
Mettmann. Der Blotschenmarkt in Mettmann gehört zu den ältesten Weihnachtsmärkten in Nordrhein-Westfalen. 25 Jahre lang ab 1972 befand er sich auf dem Jubiläumsplatz bis 1997 der Umzug auf den historischen Marktplatz in die Oberstadt erfolgte. Das beschauliche Umfeld rund um die St.-Lambertus-Kirche muss der weihnachtliche Markt ab 2026 – nach 29 Jahren – allerdings für einige Zeit verlassen, da das katholische Gotteshaus aufwendig saniert wird. Mettmann Impulse hat die Pläne für den Markt weitestgehend finalisiert.
Mettmanns Weihnachtsmarkt findet dieses Jahr rund 200 Meter vom bisherigen Ort entfernt statt. Schlendert man durch die alten Gassen der Fußgängerzone mit ihren kleinteiligen Geschäften und gemütlichen Cafés, liegt der neue Standort an historischer Stätte „Am Königshof“ – auf den Spuren der alten Handelsstraße „strata coloniensis“, denn hier stand vor über 1100 Jahren die Keimzelle des heutigen Mettmanns, ein frühfränkischer Königshof.
„Als uns Ende April die Nachricht ereilte, dass der Marktplatz ab diesem Jahr zunächst nicht mehr zur Verfügung steht, haben wir im Blotschenmarkt-Team wegen eines neuen Standorts viele Überlegungen angestellt, Machbarkeiten geprüft und Vor- und Nachteile abgewogen“, sagt Organisationsleiter Florian Peters. „Viele Gespräche und Vor-Ort-Besichtigungen mit den Genehmigungsbehörden fanden statt. Natürlich wurde auch der Jubiläumsplatz in Betracht gezogen. Doch nicht nur die vorhandene Marktsatzung für den Wochenmarkt standen dem entgegen, sondern auch das Platzangebot und vor allem die fast nicht zu realisierende Absicherung des Veranstaltungsgeländes. Aus anderen Gründen wiederum kam auch der durchaus charmante Gedanke nicht in Frage, den Markt wie einen Lindwurm durch die Fußgängerzone schlängen zu lassen.
Hausabstandsflächen, Rettungswege und Feuerwehraufstellflächen müssen gewährleistet bleiben, Haus- und Geschäftseingänge sowie Schaufenster sollten nicht zugestellt werden. Dazu kommt die komplizierte Versorgungsinfrastruktur von Elektro- und Wasserleitungen und zu guter Letzt auch die für den Sicherheitsdienst unübersichtliche Veranstaltungsfläche.“
Um den Blotschenmarkt trotzdem in der Innenstadt stattfinden zu lassen, blieb als realistische Option eigentlich nur der Platz vor der Galerie Königshof übrig. Denn für die Innenstadt-Händler zählt u.a. das wichtige Weihnachtsgeschäft. Und ohne Rahmenveranstaltung gibt es auch keinen verkaufsoffenen Sonntag, der in diesem Jahr am 6. Dezember stattfindet. Die Öffnungszeiten des Blotschenmarktes – montags bis freitags ab 16 Uhr, samstags und sonntags ab 12 Uhr – fügen sich denen der Geschäfte an. Zuerst einkaufen und flanieren, danach zum Blotschenmarkt, so der Gedanke.
„Um auf die Anwohner am Königshof Rücksicht zu nehmen, kehrt der Veranstaltungszeitraum auch wieder zur alten Laufzeitregelung zurück – zwei Wochen mit drei Wochenenden, dafür durchgängig ohne Montags- und Dienstagspausen. Von Freitag, 27. November bis Sonntag, 13. Dezember 2026 wird der Blotschenmarkt stattfinden“ informiert Florian Peters.
Doch zunächst musste wegen der vorläufigen Haushaltsführung der Stadt Mettmann, in der keine so genannten „Freiwilligen Ausgaben“ getätigt werden dürfen, Planungssicherheit für den Budenauf- und abbau hergestellt werden. Mit
einem speziellen Ratsbeschluss und Genehmigung durch den Kreis Mettmann konnten schließlich die Gewerke beauftragt und die Tätigkeiten des Baubetriebshofes dem Veranstalter Mettmann-Impulse zugesichert werden.
