Mettmann. Das Evangelische Krankenhaus wird seine Geburtshilfe zum 31. Dezember 2026 schließen. Die Entscheidung sei angesichts der aktuellen gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unausweichlich geworden, wie die Krankenhausverwaltung mitteilt. Das Leistungsspektrum der Gynäkologie bleibt am Haus jedoch bestehen.
„Die Geburtshilfe zu schließen, ist eine Entscheidung, die ich gemeinsam mit der Betriebsleitung und dem Aufsichtsrat mit sehr schwerem Herzen treffen musste. Wir haben in diesem Krankenhaus noch nie eine Hauptfachabteilung geschlossen – und gerade unsere Geburtshilfe mit ihrem engagierten Team lag und liegt uns besonders am Herzen“, erklärt die Geschäftsführerin Jessica Llerandi Pulido.
Über viele Jahre hat das EVK Mettmann erhebliche finanzielle Mittel eingesetzt, um die Geburtshilfe trotz rückläufiger Geburtenzahlen aufrechterhalten zu können. Inzwischen reichen die Fallzahlen jedoch nicht mehr aus, um die für eine Geburtshilfe notwendige personelle und medizinische Infrastruktur rund um die Uhr wirtschaftlich verantwortbar vorzuhalten.
Zuletzt wurden am EVK Mettmann weniger als 400 Geburten pro Jahr gezählt – Tendenz weiter abnehmend. „Wir halten 24 Stunden am Tag an 365 Tagen im Jahr qualifiziertes Personal und die gesamte notwendige Infrastruktur vor – unabhängig davon, wie viele Kinder an einem Tag geboren werden. Wenn diese Strukturen dauerhaft nur noch für eine vergleichsweise sehr geringe Zahl von Geburten vorgehalten werden, entsteht eine wirtschaftliche Belastung, die wir unter den aktuellen Rahmenbedingungen nicht mehr auffangen können“, so Llerandi Pulido weiter.
Verschärft wird die Situation durch die aktuellen gesundheitspolitischen Reformen und die erheblichen Einsparvorgaben für Krankenhäuser. Insbesondere die finanziellen Belastungen durch die jüngsten Maßnahmen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung erhöhen den wirtschaftlichen Druck zusätzlich. Nicht nur auf das Mettmanner Krankenhaus, sondern bundesweit.
Berücksichtigt werden muss zudem, dass sich das Wahlverhalten werdender Eltern in den vergangenen Jahren verändert hat. „Trotz des hervorragenden Rufes der Mettmanner Geburtshilfe entscheiden sich Familien zunehmend für größere geburtshilfliche Zentren, insbesondere für Standorte mit angeschlossener Kinderklinik“, so die Verwaltung des Evangelischen Krankenhauses.
„Diese Entscheidung der Eltern respektieren wir, sie zeigt aber zugleich eine Entwicklung hin zu einer stärkeren Zentralisierung der Geburtshilfe. Für uns bedeutet das, daraus Konsequenzen ziehen zu müssen“, erklärt die Geschäftsführerin und betont gleichzeitig, dass der Kreißsaal bis zum 31. Dezember die werdenden Eltern während der Geburt betreut und begleitet.
Das Leistungsspektrum der Gynäkologie mit ihren medizinischen Schwerpunkten in der ambulanten und stationären Versorgung bleibt am EVK Mettmann weiterhin erhalten, um Patientinnen wohnortnah und professionell zu behandeln.
Für die Hebammen und Mitarbeitenden im Bereich der Geburtshilfe sollen gemeinsam tragfähige Perspektiven entwickelt werden. Dazu gehören insbesondere Kooperationen mit anderen Kliniken. Und auch werdende Mütter sollen im EVK Mettmann weiter eine Anlaufstelle für eine gute Begleitung während der Schwangerschaft erhalten, die Konzepte dazu werden aktuell erarbeitet. „Es ist eine absolut schmerzhafte Entscheidung – aber eine, die wir im Interesse der Zukunftsfähigkeit des EVK Mettmann treffen müssen. Ich danke an dieser Stelle dem Land NRW, das den Erhalt unserer Geburtshilfe immer unterstützt und gefördert hat und uns auch bei der zukunftsfähigen Ausrichtung dieses Hauses weiterhin den Rücken stärkt“ so die Geschäftsführerin abschließend.
Werdende Eltern aus Mettmann haben ab 2027 gut erreichbare Alternativen. Im Umfeld von Mettmann finden sie diese in Hilden, Velbert, Wuppertal, Solingen oder auch in Düsseldorf.


