Je nach Event-Tag, Uhrzeit und Austellerstand war es proppenvoll in den Messehallen. Foto: Volkmann
Je nach Event-Tag, Uhrzeit und Austellerstand war es proppenvoll in den Messehallen. Foto: Volkmann

Kreis Mettmann/Essen. Vom 22. bis 25. Oktober hat in Essen mit der „Spiel“ die internationale Leitmesse rund um Gesellschaftsspiele stattgefunden. Das Event endete erneut mit einem Besucherrekord.


Brettspiele sind längst auch in Niederberg ein Ding: An der jährlichen Aktion „Stadt. Land. spielt“ beteiligen sich inzwischen lokale Akteure beispielsweise aus Wülfrath und Heiligenhaus, örtlich bilden sich Brettspielgruppen, und in den Bibliotheken stehen Veranstaltungen rund um Brettspiele, Kartenspiele oder Rollenspiele regelmäßig auf dem Programm.

Das Highlight der Szene – die Messe „Spiel“ – lockt einmal im Jahr tausende Spielbegeisterte in die Ruhrmetropole Essen. 230.000 Besucherinnen und Besucher meldet der ausrichtende Merz-Verlag mit dem Ende der Leitmesse – ein neuer Rekord. Der hatte sich allerdings im Vorfeld abgezeichnet. Die Tickets für sämtliche Event-Tage waren vergriffen, entsprechend voll war es in den Hallen der Messe Essen. Die war dieses Jahr voll belegt – auch das ist ein Rekord. Auf 81.200 Quadratmetern konnten Besucher insgesamt 2.012 Neuheiten von 997 Ausstellern aus 53 Ländern bestaunen. Vor allem konnten sie die Spiele jedoch ausprobieren. Gemeinsam Erlebnisse an den zahlreichen Spieletischen gehören fest zum Konzept der Veranstaltung.

Spiele auch lokal ein Thema

Nicht nur gucken: Neue Spiele und Spielkonzepte auszuprobieren, ist ein zentraler Bestandteil der Essener Publikumsmesse. Foto: Volkmann
Nicht nur gucken: Neue Spiele und Spielkonzepte auszuprobieren, ist ein zentraler Bestandteil der Essener Publikumsmesse. Foto: Volkmann

Einige der Trends: „Cozy Games“, besonders entspannende Brettspiele, die sich gemütlich herunterspielen lassen; Lizenzspiele, unter anderem zu Cyberpunk, Batman oder die Erfolgsbuchreihe „Fourth Wing“, sowie Brettspiele rund um Natur oder Ökologie. Ein Hype hatte sich unter anderem um „Queen Alice“ von „Combo Games“ gebildet. Das Brettspiel verzahnt ein Kartenspielkonzept und Schach, was der Verlag, der sich thematisch bei Lewis Carrolls Geschichte „Alice im Wunderland“ bedient, letztlich als „chess-building“-System beschreibt.

Dauerhaft im Fokus spielbegeisterter Menschen stehen zudem Sammelkartenspiele – hier schlägt sich wieder eine Brücke nach Niederberg. In Wülfrath betreibt Benjamin Denneßenmit dem „Pinselschwert“ ein Fachgeschäft mitten in der Innenstadt und das läuft „inzwischen sehr gut“, wie der Wülfrather erklärt. Zuvor hatte er in der Kreisstadt Mettmann seinen Laden betrieben, den Standort dann jedoch gewechselt. „Der Umzug von Mettmann nach Wülfrath war der richtige Griff“, freut sich Denneßen. „Das Thema Laufkundschaft unterschätzt man“, sagt er und verweist auf die Relevanz von „Events in der Stadt und verkaufsoffene Sonntage“. Denneßen ergänzt: „Man glaubt es kaum, aber durch die Wülfrather Innenstadt spazieren echt viele Leute, auch sonntags“.

Unter den sogenannten Trading Card Games ist es vor allem Disney Lorcana, das in dem Spielegeschäft für volle Spieltische sorgt. Aktionen rund um das Spiel bietet Benjamin Denneßen regelmäßig an. „Lorcana ist unser Steckenpferd. Bei den Events ist die Hütte voll“. Auch das Sammelkartenspiel Star Wars Unlimited laufe weiterhin gut; entsprechende Aktionen rund um das Spiel gibt es ebenfalls in dem lokalen Geschäft.

Was der Wülfrather Einzelhändler erlebt, spiegelt sich in Essen wider: Große Begeisterung für analoges Spielen. „Wenn Spielspaß und die Entdeckung von Neuheiten Hand in Hand gehen mit wichtigen Impulsen für das internationale Geschäft mit Brettspielen ist das optimal“, sagt Florian Hess Geschäftsführer des Merz-Verlags und Vorstand der Spielwarenmesse Group, welche die „Spiel“ letztlich übernommen und weiterentwickelt hat. Der Prozess wird weiterhin in Essen stattfinden. Der Veranstalter hat sich ausdrücklich zum Standort bekannt. Trotz nahezu komplett ausgereizter Ausstellungsfläche.

Ein Faktor für eine erfolgreiche Spielemesse in Essen war bislang immer der Wachstumsfaktor: mehr Fläche, mehr Besucher, mehr Aussteller, mehr Neuheiten. Diesen klassischen Ansatz wird man beim Merz-Verlag umdenken müssen, denn die Kapazitäten der Messe Essen sind nahezu ausgeschöpft. „Wir hätten noch die Halle 1A, die derzeit als Wartebereich genutzt wird“, sagt Carol Rapp, Geschäftsführerin des ausrichtenden Merz-Verlags. Auf die Frage, ob die Messe in Essen bleiben wird, antwortet sie dennoch so knapp wie eindeutig: „Ja, die ‚Spiel‘ bleibt in Essen!“. Der Merz-Verlag bekennt sich damit so eindeutig wie nie zuvor zu dem Standort, denn erstmals würde sich zukünftig tatsächlich die Frage nach weiterem Wachstum stellen beziehungsweise nach einem Verzicht genau darauf.

Stattdessen scheint der Merz-Verlag einen anderen Ansatz zu verfolgen, wie man bereits an der diesjährigen Messe erkennen kann. Die „Spiel“ ist nicht mehr eine statische Veranstaltung in den Messehallen, sondern wird als Event in weite Teile der Stadt getragen. Erstmals wird damit die touristische Bedeutung der Spielemesse für die Ruhrmetropole – womöglich zukünftig die Ruhrregion – unterstrichen.

Die Vorbereitungen für das kommende Jahr laufen bereits und der Termin steht fest: Vom 21. bis zum 24. Oktober 2027 findet die „Spiel“ dann in Essen statt.