Vorstand Ingo Grenzstein: „Seit Beginn des Blotschenmarktes 1972 übernimmt traditionell die Stadt den Budenaufbau, Müllentsorgung, Reinigung, Wasserversorgung sowie sonstige Dienstleistungen. Das Gemeinschaftsprojekt Blotschenmarkt funktioniert nur im Zusammenspiel Stadt Mettmann bzw. Baubetriebshof, ehrenamtliche Organisation durch Impulse und Sponsorengelder. Bricht eine dieser drei Säulen weg, kann der Blotschenmarkt in dieser Form nicht stattfinden. Der Ausarbeitung des Finanzierungskonzeptes durch die Verwaltung sowie dem einstimmigen Votum des Stadtrates ist es letztlich zu verdanken, dass der Blotschenmarkt auch in diesem finanziell sehr schwierigen Jahr wieder einigen Vereinen, unter anderem den Aulen Mettmannern, Mettmann-Sport, der AWO sowie Mettmanner Unternehmen Verkaufsstände anbieten kann.“
Herausforderungen am neuen Standort

Mit dem neuen Standort sind allerdings auch ganz neue Herausforderungen verbunden. So weiß Impulse-Geschäftsführerin Bettina Barth zu berichten: „Auf dem Marktplatz war natürlich alles eingespielt. Am Königshof liegen ganz andere Voraussetzungen vor. Eine über den Platz laufende Straße, die für die Öffnungszeiten der Veranstaltung
jeweils gesperrt wird. Ersatz für angemietete Parkplätze musste organisiert werden. Andere Strom- und Wasserversorgung, freizuhaltende Rettungswege und Feuerwehraufstellflächen, zu beachtende Hausabstandsflächen und Durchfahrtshöhen für die Beleuchtung oder mehrere Toilettenwagen. Auch kann der Bürgerbus während der
Veranstaltung die Haltestelle Am Königshof nicht anfahren. Alles kein leichtes Unterfangen, das mit viel Arbeit und Mehrkosten für uns verbunden ist. Leider muss der Blotschenmarkt freitags und samstags bereits um 22 Uhr schließen – eine Stunde früher als gewohnt. Für länger haben wir keine Gestattung von der Stadt bekommen. Offensichtlich gelten am neuen Standort andere Verordnungen“, zeigt sich Bettina Barth enttäuscht.
Zudem wird die Einbahnstraßenregelung für den unteren Bereich der Straße am Königshof aufgehoben, damit der kleine Parkplatz neben der Christlichen Versammlung weiterhin angefahren werden kann. Denn die Sperrung der Veranstaltungsfläche beginnt erst dort und zieht sich bis zum Kreisverkehr am Eingang des Galerie-Parkhauses.
Mettmann-Impulse wird Anwohner und ansässige Geschäfte mit einem separaten Schreiben noch über alle Details informieren, so dass sich auch der Lieferverkehr darauf einstellen kann. Der Aufbau der ersten Buden beginnt jedenfalls schon ab dem 2. November. Das Standangebot bleibt am Ausweichstandort den Besuchern unvermindert erhalten: duftender Glühwein und schwedischer Glögg, Holunderpunsch, Feuerzangenbowle und das Kultgetränk Schneebällchen, leckerer Backfisch und
finnischer Flammlachs, Grünkohl mit Mettwurst, Reibekuchen, Churros, vor Ort frisch gebackenes Brot und viele andere Köstlichkeiten. Schönes für den Tannenbaum, individuell vor Ort beschriftete Weihnachtskugeln, Warmes für den Winter,
Holzarbeiten, Artikel aus dem Neanderland – hier findet jeder etwas für seine Lieben daheim. Welche Neuerungen es geben wird, verrät das Blotschenmarkt-Team erst in einer separaten Pressekonferenz vor Veranstaltungsbeginn, denn noch ist nicht alles zu 100% in trockenen Tüchern.
Auf ein klassisches Bühnenprogramm muss aus Platzgründen verzichtet werden, dafür werden musikalische Walking-Acts und eine festliche Beleuchtung für weihnachtliche Stimmung sorgen. Auch der Weihnachtsmann nimmt die Wünsche unserer kleinsten Besucher wieder in seiner Hütte entgegen. Ein historisches Kinderkarussell bietet Fahrspaß für unsere Kleinen. Etwas ganz Besonderes sind die rund 32 individuell und liebevoll geschmückten Tannenbäume der Grundschulklassen, die auf dem Blotschenmarkt bis in die Fußgängerzone hinein aufgestellt werden. Florian Peters: „Nicht nur für unser Blotschenmarkt-Team ist in diesem Jahr ziemlich viel neu, und wir hoffen, dass die ansässigen Geschäfte und Gastronomien der Oberstadt und des Marktes den temporären Veranstaltungsumzug schadlos überstehen. Auch für die Stadtverwaltung mit den Ordnungsbehörden, für die Anwohner am Königshof sowie für die Innenstadt-Händler ist das alles eine neue Situation.“
Ingo Grenzstein ergänzt: „Das Stadtmarketing mit kleineren Aktionen und auch wir als Werbegemeinschaft werden versuchen mit vermehrter Promotion auf unsere Innenstadt aufmerksam zu machen. Wir alle werden daraus unsere Erfahrungen ziehen und überlegen, was für das nächste Jahr möglicherweise zu optimieren ist. In diesem Jahr werden wir aber erst einmal am Königshof ein kleines gemütliches Weihnachtsdorf schaffen, um nicht nur den Mettmannerinnen und Mettmannern wieder einen vertraut heimatlichen und vorweihnachtlichen Treffpunkt zu bieten, sondern auch überregionale Besucherinnen und Besucher nach Mettmann zu ziehen.“

