Velbert. Es ist eine Velberter und Ratinger Koproduktion: Dennis Mayer aus der Schlüsselstadt und der Dumeklemmer David Fischer haben eine Smartphone-App an den Start gebracht, die Familien mit Kindern das Alltagsleben erleichtern soll.
Zimmer ausräumen, Hausaufgaben machen, Sport treiben – es gibt so manche unliebsame Aufgabe, um die Kinder lieber herumkommen wollen. Nicht selten entstehen im Familienalltag Widerstände, daraus womöglich Streitigkeiten – und dann fließen Tränen. Dabei könnte es so einfach sein, haben sich der Velberter Dennis Mayer und sein Freund und Arbeitskollege David Fischer gedacht. Zusammen gründeten sie mit den Dualrealm Studios ein Entwicklerstudio, das eine Smartphone-App herausgebracht hat: „QuestCoin Kids“. Das smarte Programm ist bereits im Google Play Store für Android-Geräte sowie im App Store fürs iPhone verfügbar.
Die Grundidee ist zunächst simpel: Das Familienleben soll durch ein Belohnungssystem positiv beeinflusst werden. Für das Erledigen von Aufgaben („Quests“) erhalten Kinder Münzen („Coins“), die sie wiederum sammeln und für Belohnungen ausgeben können. Welche Aufgaben belohnt werden und was Eltern ihren Sprösslingen letztlich zur Motivation anbieten, bleibt Sache der Familien. „Wir wollen den Eltern erstmal nur ein Werkzeug an die Hand geben“, erklärt Dennis Mayer. „Wie die App dann konkret eingesetzt wird, bleibt den Familien überlassen“.
Ein Video über videospielende Kinder habe den Anstoß gegeben, blickt der Velberter auf die Anfänge zurück. „Ein Bildschirm weckt bei Kindern immer das Interesse. Und beim Spielen geht es oft genau darum: Fortschritt machen, Belohnungen sammeln – das motiviert“, sagt Mayer, selbst passionierter Videospieler. Das Action-Rollenspiel Diablo 4 beschäftigt ihn derzeit, sein Freund David Fischer ist in dem Mehrspieler-Shooter PlayerUnknown’s Battlegrounds (PUBG) unterwegs. Berührungspunkte mit dem Grundthema Gaming beziehungsweise Gamification gibt es also reichlich. Und die Spielauswahl zeigt, dass die beiden Entwickler als Belohnungssysteme und Loot-Spiralen ais eigener Erfahrung kennen. Dass es Lernspiele am Ende auch in ihrer App gibt, ist demnach keine Überraschung. „Wir wollen, dass die Kinder die Zeit am Handy sinnvoll nutzen“. Eltern sieht Mayer ohnehin in der Pflicht. Den Nachwuchs einfach „vors Tablet setzen und eine Serie gucken lassen“ – das gehe gar nicht, so der Velberter. „Macht mal, beschäftigt euch. Das sieht man heute wirklich häufig“.
Dass Kinder ausgerechnet eine App nutzen sollen, also Zeit am Bildschirm verbringen, ist für die beiden Entwickler also kein Problem – im Gegenteil: „Von dem Digitalen kommen wir nicht mehr weg. Wir sind in der Gesellschaft damit inzwischen so verbunden, dass ohne digitale Inhalte nichts mehr wirklich funktioniert“. Mayer und Fischer wollen, dass Kinder „vor allem dafür belohnt werden, dass sie Dinge tun, die nicht am Display statt finden“.
App-Entwicklung für App-Entwickler völliges Neuland
Besonders an dem Projekt ist, dass weder der Velberter noch sein Ratinger Mitbegründer zum Auftakt über Programmierkenntnisse verfügten. „Erstmal war da nur eine Idee, um Familien das Leben zu erleichtern. Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie hilfreich Belohnungen sein können“, sagt Mayer. Was dann folgte, sei ein „learning by doing“ gewesen.
Mittels Künstlicher Intelligenz und Tools wie ChatGPT und Codex entstand schrittweise eine funktionsfähige App. „Erstmal nur mit den Grundfunktionen“, so Mayer, der in seinem Hauptberuf als Marketingfachmann zumindest bereits mit KI gearbeitet hat. Das sei eine Herausforderung gewesen und „oft frustrierend“. Am Ende haben Dennis Mayer und David Fischer es jedoch geschafft, aus ihrer Idee eine fertige Software zu machen, die letztlich auch durch die Prüfungen für die App-Stores gekommen ist. Rund ein Jahr habe es insgesamt gedauert – „von der Idee bis zur fertigen App in den Store“.
Das Konzept lässt sich auf andere Szenarien übertragen, beispielsweise mit dem Schulalltag, gibt Mayer zu bedenken. Kontakte zu Bildungseinrichtungen habe man bereits aufgenommen, könne die App zukünftig auch für Lehrpersonal erweitern und entsprechend anpassen. „Belohnungssysteme gibt es ja auch an Grundschulen, dort werden zum Beispiel Sticker genutzt“, so Mayer. Hier lauern also Potenziale, um die Velberter und Ratinger Idee auf breitere Füße zu stellen.
Derzeit putzen die beiden Gründer fleißig Klinken. Und womöglich schaffen sie es mit ihrer App auch noch auf die große Bühne: „Wir haben uns mit ‚QuestCoin Kids‘ bei der ‚Höhle der Löwen‘ beworben, verrät Dennis Mayer. Weil die aktuelle Staffel der TV-Sendung jüngst gestartet ist, könnte das Projekt nicht mehr berücksichtigt werden. „Ich habe hingeschrieben“, sagt Mayer. Das sei im Juli gewesen, kurz nach dem Launch der Application. „Vielleicht kommt Anfang des Jahres etwas“, hofft der Velberter. „Wir haben es einfach mal gemacht“.
Die kostenlose Version von „QuestCoin Kids“ bietet in allen relevanten Bereichen grundlegende Funktionen – wer den vollen Umfang nutzen möchte, zahlt einen monatlichen oder jährlichen Abonnementpreis. Allein ums Geldverdienen geht es den beiden Gründern nicht. „Wenn die App sich gut verkauft, möchten wir den Preis senken“, sagt Mayer. „Das ist in erster Linie unser Liebhaberprojekt“. Und sollte die Idee durchschlagenden Erfolg haben, können beiden sich auch vorstellen, „davon zu leben“. „Aber das würde trotzdem dazu führen, dass wir die App günstiger machen“, verspricht Mayer. Ein wesentlicher Faktor dabei sind niedrige Kosten: „Wir brauchen kein großes Team – wir würden das auch weiterhin erstmal zu zweit schaffen. Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer möchten Dennis Mayer und David Fischer jedenfalls einbeziehen, um die App zukünftig entlang der Bedürfnisse von Familien und Kindern zu entwickeln.
Wer die App ausprobieren möchte, findet das smarte Programm in den Stores von Google und Apple:


