Die Wülfrather Reisegruppe hofft auf einen Sonderflug aus Israel nach Deutschland. Foto: pixabay
Die Wülfrather Reisegruppe hofft auf einen Sonderflug aus Israel nach Deutschland. Foto: pixabay

Wülfrath. Eine Reisegruppe des Wülfrather Vereins „Lot“ sitzt seit Beginn des Terrorangriffs der Hamas auf Israel in einem Kibbuz fest. Am Freitag sollen die 22 Frauen und Männer ausgeflogen werden. Die Reisegruppe wandte sich an die Medien; auch die Internetzeitung „Taeglich.me“ berichtete. 

Mit dem Wülfrather Lot-Verein reisten 22 Frauen und Männer nach Israel. Nun stecken sie dort fest, hoffen darauf, dass sie mit einem vom Auswärtigen Amt organisierten Sonderflug ausreisen können. Diesen Hoffnungsschimmer hat man bei der Reisegruppe erst seit den frühen Morgenstunden. Zuvor war ungewiss, ob und wie man nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel aus dem Land herauskommen könnte.

Die Informationslage vor Ort war offenbar spärlich: Viele Stunden hingen die Reisende abwechselnd in der Dauerschleife einer Hotline fest, über die man sich für die Flüge hatte melden sollen. Letztlich sei man fünfmal durchgekommen, habe elf Namen melden können – von insgesamt 22. Immer wieder sei die Verbindung unterbrochen worden, schreiben die Reisenden. Und sie üben Kritik: „Es gibt keine Rückrufe. Wir erhalten auch keine der zugesagten Mails. Wir haben keinen Code, keine Flugnummer, keine Zeiten.“

Am Mittwochabend hatte die Bundesregierung die Hotline geschaltet. 300 Euro pro Person kostet ein solcher Sonderflug nach Informationen des Landes NRW. „Halten Sie daher für die Anmeldung bei der Hotline eine Kreditkarte bereit“, heißt es auf einer Informationswebseite zur aktuellen Lage in Israel. Die Lage dort sei hoch volatil. Eine weitere Verschärfung oder eine Ausweitung auf andere Gebiete des Landes und erhebliche Beeinträchtigungen des Flugverkehrs nicht ausgeschlossen.

Die Stimmung innerhalb der Wülfrather Gruppe sei angespannt. „Am Dienstag noch hatte das Auswärtige Amt der Gruppe auf Anfrage mitgeteilt, dass Deutschland keine Evakuierungsflüge plane“, schrieben die Wülfrather über ihre zu diesem Zeitpunkt völlig ungewisse Situation. Man hatte in Erwägung gezogen, über Jordanien zu flüchten. „Das wurde verworfen, nachdem dann doch Sonderausreisemöglichkeiten mit einer Lufthansa-Maschine angekündigt wurden“, hieß es. Auf der sogenannten „Elefand-Liste“ registriert gewesen seien die 22 Reisenden, berichten sie. Die Erfassung auf der Krisenvorsorgeliste „Elektronische Erfassung Deutscher im Ausland“ ist notwendig, um für einen der Sonderflüge berücksichtigt zu werden.

Wer sich dort einträgt, soll in akuten Krisenfällen schnell von deutschen Vertretungen informiert und in mögliche Krisenmaßnahmen einbezogen werden. „Das passiert aber nicht“, kritisierte die Lot-Gruppe. Vor Ort sei die Lage chaotisch: Die 22 Reisenden aus Wülfrath sitzen aktuell im Kibbuz Shaar HaGolan fest, in mitten Israels, am südlichen Ende des See Genezareth. Gestern Abend sei Fliegeralarm ausgelöst worden: „Wir mussten in einen Bunker. Dort fielen Licht und Lüftung aus. Ein schrecklicher Moment. Glücklicherweise ein Fehlalarm“, berichten sie.

In dieser ungewissen Situation fehle die Hilfe der eigene Regierung, so die Kritik der Reisenden. Die Gruppe gibt an, engen Kontakt zur Wülfrather Bundestagsabgeordneten Ophelia Nick zu halten, die sie mit Mailadressen versorge und „sich ehrlich bemühe“. Eine Information über einen rettenden Rückflug durch Maschinen der Bundeswehr war nächst nicht in Sicht: Ophelia Nick habe die Gruppe darüber informiert, dass „die Regierung das nicht vorhat.“ Der Ärger ist groß, denn die Reisenden haben das Gefühl, „nicht von unserer Regierung gehört zu werden“.

Die Hoffnung der Wülfrather Gruppe: Am Freitag soll es zurück nach Deutschland gehen –  mit einem von aktuell zwei geplanten Sonderflügen der Lufthansa, die das Auswärtige Amt und die Deutsche Botschaft in Tel Aviv organisiert haben. Jeweils bis zu vier Flüge seien aus Tel Aviv vorgesehen.

Laut NRW-Europaministerium werde zudem geprüft, ob ab Sonntag wieder Linienflüge angeboten werden könnten. „Eine Entscheidung dazu ist noch nicht getroffen“, schreibt das Büro des Landes NRW für Kultur in Israel.

Das Auswärtige Amt rät bis auf weiteres von Reisen nach Israel dringend ab. Zudem teilte die Pressestelle auf Nachfrage mit, man habe mit Reisegruppen in engem Kontakt gestanden und tue dies weiterhin. Über die einzelnen Reiserouten bestimmter Schüler-, Jugend- oder Reisegruppen könne man keine Auskunft geben. Nach Kenntnis des Auswärtigen Amtes seien zumindest alle Schüler- und Jugendreisegruppen, die ausreisen wollten, aus Israel ausgereist oder hätten spezifische Ausreisepläne organisiert. Man sei ansonsten für deutsche Staatsangehörige „rund um die Uhr erreichbar“.

Über die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ informiere man mittels sogenannten Landsleutebriefen über aktuelle Ausreiseoptionen und gebe Verhaltenshinweise. Weitere stets aktuelle Informationen seien auf der Webseite der Botschaft Tel Aviv zu finden.