
Mettmann. Das Unternehmen Fondium hat sich mit der IG Metall auf einen sogenannten Transformationstarifvertrag geeinigt. Mit diesem Vertrag wollen beide Seiten die Wettbewerbsfähigkeit der Eisengießerei mit Sitz in Mettmann steigern und die Arbeitsplätze langfristig sichern. Um dieses Ziel zu erreichen, verzichten die Beschäftigten auf Teile ihres Tarifeinkommens.
Seit Monaten kämpft Fondium mit der tiefgreifenden Struktur- und Absatzkrise in der Automotive-Zulieferbranche. Durch den nun geschlossenen Transformationstarifvertrag kann das Traditionsunternehmen, das hochbeanspruchbare Leichtbauteile in Eisenguss produziert und verarbeitet, seine Kostenstruktur an die sinkenden Abrufe der Automobilhersteller und Off-Highway-Kunden anpassen.
„Wie viele andere Zulieferer stehen wir unter massivem wirtschaftlichem Druck“, betont Rainer Bosky, CEO von Fondium, nach der Unterzeichnung des neuen Tarifvertrages. „Einerseits sind die Abrufe stark zurückgegangen, weil europaweit weniger Fahrzeuge gebaut werden. Andererseits müssen wir aber auch investieren und uns modernisieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Tarifvertrag, den wir gemeinsam mit der IG Metall und der aktiven Unterstützung des Betriebsrates schließen konnten, ermöglicht Fondium in Mettmann wieder eine gute Zukunft. Hier gilt mein Dank allen, die zum Erhalt des Standortes in Mettmann beigetragen haben.“
Auch die IG Metall blickt zuversichtlich in die Zukunft. „Unser Tarifvertrag schafft Planungssicherheit für beide Seiten“, ergänzte Hakan Civelek, Geschäftsführer der IG Metall Velbert. „Zum einen werden der Produktionsstandort in Mettmann durch Investitionen langfristig gesichert und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert, zum anderen sorgt dieser Tarifvertrag für mehr Sicherheit bei unseren Kolleginnen und Kollegen, weil über viele Jahre der Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen vereinbart wurde. Angesichts der angespannten Arbeitsmarktsituation war und ist die Beschäftigungssicherung unser wichtigstes Ziel.“
Auch die Beschäftigten stehen hinter den Tarifvertrag. Auf einer IG Metall-Mitgliederversammlung votierten rund 90 Prozent der Belegschaft für den Abschluss des Transformationstarifvertrages. „Die überwältigende Zustimmung der Belegschaft zeigt, dass sie bereit ist, Verantwortung für ihr Unternehmen zu übernehmen und aktiv an der Neuausrichtung des Standortes mitzuwirken“, so der Betriebsratsvorsitzende Halit Efetürk. „Wir haben ein hohes Maß an Sicherheit für die Arbeitsplätze geschaffen und sorgen gleichzeitig dafür, dass das Unternehmen weiterhin als attraktiver Arbeitgeber besteht. Wir haben bereits umgehend mit der Arbeit begonnen und werden die im Tarifvertrag festgelegten Zukunfts- und Verbesserungsthemen Stück für Stück voranzutreiben. Wir wollen Fondium in Mettmann wieder dorthin bringen, wo das Unternehmen hingehört und wo wir auch einmal waren, nämlich an der Spitze der Gießereien in Europa.“
Gleichwohl sich die Tarifvertragsparteien auf einen gemeinsamen Weg verständigt haben, fordern sie vor allem von der Politik noch mehr Unterstützung. „Wir werden als Industrieunternehmen nur dann langfristig erfolgreich sein, wenn auch die Rahmenbedingungen zukunftsfähig sind. Vor allem brauchen wir wettbewerbsfähige Energiepreise und weniger Bürokratie, um erfolgreich bestehen zu können“, so die einhellige Meinung der Betriebsparteien und der IG Metall. „Es ist schon einiges passiert, es muss allerdings noch nachgelegt werden. Dann werden wir gemeinsam die Deindustrialisierung in Deutschland verhindern können.“

