
Velbert. Mit insgesamt 8.500 Unterrichtsstunden und rund 390 Kursen ist die Volkshochschule Velbert/Heiligenhaus in das Herbstsemester gestartet. Trends spielen dabei eine zentrale Rolle.
Der Umbruch bei der Volkshochschule ist in Teilen vollzogen: Der ehemalige VHS-Direktor Rüdiger Henseling trat im Frühjahr den Ruhestand an. Zum 1. April übernahm Laura Jüngst seine Position kommissarisch. Bildung sei der als bloße Wissensvermittlungen, sagt Jüngst. Sie habe sich bewusst für die Übernahme ihrer neuen Aufgaben entschieden. „Bildung eröffnet neue Perspektiven, schafft Begegnungen und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Das Konzept der Volkshochschule als Treffpunkt funktioniert in Velbert und Heiligenhaus. Im vergangenen Frühjahrssemester fungierten die rund 350 Kurse mit ihren insgesamt knapp 10.300 Unterrichtsstunden als Besuchermagnete. Die Kurse seien gut angenommen worden und hätten gezeigt, „wie groß das Interesse an persönlicher Weiterbildung ist“, so Jüngst.
Der Wechsel an der Spitze ist bereits länger geplant gewesen. Als guten Rat gab Henseling seiner Nachfolgerin mit auf den Weg, sie möge „weiterhin offen sein und neugierig auf Neues“, solle aber „das Altbewährte nicht aus dem Blick lassen“. Entsprechend präsentiert sich das neue Halbjahresprogramm als Mix aus bekannten und neuen Bildungs- und Freizeitangeboten.
Für den Herbst haben die Organisatoren das Programm um weitere rund 40 Kurse aufgestockt, gleichzeitig ist die Zahl der Unterrichtsstunden jedoch deutlich gesunken. Dafür gibt es einen Grund: Reduzierte Fördermittel führen zu einer Kürzung bei den Integrationskursen – die haben sich halbiert. Entsprechend geht es mit der Zahl der Unterrichtsstunden nach unten. Ausgedünnt wurde das VHS-Programm aber nicht – im Gegenteil. Zu Klassikern wie Sprachangeboten (unter anderem Französisch, Englisch oder Spanisch sowie neu: Türkisch und Katalanisch) oder Computerkurse und Musik gesellen sich auch in der zweiten Jahreshälfte wieder Trends. Dazu gehörte einst Yoga, heute sind die Entspannungskurse fester Bestandteil des VHS-Programms, enorm beliebt und regelmäßig zügig belegt. Stattdessen sind es Ideen wie „Mealprep“-Kurse, bei denen Teilnehmer lernen, wie sie Mahlzeiten einfach vorbereiten können, Tai-Chi oder das weiterhin populäre intuitive Bogenschießen, mit denen man auch Neulinge an die Volkshochschule locken möchte. Dass Trendthemen aufgegriffen werden, ist kein Zufall: „Das ist für uns sehr wichtig“, sagt Dagmar Hilge-Biegmann, die den Gesundheitsbereich an der Volkshochschule verantwortet. Um Neues aufzudecken, setze man unter anderem auf Ideen von Dozenten, aber auch auf Anregungen von Kursteilnehmern.
Ebenfalls ein zentraler Bereich an der VHS Velbert/Heiligenhaus sind inzwischen die Workshops. „Wir haben heute deutlich mehr Workshops im Programm“, erklärt Laura Jüngst. Ein Grund: Viele Menschen hätten weniger Zeit, könnten nur schwer an Kursen teilnehmen. Mit den kürzeren Workshop könne man Angebote schaffen, die mitunter neue Zielgruppen erreichen – und eben in den VHS locken. „Viele Interessierte buchen einfach viel spontaner und kurzfristiger“, so Dagmar Hilge-Biegmann.
Die Programmverantwortlichen schaffen mit dem Mix aus Kursen und Workshops besser den Zielgruppenspagat: Einerseits soll das Stammpublikum glücklich gemacht werden, andererseits möchte man auch neue VHS-Besucher beständig ansprechen. Kochnachmittage, Erzählcafés, Literaturveranstaltungen, Vorträge oder praktische Mitmachkurse machen aus der Volkhochschule in allen Velberter Bezirken sowie in Heiligenhaus einen Ort für Begegnungen abseits reiner Bildungsangebote. „Mir ist beim Durchblättern des Programmhefts wieder bewusst geworden, wie viele Angebote wir haben“, sagt Verbandsvorsteherin Maike Legut. Damit der Programmumfang mindestens so bleiben kann, wie bisher, sucht die Volkshochschule auch neue Dozenten.
Highlights des neuen Semesters
In den Programmbereich kann man viel Neues entdecken. Highlights des Herbstes sind im Gesundheitssegment an der Volkshochschule beispielsweise eine Theaterveranstaltung rund um das Thema Demenz. Das Angebot entsteht in Kooperation mit dem Kölner Improvisationstheater „Frizzles“ und soll zum Weltalzheimertag am 21. September auf die Erkrankung aufmerksam machen. Ebenfalls im Programm: Ein Kurs zur Stressreduzierung nach dem Konzept von Kaluza oder funktionelle Gymnastik für Frauen. Unter den Workshops finden sich Angebote zu Aromapflege, Meditation oder Tai-Chi Chuan.
Bei der Kultur gibt es eine Lesung mit dem Velberter Autor Wim Martin am 5. November, Schreibkurse für Frauen, Angebote rund um Stift und Pinsel oder Art-Workshops sowie die „Nachbarschaftsküche“, ein gemeinsames Angebot der Stadt Velbert und der AOK.
Bei den Sprachen reichen die Formaten zu den elf angebotenen Fremdsprachen von Workshops über Semesterkurse bis hin zu Intensiv- oder Wochenendkursen. Hinzu kommen kulinarische Events, bei denen Sprachvermittlung und in Verbindung mit Geselligkeit stehen.
In den weiteren Programmbereichen gibt es Angebote für Beruf und Familien zu Erziehungsfragen, aber auch pädagogische Tipps für den Alltag und Kurse zur Freizeitgestaltung. Hier sollen im Kern Kompetenzen entwickelt und ausgebaut werden. Ähnliches gilt für die Grundbildung, worunter die weiterhin angebotenen Integrationskurse, aber auch Schulabschlüsse fallen.
Das neu designte Programmhaft – viel Weiß statt Dunkelblau – mit allen Kursen liegt an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet aus, kann zudem online unter www.vhs-vh.de heruntergeladen werden.

