtschaftliche Wertschöpfung, sondern können im Krisen- oder Verteidigungsfall zusätzliche Bedeutung gewinnen. Vertreter von Deutscher Bahn, Bundeswehr, belgischem Militär, Hafen Antwerpen-Brügge und go.Rheinland diskutierten deshalb unter anderem über Engpässe im Schienennetz, Redundanzen, grenzüberschreitende Korridore sowie die Anforderungen der Militärlogistik. Dabei ging es auch um Dual-Use-Infrastruktur, von deren Ausbau zivile Verkehre ebenso wie sicherheitsrelevante Transporte profitieren können.
Zentrales Fazit des Kongresses: Die Widerstandsfähigkeit des Rheinlands entscheidet sich lange vor der nächsten Krise. Notwendig sind gezielte Investitionen in leistungsfähige und alternative Verkehrswege, schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine verbindlichere Zusammenarbeit über Zuständigkeits- und Landesgrenzen hinweg. Denn krisenfeste Infrastruktur ist nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch ein entscheidender Standortfaktor für Investitionen, Wachstum und internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Ziel der IHK-Initiative Rheinland GbR ist die Weiterentwicklung des Rheinlands zu einem der attraktivsten Standorte Europas. Die Initiative ist ein Bündnis der sechs Industrie- und Handelskammern Aachen, Bergische Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Mittlerer Niederrhein und Niederrheinische IHK Duisburg.

