Ein Handball liegt auf einem Hallenboden. Foto: pixabay/symbolbild
Ein Handball liegt auf einem Hallenboden. Foto: pixabay/symbolbild

Wülfrath. Die Handballerinnen des TB Wülfrath bleiben in fremden Hallen eine Macht: Im eminent wichtigen Kellerduell beim TV Aldekerk behielt die Mannschaft von Jan Artmann und Jörg Büngeler die Nerven und feierte mit einem hauchdünnen 28:27 (16:15)-Erfolg den dritten Auswärtssieg im dritten Auswärtsspiel. Durch diesen Herzschlag-Erfolg klettert der TBW auf den 7. Tabellenplatz der 3. Liga (Mitte).


Dass in der Vogteihalle Kerken viel auf dem Spiel stand, war beiden Teams von Beginn an anzumerken. Sowohl der Achte als auch der Zehnte agierten extrem nervös, was sich in einer ungewohnt hohen Fehlerquote auf beiden Seiten widerspiegelte.

„Dass bei dieser Konstellation extrem viel auf dem Spiel gestanden hat, ist allen Beteiligten von Beginn an vollkommen klar gewesen. Das ist mit Sicherheit auch ein Hauptgrund dafür gewesen, warum beiden Mannschaften relativ viele technische Fehler unterlaufen sind“, ordnete Co-Trainer Jörg Büngeler den zähen Beginn ein.

Auf beiden Seiten regierte zunächst kompromisslose Härte im Abwehrverbund, sodass jede Torgelegenheit hart erarbeitet werden musste. Bis zum 6:7 (14.) legte kein Team mehr als einen Treffer vor. Leonie Fagin sorgte in der 15. Minute für die erste Zwei-Tore-Führung der Gäste (6:8), kurz darauf parierte Melanie Schindowski einen Aldekerker Siebenmeter glänzend. Doch anstatt sich abzusetzen, verfiel der TBW in eine fehlerhafte Phase: Der TVA bestrafte die Ballverluste mit einem 3:0-Lauf zum 9:8 (19.) und zog über schnelle Gegenstöße auf 12:9 (22.) davon.

Wülfrath bewies jedoch einmal mehr Nehmerqualitäten. Als TVA-Coach Jörg Hermes zweieinhalb Minuten vor der Pause beim 14:13 zur Auszeitkarte griff, nutzten die Gäste die Unterbrechung deutlich besser: Mit einem furiosen 3:0-Zwischenspurt drehte der TBW das Geschehen auf 14:16, ehe Aldekerk drei Sekunden vor der Sirene noch den Anschluss zum 15:16-Halbzeitstand erzielte.

„In der Halbzeit haben wir uns vorgenommen, weiterhin massiven Druck in der Abwehr zu erzeugen, im Angriff geduldiger zu spielen und die Fehlerquote konsequent nach unten zu schrauben“, verriet Büngeler die Marschroute für Durchgang zwei.

Plan geht zunächst auf

Zunächst schien dieser Plan voll aufzugehen. Bis zur 37. Minute bauten die Wülfratherinnen ihren Vorsprung auf vier Tore aus. Doch der TVA steckte keineswegs auf und schaffte beim 21:22 (44.) erneut den Anschluss. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch: Der TBW verteidigte eine knappe Führung bis zum 24:25 (52.), ehe Aldekerk in Überzahl zum 25:25 ausglich und eine Wülfrather Schwächephase – inklusive verworfenem Strafwurf und zwei Ballverlusten – eiskalt zur 27:25-Führung (55.) nutzte.

In den Schlussminuten überschlugen sich die Ereignisse: Die Wülfrather Deckung um Torfrau Melanie Schindowski riegelte das Gehäuse komplett ab. Begünstigt durch eine Zeitstrafe gegen Aldekerk drei Minuten vor dem Ende blies der TBW zum finalen Gegenstoß. Nele Eckert stellte den Anschluss her (27:26, 57.), ehe Leonie Fagin zwei Minuten vor Schluss zum 27:27 egalisierte. Im Gegenzug parierte Schindowski spektakulär, sodass dem TBW für den letzten Angriff noch eine knappe Minute blieb. 22 Sekunden vor der Sirene übernahm abermals Fagin die Verantwortung und hämmerte den Ball zum 27:28 ins Netz. Den letzten Verzweiflungswurf der Gastgeberinnen aus einem direkten Freiwurf nach der Schlusssirene blockte die Wülfrather Mauer sicher ab – der Jubel kannte keine Grenzen mehr.

Ein besonderes Lob richtete Büngeler nach dem Abpfiff an die Anhänger: „Ein riesiges Dankeschön hat unseren zahlreichen Fans gegolten, die den Weg nach Aldekerk auf sich genommen haben. Sie haben uns über die gesamten 60 Minuten fantastisch unterstützt und uns in der hitzigen Schlussphase förmlich über die Ziellinie getragen.“

Trüben konnte den Jubel lediglich eine personelle Veränderung unter der Woche: Rückraumspielerin Sina Meyer hat den TB Wülfrath verlassen. „Da jede ambitionierte Spielerin natürlich so viel wie möglich auf der Platte stehen möchte, haben wir volles Verständnis dafür gehabt, dass sie nach mehr Einsatzzeit gestrebt hat“, betonte Büngeler. Der TBW bedankt sich ganz herzlich bei Sina Meyer für ihren unermüdlichen Trainings- und Spieleinsatz sowie ihr stets vorbildliches, teamdienliches Verhalten und wünscht ihr sportlich wie privat alles erdenklich Gute.

Nach dem Erfolg am Niederrhein wartet direkt die nächste schwere Bewährungsprobe in der Fremde auf den TB Wülfrath: Die Mannschaft tritt am kommenden Samstag, 7. November, ab 19:30 Uhr bei der TSG Mainz-Bretzenheim an. Als Tabellenvierter gehört Mainz-Bretzenheim zu den Top-Favoriten der Liga. Doch mit dem Rückenwind von drei Siegen aus drei Auswärtsspielen reist das Team von Jan Artmann und Jörg Büngeler mit breiter Brust nach Rheinland-Pfalz, um auch dort mutig aufzutreten und die weiße Weste auf Reisen zu verteidigen.