
Velbert. Wie gut die Velberter Bahnhöfe sind, hat im Mittelpunkt eines Bewertungsverfahrens des VRR gestanden. Tester vergaben Noten unter anderem für die Barrierefreiheit oder die Aufenthaltsqualität. Besonders Neviges zeigt sich von seiner schäbigen Seite.
Einmal im Jahr veröffentlich der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr seinen “Stationsbericht”. In dem inzwischen zum neunzehnten Mal herausgegebenen Report ist nachzulesen, wie lokale Bahnhöfe und Haltepunkte in den Kategorien Aufenthaltsqualität, Fahrgastinformation und Barrierefreiheit abschneiden. Bei allen vier Velberter Stopps gibt es letztlich Verbesserungsbedarf. Die Tester kommen für Langenberg, Nierenhof, Neviges und Rosenhügel auf das gleiche Gesamturteil: “Entwicklungsbedürftig”.
Positiv fällt an allen Velberter Haltepunkten die Barrierefreiheit auf – überwiegend bestehe demnach “kein Handlungsbedarf”. Lediglich in Neviges könnten geringe Verbesserungen noch zu einer besseren Note führen. Hier kommt es vor allem auf den Aufzug an: Funktioniert der, ist der Bahnsteig problemlos erreichbar. Hakt es mit dem Lift, wird der Aufstieg ohne Hilfe zum Problem.
Bei der Fahrgastinformation gibt es in Nierenhof und am Rosenhügel leichte Abzüge. Einen Totalausfall sehen die Tester des VRR bei der Aufenthaltsqualität am Haltepunkt Velbert-Neviges: Konkrete Angaben enthält der Bericht hierzu zwar nicht, allgemein fließen jedoch neben Kriterien wie der Beleuchtung oder der Ausstattung als Testfaktoren Graffiti, herumliegender Müll, Geruchsbelästigung, Feuchtigkeit oder Vegetation in die Bewertung ein.
Etwas besser als der Stopp in Neviges schneiden Rosenhügel, Langenberg und Nierenhof beim Aufenthalt aus. Hier haben die Tester Das Urteil “Verbesserungswürdig” gefällt.
Für Topnoten reicht es am Ende bei keinem der “Bahnhöfe” nicht. Dabei zeigen die Haltepunkte in den Nachbarstädten zumindest teilweise, wie man es besser machen kann. Gute Endnoten konnten die Stopps in der Kreisstadt Mettmann ergattern und auch Wülfrath-Aprath muss lediglich leichte Abzüge verkraften, kommt insgesamt auf das Urteil “Ordentlich”.
Wer die Velberter Stopps kennt, weiß um deren Probleme: Beschmierte oder beklebte Glasfronten, verbogene Schilder, reichlich Sprühschäden auf den ansonsten schönen und gut gemeinten Graffiti-Kunstwerken, Müll in den Büschen, lose Zäune oder Uringeruch im Aufzug. Die Liste der Schönheitsmängel ist lang.
Den Zustand sehen dabei hunderte Menschen täglich. Die Ein- und Aussteigerzahlen reichen laut VRR von durchschnittlich 417 am Rosenhügel über 636 in Neviges bis hin zu 1.259 in Langenberg.
Den Stationsbericht veröffentlicht der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, um auf den Zustand an Bahnhöfen und Haltepunkten aufmerksam zu machen. Gleichzeitig legt der Verbund den Finger dort in die Wunde, wo Mängel bestehen, immerhin fallen jedes Fahrplanjahr sogenannte Stationsnutzungsentgelte im zweistelliger Millionenhöhe an: in 2025 waren das rund 58 Millionen Euro im gesamten VRR-Gebiet. “Aufgrund seiner verkehrlichen Aufgaben und trotz der beschriebenen vertraglichen Situation strebt der VRR eine gewisse Einflussnahme auf die Situation an den SPNV-Stationen an, um den Zustand an den Bahnhöfen und Haltepunkten hinsichtlich Ausstattung, Schadensfreiheit, Sauberkeit, baulichem Zustand, Fahrgastinformation und der barrierefreien Erschließung zu verbessern”, so der Verbund. Insgesamt sei diesmal eine “minimal positive Gesamtentwicklung erkennbar”, so der VRR in seiner Zusammenfassung. Mit einer Ausnahme: In der Kategorie der Aufenthaltsqualität sei eine deutlich gegenläufige Tendenz zu beobachten. Befanden sich 2024 rund 64,2 Prozent der Stationen in einem verbesserungswürdigen bzw. unzureichenden Zustand, so waren es in diesem Jahr 71,9 Prozent – Velberts Stopps sind somit zumindest in guter Gesellschaft.

