Kreis Mettmann. Die Präventionsinitiative „Kurve kriegen“ gibt es seit zehn Jahren im Kreis Mettmann. Ziel der Aktion ist, junge Menschen vor dem Abrutschen in die Kriminalität zu bewahren.
Bei einer Jubiläumsveranstaltung am Montag, 14. September, blickten die Verantwortlichen in den Räumlichkeiten der Caritas in Mettmann gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern auf die vergangenen zehn Jahre zurück. Das Projekt hatte das NRW-Innenministerium ins Leben gerufen, um Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen acht und achtzehn Jahren, die wiederholt oder in Einzelfällen besonders schwerwiegend polizeilich in Erscheinung getreten sind und bei denen aufgrund ihrer Lebensumstände ein Abgleiten in die Kriminalität droht, zu helfen.
Die Teilnahme an dem Projekt „Kurve kriegen“ ist freiwillig. Entscheiden sich die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit ihren Eltern für das Mitmachen, kümmern sich zwei pädagogische Fachkräfte der Caritas und zwei polizeiliche Ansprechpartner gemeinsam um die Betroffenen. „Je nach persönlicher Situation können diese im Rahmen des Projektes dann beispielsweise an soziale Trainingsangebote vermittelt werden. Dort lernen sie, mit Konflikten und Frustration besser umzugehen und Aggressionen abzubauen. Gleichzeitig werden Eltern und Familien intensiv einbezogen. Auch das soziale Umfeld und der Freundeskreis werden bei Bedarf in die Arbeit integriert. Das Ziel dabei bleibt klar: Kriminalität verhindern“, so die Kreispolizeibehörde.
Seit 2016 wurden im Kreisgebiet insgesamt 89 Kinder und Jugendliche in die Initiative aufgenommen. 46 von ihnen schlossen die Maßnahme erfolgreich und mit einer positiven Sozialprognose ab. „Hinter einer Straftat steckt häufig eine ganze Reihe von Problemen“, wissen die beiden pädagogischen Fachkräfte Nils Ostermann und Petra Bräcklein von der Caritas aus ihrer täglichen Arbeit zu berichten. „Gemeinsam schauen wir auf diese Probleme und versuchen dann, diese individuell und ganzheitlich zu lösen – um eine nachhaltige Verbesserung zu erzielen und weitere Straftaten zu verhindern“, erklärt Petra Bräcklein.
„Straftaten dürfen nicht folgenlos bleiben – aber sie müssen auch nicht das ganze weitere Leben eines jungen Menschen bestimmen“, so Landrätin Bettina Warnecke.
„Bedenkt man, dass jugendliche Intensivtäter bis zu ihrem 25. Lebensjahr durchschnittlich rund 100 Opfer hinterlassen, die sie geschlagen, bestohlen oder anderweitig geschädigt haben, wird die Bedeutung von ‚Kurve kriegen‘ besonders deutlich“, betonte Holger Schepanski, Abteilungsleiter der Kreispolizeibehörde Mettmann. „Denn jede Tat, die verhindert werden kann, bedeutet einen Menschen, der nicht Opfer einer Straftat geworden ist“.
Mittlerweile wird diese Initiative in 42 von 47 Kreispolizeibehörden des Landes NRW umgesetzt. Dass der Ansatz auch über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus Beachtung findet, zeigt ein Blick ins Ausland: Schweden hat das Projekt im Jahr 2023 ebenfalls eingeführt.


