Die Verbraucherzentrale NRW rät, bei Neobanken auf Extra-Kosten und Einschränkungen zu achten. Foto: VZ NRW/adpic
Die Verbraucherzentrale NRW rät, bei Neobanken auf Extra-Kosten und Einschränkungen zu achten. Foto: VZ NRW/adpic

Düsseldorf. Seit gut zehn Jahren gibt es Neobanken in Deutschland. Sie locken vor allem eine junge Kundschaft an und sind in der Regel nur über eine App erreichbar. Bei reinen Neobanken gibt es meist keine Filialen, teils auch keine Kredite oder Kreditkarten.


„Diese Anbieter machen viel Werbung und locken mit kostenlosen Girokonten oder Krypto-Handel“, sagt David Riechmann, Jurist und Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW. „Kostenfreie Angebote sind gut, aber dafür muss man ein eingeschränktes Angebot und rein digitale Strukturen in Kauf nehmen. Und bei Problemen kann es schwierig werden.“ Riechmann erklärt, was man vor der Kontoeröffnung beachten sollte:

Zugang nur mit Smartphone

Für fast alle Neobanken ist ein Smartphone Voraussetzung. Es dient häufig sowohl als Zugang zum Konto als auch zur Freigabe von Transaktionen. Alles läuft über Apps – von der Überweisung bis zur Geldanlage. Für die Zugangsprüfung finden sich Konto und TAN-Generator häufig in derselben App. Das ist zwar grundsätzlich zulässig, bietet aber weniger Sicherheit als eine Trennung auf zwei Geräten.

Bei mobilen TAN-Verfahren kann man sich zum Beispiel alternativ auf einem Laptop oder Tablet ins Onlinebanking einloggen und die TAN per Smartphone empfangen. Zu bedenken ist auch: Geht das Smartphone verloren oder wird es gestohlen, kann der Zugriff auf das Konto schwierig werden.

Begrenzter Bargeld-Zugang und Extra-Gebühren

Anbieter wie N26, Trade Republic, Bunq oder Klarna arbeiten mit einer eigenen Banklizenz oder der Lizenz ihrer Mutterunternehmen. Häufig sind sie jedoch nicht Teil von Automatennetzwerken. Bargeld abzuheben kann also umständlich oder kostspielig sein, denn Neobanken setzen vor allem auf bargeldlosen Verkehr. Manche bieten zwar Kredit- oder Debitkarten an, mit denen Kunden an Bankautomaten oder in Supermärkten Bargeld erhalten können. Diese Option ist aber oftmals auf eine bestimmte Anzahl oder einen Höchstbetrag pro Monat beschränkt. Wer mehr will, muss dafür Gebühren zahlen.

Auch Bareinzahlungen sind nicht so einfach wie bei klassischen Banken mit Filial- oder Automaten-Netz. Neobanken arbeiten dafür teils mit anderen Banken oder Partnergeschäften zusammen. Vor der Kontoeröffnung sollten Verbraucher deshalb prüfen, wie oft sie kostenfrei Bargeld abheben oder einzahlen können und welche Gebühren anfallen.

Kein persönlicher Kundensupport im Notfall

Wenn das Konto gehackt oder die Kreditkarte gestohlen wurde, brauchen Verbraucher schnell Hilfe. Das kann bei reinen Neobanken schwieriger sein, da sie in der Regel keinen persönlichen Kundensupport anbieten. Im Notfall müssen Betroffene deshalb häufig mit Chatbots kommunizieren, was zeitintensiv sein kann. Besonders problematisch kann dies bei einer Kontopfändung werden, denn Pfändungen von Gläubigern können existenzbedrohend sein. Dann ist eine verlässliche Auskunft wichtig.

Nach aktuellen Erkenntnissen der Verbraucherzentrale NRW sind Kunden von Neobanken bei der Einrichtung von Pfändungsschutz-Konten oder der Beachtung von Pfändungsschutzvorschriften häufiger alleingelassen, da persönliche Ansprechpartner fehlen und die Kommunikation oft nur über einen Chat in der App läuft.