Fotograf Holger Heydt mit einem der porträtierten Klienten der Lebenshilfe. Foto: Volkmann
Fotograf Holger Heydt mit einem der porträtierten Klienten der Lebenshilfe. Foto: Volkmann

Velbert. Am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (5. Mai) hat die Lebenshilfe Kreisvereinigung Mettmann die Portraitfoto-Ausstellung „Gesichter der Teilhabe“ in der Velberter Sparkassenfiliale in der Innenstadt eröffnet.


Es ist ein Projekt, das für Teilhabe wirbt, zugleich jedoch den Finger in eine Wunde legt: 24 großformatige Schwarz-Weiß-Porträts zeigen Menschen aus den Wohnhäusern der Lebenshilfe im Kreis Mettmann – und erzählen ihre Geschichten crossmedial in Bild, Wort und Video. Verwirklicht wurde das Projekt durch eine Kooperation der Lebenshilfe mit dem Velberter Fotografenduo “DeinFoto-NRW”. Svenja Kowalzick und Holger Heydt haben hierzu durch ihre Objektive geblickt, Videograf Jonathan Heydt begleitete die Fotoshootings, um bei Themen rund um Inklusion in die Tiefe zu gehen. Die Ausstellung solle einen “persönlichen Mehrwert” einbringen, erklärt Svenja Kowalzick. Die Lebenshilfe habe dem Projekt von Beginn an offen gegenüber gestanden. “Wir wollten zeigen, was bei Menschen mit Handicap die Problematiken im Alltag sind”, so die Fotografin.

“Das Behinderungsthema spielt in den Fotos keine Rolle”, sagt Heydt. Zwar sehe man, dass alle Bilder “irgendwie special” seien, aber allen Porträtierten würde man über die Fotos als Menschen begegnen. “Es geht um Persönlichkeit, um Einzigartigkeit als Mensch”. Der für die Porträts gewählte Schwarz-Weiß-Look verstärke diesen Eindruck noch. Mit einem Video gewährt das Trio einen Blick hinter die Kulissen und verstärkt die zentrale Botschaft der Ausstellungsaktion, die sich nicht zuletzt um eine Frage dreht: Was ist Teilhabe überhaupt?

Die Antwort darauf war für viele nicht leicht zu formulieren – das ist das Fazit einer im Rahmen des Fotoprojekts durchgeführten Befragung. “Oft wissen Menschen gar nicht genau, was mit Teilhabe überhaupt gemeint ist”, so Holger Heydt. “Der Begriff wird öffentlich zwar oft genannt, aber eine echte Vorstellung haben viele davon gar nicht”. Letztlich schwingt in dem Projekt auch eine gute Portion Gesellschaftskritik und die Forderung, sich konkreter mit Inklusion auseinanderzusetzen, mit. Die Menschen mit Handicap hingegen haben oft genaue Vorstellung davon, was aktive Teilhabe für sie bedeutet. Und nicht selten wirken die Antworten ob ihrer Banalität erschreckend: Den eigenen Geburtstag feiern, beim Sommerfest tanzen oder einen Kaffee trinken gehen – das bereichere den Alltag nach eigenen Angaben der Porträtierten. “Ich war – ehrlich gesagt – auch ein bisschen schockiert”, gesteht Svenja Kowalzick. “Wir haben viel gelernt, unter anderem, dass Teilhabe oft keine Selbstverständlichkeit ist”. Ähnlich weit auseinander gehen die Einstellungen zu Lebenswünschen: Während beispielsweise die Mitarbeiter aus den Wohnhäusern ziemlich genaue Vorstellungen haben, fallen die Antworten der Menschen mit Handicap oft kurz aus: sie haben schlicht keine oder können ihren Traum nicht formulieren.

Das Kernproblem wird durch das Ausstellung offensichtlich: Wenn die Vorstellung von Teilhabe fehlt, können die damit verbundenen Herausforderungen nur schwer bewältigt werden. “Es reicht nicht, nur an der Oberfläche zu kratzen”, mahnt Holger Heydt.

Für die Fotoshootings selbst haben die Fotografen lediglich rund fünf Stunden benötigt, “aber insgesamt haben wir weit über 100 Arbeitsstunden investiert”, erklärt Heydt zu dem Aufwand. Herausgekommen ist dabei eine eindrucksvolle crossmediale Ausstellung, die nun bis zum 26. Mai 2026 kostenfrei in der Kundenhalle der Sparkasse HRV in der Velberter Innenstadt betrachtet werden kann.

“Wir wissen, Teilhabe ist kein geschenk, sondern ein Recht”, stellt Marius Bartos, kaufmännischer Geschäftsführer der Lebenshilfe Kreisvereinigung Mettmann, bei der Eröffnung klar. “Dafür setzen wir uns ein”.