Essen. Wie wurde das Verhältnis von Christentum und Judentum im europäischen Mittelalter in Bildern dargestellt? Welche Rolle spielte die Kunst bei der Entstehung und Verbreitung antijüdischer Vorstellungen? Und ab wann werden aus theologischen Gegensätzen Darstellungen, die ins Groteske oder gar Dämonisierende kippen? Diesen Fragen widmet sich Dr. Barbara Schildt-Specker, Dozentin am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen, in ihrem Vortrag „Spurensuche zum Thema Antijudaismus in der darstellenden Kunst des europäischen Mittelalters“ am Dienstag, 10. November, ab 18 Uhr im Domschatz Essen.
Im Mittelpunkt des Vortrags stehen rund 20 mittelalterliche Elfenbeinreliefs mit Kreuzigungsdarstellungen aus der Zeit vor und nach der Entstehung des berühmten Theophanu-Einbandes aus dem Essener Frauenstift im 11. Jahrhundert. Anhand konkreter Bildbeispiele untersucht Schildt-Specker die Darstellung der Personifikationen Ecclesia – der Kirche – und Synagoga – der Personifikation des Judentums. Ihre zunächst als theologische Gegenüberstellung angelegte Bildsprache verändert sich im Laufe des Mittelalters und kann zunehmend abwertende, stereotype und dämonisierende Züge annehmen.
Dabei geht der Vortrag einer zentralen Frage nach: Wie eng sind die Entwicklungen in der bildenden Kunst mit der Geschichte des christlichen Antijudaismus verbunden? Bereits deutlich vor der Zeit des Ersten Kreuzzugs lassen sich in der Kunst Darstellungen finden, die antijüdische Feindbilder sichtbar machen. Welche Bedeutung hatte dabei die christliche Theologie? Welche Rolle spielten gesellschaftliche Entwicklungen? Und welchen Anteil hatte die Kunst selbst an der Verfestigung solcher Vorstellungen?
Der Vortrag lädt dazu ein, mittelalterliche Kunstwerke nicht nur als historische Zeugnisse und bedeutende Kunstwerke zu betrachten, sondern auch ihre Bildsprache kritisch zu hinterfragen. Durch den Vergleich konkreter Darstellungen wird nachvollziehbar, wie sich Vorstellungen von „Kirche“ und „Synagoge“ über Jahrhunderte hinweg entwickelten und welche problematischen Bildtraditionen daraus entstanden.
Die Teilnahme ist kostenfrei. Aufgrund der begrenzten Plätze ist eine vorherige Anmeldung bis zum 7. November erforderlich – per E-Mail an domschatz@bistum-essen.deoder telefonisch unter 0201/2204206.


