Die polizeiliche Kriminalstatistik sowie der Jahresbericht für das Jahr 2023 der Kreispolizeibehörde Mettmann wurden veröffentlicht. Foto: Polizei
Die polizeiliche Kriminalstatistik sowie der Jahresbericht für das Jahr 2023 der Kreispolizeibehörde Mettmann wurden veröffentlicht. Foto: Polizei

Kreis Mettmann. Die Kreispolizeibehörde hat die Kriminalstatistik für das Jahr 2023 vorgestellt. Die Fallzahlen sind leicht gestiegen, die Aufklärungsquote deutlich. Sorge bereitet der Polizei allerdings die steigende Zahl straffällig gewordener Kinder und Jugendlicher.

Sichtlich zufrieden ist Landrat Thomas Hendele über die aktuellen Daten aus der polizeilichen Kriminalstatistik für das vergangene Jahr: „Trotz leicht gestiegener Fallzahlen verzeichnen wir eine Steigerung der Aufklärungsquote auf 54,33 Prozent und erreichen hierbei sogar den zweithöchsten Wert seit zehn Jahren“. In den Räumen am Adalbert-Bach-Platz hatten Vertreter der Behörde den Jahresbericht vorgestellt. Darin enthalten ist zunächst ein ausführlicher Rückblick auf die Explosion in Ratingen, bei der im Mai 2023 ein 57-Jähriger an seiner Wohnungstür Benzin auf eine Polizistin schüttete und sie anzündete. Neun Einsatzkräfte der Feuerwehr und der Polizei wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt in umliegende Krankenhäuser sowie in Spezialkliniken gebracht.

Es ist eine beispiellose Tat gewesen, deren Aufarbeitung anhält. Die Richter am Landgericht Düsseldorf sprachen den Täter schuldig, verurteilten den 57 Jahre alten Ratinger zu einer lebenslangen Haftstrafe unter Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Aufgrund einer Revision durch die Verteidigung hat nun allerdings der Bundesgerichtshof das Urteil zu prüfen. Das Verfahren ist somit noch nicht abgeschlossen.

Und dennoch: Es lebt sich vergleichsweise sich in den Städten im Kreisgebiet. Mit einem Blick auf die Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ), die ein Indikator für die Gefährdung der Bevölkerung durch Kriminalität, bezogen auf die bekannt gewordenen Fälle auf 100.000 Einwohner darstellt, verzeichnet der Kreis Mettmann eine leichte Steigerung auf 6.077 (2022: 5.911). Im NRW-Vergleich zeigt sich, dass der Kreis Mettmann, wie bereits in den Vorjahren, auch im Jahr 2023 unter dem Landeswert liegt. Die Wahrscheinlichkeit, im Kreis Mettmann Opfer einer Straftat zu werden, ist damit deutlich geringer.

Während es im Jahr 2023 zu 29.764 Straftaten und somit zu einer leichten Steigerung um 3,95 Prozent (1130 Taten) kam, konnte die Polizei im Kreis Mettmann 996 mehr Tatverdächtige ermitteln und steigerte sich somit um 8,92 Prozent.

„Die Polizeibeamtinnen und Polizeibeamten haben im vergangenen Jahr 12.163 Tatverdächtige ermittelt – so viele wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren“, freute sich Landrat Thomas Hendele über die gute Ermittlungsarbeit.

Betrug und Co: Fast 20.000 Euro Schaden pro Fall

Der Abteilungsleiter der Polizei, Leitender Polizeidirektor Thomas Schulte, wies in seinen Ausführungen zu den gestiegenen Fallzahlen insbesondere auf die gute Aufklärungsquote für das Jahr 2023 hin. „Trotz hoher Belastungen haben die Ermittlerinnen und Ermittler der Kriminalpolizei gute Arbeit geleistet“, äußerte sich Thomas Schulte sichtlich zufrieden.

