Heiligenhaus. Norbert Sauerland hat im Juni eine junge Elster gerettet. Inzwischen weicht der Vogel kaum noch von der Seite des 79-Jährigen aus Heiligenhaus.
Im Juni hat Norbert Sauerland die junge Elster nahe seines Wohnortes in der Heide gefunden. „Sie lag wie auf dem Präsentierteller auf dem Boden“, so der 79-Jährige. Ohne lange zu überlegen, habe er den Jungvogel aufgehoben und mit nach Hause genommen. „Hier sind schließlich Katzen unterwegs. Lange hätte die Elster bestimmt nicht überlebt“, sagt der Heiligenhauser.
Über zweieinhalb Monate hat er das Tier aufgepäppelt – und die Elster zwischenzeitlich „Archy“ getauft. „Alles war ‚learning by doing'“, so Sauerland. Erfahrungen mit Elstern hatte er nicht. Hilfe erhielt er von lokalen Tierschützern, die unter anderem Tipps zu Nahrung und Wasser gaben – keine Würmer, wegen der Haken; und Wasser nicht per Spritze, sonst verschluckt die Elster sich. Per Hand reichte der 79-Jährige Futter und das reichlich: „Archy bestand anfangs ja fast nur aus einem Schnabel“.
Hühnerherzen gab es anfangs, inzwischen teilt Archy sich den Futternapf mit Haushund Finn. Der Vierbeiner hat sich an seinen neuen tierischen Freund gewöhnt, ist aber „manchmal genervt“, wie der 79-Jährige erklärt. „Finn rennt dann auf die Terrasse, weil er weiß, dass Archy ihm folgt – und dann kommt er wieder rein“. Ohne Vogel.
Die Wohnung auf das Vogelleben ausgerichet

Norbert Sauerland hat seine Gästetoilette in einen Vogelhort umfunktioniert und an warmen Tagen einen Mini-Pool gebaut. „Archy spielt viel und gern“, freut sich Sauerland. Der Heiligenhauser ist sichtlich stolz auf seine Rettungstat. In der Nachbarschaft ist der Vogel inzwischen bekannt, stibitzt dort mitunter Dinge. „Die tauchen dann bei anderen Nachbarn wieder auf“. „Langweilig wird es mit der Elster nicht“, sagt er.
Das gefiederte Jungtier aufzupäppeln war für den Rentner nahezu ein Vollzeitjob. Dabei hat Norbert Sauerland gar nicht so viel Zeit. Er spielt in zwei Bands und wirkt als weiteres Hobby als Statist in Filmproduktionen mit. „Ich war zuletzt als Rotwein-Kalle im Film Extrawurst zu sehen“, freut er sich. Alles unter einen Hut zu bringen, war demnach eine große Aufgabe. Seinen Alltag musste der Heiligenhauser um seinen neuen Mitbewohner herumstricken. Der Vogel wuchs schnell, gewöhnte sich an sein neues Nest, nahm Sauerlands Zuhause als sein eigenes an. „Archy fliegt auch weg, sogar zu den Nachbarn. Aber abends kommt er immer wieder zurück“, sagt Sauerland. Das stelle ihn durchaus vor Probleme: „In den Urlaub fliegen kann ich nicht. Ich kann ja nicht einfach länger weg“.
„Archy“ auszuwildern ist für Norbert Sauerland durchaus eine Herausforderung. Auch Tierschützer hätten ihm gesagt, dass das nicht einfach werde. „Die Elster kennt das wilde Leben ja nicht“, sagt der Heiligenhauser. Im Winter könne er das Fenster nicht den ganzen Tag geöffnet lassen und habe eine Reise geplant. Sein Alternativplan: eine Art Außengehege, das der Elster als neues Zuhause dienen könnte. „Ich überlege, wie ich das am besten umsetzen kann“. Und Norbert Sauerland hofft auf die Hilfe seiner Nachbarn. Die könnten „zum Beispiel beim Füttern helfen“.


