Gras wächst aus einem Schlagloch. Foto: pixabay
Gras wächst aus einem Schlagloch. Foto: pixabay

Ratingen. Die SPD Ratingen fordert mehr Grün, Barrierearmut und nachhaltige Materialien bei künftigen Straßensanierungen.


Wenn in Ratingen Wohnstraßen grundlegend saniert werden, sollen sie künftig nicht einfach nach dem bisherigen Muster wiederhergestellt werden. Fraktion und Ortsverein wollen die notwendigen Investitionen nutzen, um Straßenräume klimaangepasster, barriereärmer und lebenswerter zu gestalten. Mit einem SPD-Antrag für den Ausschuss für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz, Klimafolgenanpassung und Mobilität, den Haupt- und Finanzausschuss sowie den Rat soll die Verwaltung beauftragt werden, entsprechende Gestaltungsgrundsätze zu entwickeln und bei künftigen grundhaften Sanierungen zu berücksichtigen. „Wir sollten Straßen nicht für die Vergangenheit, sondern für die nächsten Jahrzehnte planen. Wenn ohnehin grundlegend saniert wird, ist es sinnvoll, gleich mehrere Herausforderungen zusammenzudenken: Klimaanpassung, Barrierefreiheit, Aufenthaltsqualität und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen“, erklärt Christian Wiglow, Fraktionsvorsitzender.

Konkret soll bei der Planung von Wohn- und Erschließungsstraßen abseits der Hauptverkehrsstraßen der Anteil von Straßenbäumen und Grünflächen deutlich erhöht werden. Diese sollen nicht erst nachträglich „untergebracht“ werden, sondern bereits bei der Gestaltung des Straßenquerschnitts berücksichtigt werden.

Gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden sei dies ein wichtiger Ansatz. Die Stadt Ratingen selbst weist auf die hohe Wärmebelastung stark versiegelter Bereiche hin und sieht Stadtbäume und Entsiegelung als Möglichkeiten zur Abkühlung. Auch ein Straßenbaumkonzept befindet sich nach Angaben der Stadt in Entwicklung.

„Ein Straßenbaum ist mehr als nur ein Stück Grün. Er spendet Schatten, verbessert das Mikroklima und macht einen Straßenraum attraktiver. Deshalb muss der Baum bei der Planung der Straße mitgedacht werden – und nicht erst am Ende geschaut werden, ob irgendwo noch Platz ist“, sagt Pat Faßbender-Kreß, Ortsvereinsvorsitzender.

Ein weiterer Schwerpunkt des Antrags ist die Barrierearmut. Niveaugleiche beziehungsweise niveauarme Lösungen sollen geprüft werden, um Hindernisse für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen zu reduzieren.

Gleichzeitig soll die notwendige Orientierung für blinde und sehbehinderte Menschen durch geeignete taktile und optische Elemente gewährleistet werden.

„Barrierefreiheit bedeutet nicht, dass wir unterschiedliche Bedürfnisse gegeneinander ausspielen müssen. Gute Straßenplanung kann Zugänglichkeit, Sicherheit und Aufenthaltsqualität miteinander verbinden“, so Wiglow.

Auch bei der Wahl der Oberflächen sollen neue Wege geprüft werden. Pflaster- und Klinkerbauweisen könnten nach Ansicht der Antragsteller insbesondere bei Wohnstraßen interessante Alternativen zur klassischen Asphaltierung darstellen.

Der entscheidende Punkt sei dabei eine Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus einer Straße. Neben den ursprünglichen Herstellungskosten sollen deshalb auch Unterhaltung, Ressourceneinsatz, Umweltwirkungen und Wiederverwendbarkeit berücksichtigt werden.

„Die billigste Lösung beim ersten Bau ist nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung über 30 oder 40 Jahre. Wir müssen stärker darauf schauen, was Materialien langfristig leisten und wie oft sie bei Reparaturen erneut verwendet werden können“, betont Faßbender-Kreß.

Pflaster und Klinker können bei Leitungsarbeiten, Reparaturen oder späteren Umgestaltungen aufgenommen und anschließend wiederverwendet werden. Dadurch könnten Materialverbrauch und Abfall reduziert werden.

Bei der Entwicklung von Gestaltungsgrundsätzen sollen auch Erfahrungen aus niederländischen Städten und Gemeinden ausgewertet werden. Dort gibt es zahlreiche Beispiele für Wohnstraßen, in denen Pflaster- und Klinkerflächen, niveauarme Übergänge, Bäume und Grünflächen miteinander verbunden werden.

„Wir müssen nicht alles selbst erfinden. Andere Städte zeigen bereits, wie Wohnstraßen anders gedacht werden können. Wir wollen uns gute Beispiele ansehen und prüfen, was davon auf Ratingen übertragbar ist“, erklärt Faßbender-Kreß.

Darüber hinaus soll die Verwaltung ermitteln, bei welchen älteren Wohnstraßen und Gehwegen in den kommenden Jahren ein grundhafter Sanierungsbedarf zu erwarten ist. Die entsprechenden Maßnahmen sollen anschließend unter Berücksichtigung der neuen Gestaltungsgrundsätze priorisiert werden.

Die Stadt Ratingen verfügt bereits über regelmäßige Zustandserfassungen und eine Straßendatenbank als Grundlage für die Planung von Erhaltungs-, Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen. Das städtische Straßennetz umfasst rund 400 Kilometer.

„Wir wollen keinen flächendeckenden Umbau intakter Straßen. Es geht um die Straßen, die ohnehin irgendwann grundlegend erneuert werden müssen. Dort sollten wir die Chance nutzen und mit jeder Investition möglichst viel für die Zukunft erreichen“, stellt Wiglow klar.

Für die Antragsteller geht es deshalb um einen grundsätzlichen Perspektivwechsel: Wohnstraßen sollen nicht ausschließlich als Verkehrsflächen betrachtet werden, sondern als öffentliche Räume, die Mobilität, Klimaanpassung, Barrierearmut, Stadtgrün und Aufenthaltsqualität miteinander verbinden.

„Die Straßen, die wir heute neu bauen oder grundlegend sanieren, werden uns noch sehr lange begleiten. Deshalb sollten wir heute schon die Antworten auf die Herausforderungen von morgen mitplanen“, fasst Wiglow zusammen.

Faßbender-Kreß ergänzt: „Wir wollen Ratingens Wohnstraßen grüner, langlebiger und lebenswerter machen – und dabei verantwortungsvoll mit den finanziellen und natürlichen Ressourcen umgehen. Genau darum geht es bei unserem Antrag.“