Dass auch die Fallzahlen im Bereich der Straftaten zum Nachteil älterer Menschen rückläufig sind (minus circa 23 Prozent auf 1.498 Taten), begründete der Abteilungsleiter der Polizei mit greifenden Präventionsmaßnahmen. Sowohl die intensive Arbeit der Kriminalprävention, gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren des Aktionsbündnisses Seniorensicherheit als auch eine engagierte Öffentlichkeitsarbeit sowie eine gute Zusammenarbeit mit den Banken hat zu einer deutlichen Sensibilisierung der betroffenen Gruppe beigetragen.

Dennoch kommt es zu durchschnittlich 125 Taten pro Monat mit einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 19.794 Euro.

Zahlen bei Kinder-Kriminalität steigen deutlich

Mit Sorge betrachtet der Leitende Polizeidirektor Thomas Schulte die steigende Zahl straffällig gewordener Kinder und Jugendliche. Bei den strafunmündigen Kindern liegt eine Steigerung der Fallzahlen um 15,62 Prozent (77 Fälle) auf 570 Straftaten vor. Bei Jugendlichen eine Steigerung um 11,24 Prozent (107 Fälle) auf insgesamt 1.059 Straftaten.

Aber: „Das Anzeigenverhalten hat sich in den letzten Jahren geändert“, erklärt Schulte. Eltern reagierten sensibler und wendeten sich schneller an die Polizei.

„Dennoch ist auch hier zu beobachten, dass insbesondere Intensivtäter für eine Vielzahl an Eigentums- und Gewaltdelikten zuständig sind. Diese Täter haben wir mit einem speziellen Intensivtäterkonzept im Blick, so dass wir frühzeitig einer Verfestigung delinquenter Verhaltensweisen entgegenwirken können“, so der Leitende Polizeidirektor.

Jan Mertin, Kriminaloberrat und stellvertretender Leiter der Direktion Kriminalität, setzte bei seinen Ausführungen den Fokus auf die Kriminalitätsentwicklung. So verzeichnete die Polizei im Kreis Mettmann beispielhaft im Bereich der Körperverletzungsdelikte einen Anstieg um 92 Fälle auf 3.513. Die Aufklärungsquote lag mit 88,3 Prozent leicht unter dem Wert von 2022 (89,62 Prozent). Auch die Zahl der Diebstahlsdelikte stieg um 911 Fälle (9,86 Prozent) auf 10.154 Delikte an. Der durch diese Delikte verursachte Schaden betrug allein 16.743.488 Euro und ist im Vergleich zum Vorjahr um 22,85 Prozent gestiegen. Häufigstes Delikt in dieser Gruppe ist der Ladendiebstahl.

Auch wenn die Zahl der Wohnungseinbrüche um 13,15 Prozent auf 611 Fälle im Jahr 2023 gestiegen ist, verzeichnet die Kreispolizeibehörde Mettmann dennoch einen steten Rückgang der Zahlen seit dem Jahr 2015.

„Auch wenn die Aufklärungsquote im Vergleich zum Vorjahr von 17,41 Prozent auf 16,53 Prozent leicht gefallen ist, liegen wir noch immer über dem Landesdurchschnitt und können von guter Ermittlungs- und Präventionsarbeit profitieren“, äußerte sich Jan Mertin zuversichtlich.

Der Rückgang der Fallzahlen bei der Straßenkriminalität, die die Bevölkerung besonders in ihrem Sicherheitsempfinden beeinträchtigt, stimmt den Kriminaloberrat besonders zufrieden: „Mit 6.734 Fällen im Jahr 2023 und einer gestiegenen Aufklärungsquote auf 18,49 Prozent sehe ich eine sehr erfreuliche Entwicklung. Diese ist sicherlich auch mit den sogenannten „zOOm“-Einsätzen zu erklären, die durch zielorientierte operative Maßnahmen („zOOm“) einen Schwerpunkt in unserer Kreispolizeibehörde Mettmann seit 2022 darstellt.

Mit über 30 Sondereinsätzen im ganzen Kreis Mettmann haben die Beamtinnen und Beamten ein Zeichen setzen wollen. Es lautet der Behörde zufolge: „Der Polizei gehört die Straße – nicht den Kriminellen!“