Reichlich Werbung hat der VRR zum Re-Start der S6-Linie gemacht. Foto: Andrea Defeld/Bund der Steuerzahler NRW
Reichlich Werbung hat der VRR zum Re-Start der S6-Linie gemacht. Foto: Andrea Defeld/Bund der Steuerzahler NRW

Ratingen. Die S6 bleibt nach ihrem Neustart in der Kritik: Ausfälle und Verzögerungen gehören zum regelmäßigen Pendler-Alltag. Nun meldet sich der Bund der Steuerzahler NRW und führt die Plakatkampagne des VRR als Ärgernis an.


Zwei Jahre ging nichts – ein Hangrutsch bei Hösel hatte die S6 lahmgelegt. Inzwischen sind die Arbeiten seit einigen Wochen abgeschlossen und die Züge rollen wieder, allerdings nicht mit der vor allem von Pendlern erwarteten problemfreien Regelmäßigkeit. Den Neustart am 14. Dezember hatte der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr mit einer Plakat- und Onlinekampagne gefeiert. Der Slogan: „Die S6 fährt wieder“.

Grundsätzlich stimmt das auch. Die Arbeiten konnten früher als geplant abgeschlossen werden. Seit 14. Dezember können Pendler wieder auf die Schiene statt ins Auto – das zumindest ist die grundlegende Idee der Werbung. „Die Kampagne diente gezielt der Information und Rückgewinnung dieser Kundengruppe“, erklärte der VRR. Gestreut hatte man die Kampagne breit – in Essen beispielsweise auf 28 Public Roadside Screens, 49 klassischen Großflächen und 13 Litfaßsäulen, in Ratingen auf elf klassischen Großflächenplakaten.

Finanziert worden sei die Aktion mit einem Budget, das sich laut VRR aus den hierfür vorgesehenen Marketingbudgets aus den Verbund-Kooperationsverträgen rekrutierte, wie der Bund der Steuerzahler NRW nun erklärt.  „Doch diese Kampagne war gleich doppelt ärgerlich”, so der Steuerzahlerbund. Zum einen sei sie überflüssig gewesen: Die ganzen Informationen zum Neustart der Bahn habe es in den Bahnhöfen, den lokalen Medien, im Fernsehen, in den Bahn- und Nahverkehrsapps, auf Social-Media-Kanälen und von Mensch
zu Mensch gegeben.

„Zum anderen war sie mehr als ärgerlich, denn der Neustart der S6 erwies sich als totales Desaster. Störungen wie defekte Weichen und Stellwerke sowie Verspätungen waren den ganzen Januar hindurch an der Tagesordnung. An manchen Tagen musste wieder der Schienenersatzverkehr aushelfen. Hinzu kam, dass die Wagen der S6 ab dem 9. Januar häufig aus allen Nähten platzten, denn auf der Strecke Essen-Düsseldorf über Duisburg fuhr für vier Wochen wegen Brückenarbeiten kein Regionalexpress. Die S6 war somit in dieser Zeit die einzige Verbindung zwischen Essen und Düsseldorf und entsprechend überfüllt. Pendler rangen tagtäglich an den Haltestellen und in den Bahnen der S6 um Fassung”, so der Bund der Steuerzahler NRW.

Letztlich stellte der Verbund die Kampagne Mitte Januar ein. 76 Prozent der geplanten Kosten seien bis dahin angefallen. Wie hoch die Summe konkret ausgefallen ist? Unklar. . „Die Offenlegung würde die Marktposition des VRR wirtschaftlich erheblich beinträchtigen”, so der VRR.

Beim Bund der Steuerzahler NRW beweist man Humor: „Ein funktionierender Nahverkehr wäre die beste Werbung”.