
Düsseldorf. Wer ChatGPT kostenlos nutzt, könnte künftig nicht mehr nur Antworten auf seine Fragen bekommen, sondern auch Werbung sehen.
#Seit dem 24. August schaltet OpenAI in 31 europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, bezahlte Anzeigen in ChatGPT. Zunächst betrifft das den Free-Tarif und den günstigeren Go-Tarif. Was bedeutet das für Verbraucher, die den Chat nutzen? Ayten Öksüz, Datenschutzexpertin der Verbraucherzentrale NRW, klärt auf:
Nutzt ChatGPT Daten für personalisierte Werbung?
Im Europäischen Wirtschaftsraum soll es laut OpenAI zum Start zwar keine personalisierte Werbung geben. Die angezeigte Werbung kann sich aber am Inhalt des aktuellen Gesprächs orientieren. Wer sich beispielsweise gerade über ein bestimmtes Produkt informiert oder verschiedene Angebote miteinander vergleicht, kann Werbung sehen, die zu diesem Gespräch passt.
Nach derzeitigem Stand soll die Werbung laut OpenAI nicht aus einem umfassenden Nutzerprofil abgeleitet werden. Der aktuelle Chatinhalt kann jedoch als Grundlage dafür dienen, welche Anzeige eingeblendet wird. Wer keine Werbeanzeigen im Chat möchte, kann in den Werbeeinstellungen von ChatGPT eine werbefreie Variante aktivieren. Dafür muss man allerdings zusätzliche Einschränkungen beim Nachrichtenlimit in Kauf nehmen.
Worauf ist bei der Kommunikation mit ChatGPT zu achten?
Menschen nutzen KI-Chatbots längst nicht mehr nur für allgemeine Fragen und Auskünfte. Sie schildern dort beispielsweise gesundheitliche Probleme, finanzielle Schwierigkeiten, Rechtsfragen oder persönliche Konflikte. Dabei sollten sie sich bewusst sein, dass der Inhalt des aktuellen Chats auch für die Auswahl der angezeigten Werbung herangezogen werden kann. OpenAI gibt an, keine Werbung neben Gesprächen über sensible oder regulierte Themen wie Gesundheit oder Politik zu schalten. Trotzdem sollten Nutzer grundsätzlich keine vertraulichen oder besonders sensiblen Informationen in einen KI-Chatbot eingeben.
Kann Werbung in ChatGPT mit einer Empfehlung verwechselt werden?
Auch rein kontextbasierte Werbung hat ihre Tücken. OpenAI beschreibt den Werbekanal unter anderem als Möglichkeit für Unternehmen, Menschen zu erreichen, die den KI-Chatbot zur Produktempfehlung verwenden oder Produkte und Angebote vergleichen. Wird das gesuchte Produkt im Chat beworben, könnten Verbraucher:innen Schwierigkeiten haben, die KI-Antwort von der Werbung zu trennen. OpenAI kündigt zwar an, dass Anzeigen klar gekennzeichnet und von den Antworten getrennt sein sollen.
Verbraucher sollten trotzdem genau hinschauen und eine KI-Antwort grundsätzlich kritisch hinterfragen sowie durch zusätzliche Quellen absichern. Zudem sollten sie sich bewusst sein, dass eine angezeigte Empfehlung nicht automatisch die beste oder neutralste Antwort ist, sondern bezahlte Werbung sein kann. Kommerzielle Kommunikation muss nach deutschem Recht als solche erkennbar sein. Ob die konkrete Ausgestaltung der bei ChatGPT angezeigten Werbung den gesetzlichen Anforderungen genügt, muss im Einzelfall geprüft werden.

