Wülfrath/Velbert. Die Absatzkrise der Automobilzulieferindustrie hat auch Witte Automotive mit voller Wucht getroffen. Die Abrufe ginge seit Jahren stetig zurück und erste Restrukturierungsmaßnahmen seien bereits eingeleitet, so die IG Metall. Bei Witte-Niederberg in Wülfrath sei rund ein Drittel der Arbeitsplätze in Gefahr. Das Unternehmen selbst gibt an, man möchte den Standort in der Kalkstadt jedoch sichern und für die Zukunft entwickeln.
Der Druckguss und Teile der Montage sollen schrittweise geschlossen werden, so die IG Metall. Der Betriebsratsvorsitzende Maik Serotzki sieht den Wülfrather Standort gar vor einem Aus, befürchtet, die Abteilung Stanzerei würde nach Osteuropa verlagert werden. Dem ist nach Angaben von Witte Automotive nicht so: Zwar sei richtig, dass es um den Druckguss und Teile der Montage-Abteilung wirtschaftlich nicht gut stehe, den Gesamt-Standort in der Kalkstadt wollte man aber zukunftssicher entwickeln. “Der Druckguss ist nicht profitabel”, erklärt Unternehmenssprecherin Bettina Janke. “Richtig ist, dass der Standort umstrukturiert werden muss”. Hierzu gehöre der Stellenabbau in den benannten Unternehmensbereichen, allerdings sei die konkrete Anzahl noch offen, da dies unter anderem Bestandteil der Verhandlungen mit dem Betriebsrat sei, teilt Witte mit. Dazu gehöre allerdings gleichzeitig der Ausbau des Stanzgeschäfts, auch der Vertrieb sei hierzu personell erweitert worden – unter anderem, um auch an Aufträge von außerhalb der Automobilindustrie heranzukommen. Dass Witte in Wülfrath eine Zukunft sieht, begründet das Unternehmen zudem mit dem Umzug einer sogenannten “Klimakammer” an jenen Standort: Dort werden Produkte unter verschiedenen Witterungsbedingungen getestet, was letztlich “enorm wichtig für die gesamte Produktionskette ist”, so Janke. “Den Standort wollen wir aufwerten und erhalten”, stellt die Unternehmenssprecherin klar.
Am 3. März hatten die Witte-Beschäftigten gegen die geplanten Maßnahmen – vor allem den Arbeitsplatzabbau – vor dem Werkstor demonstriert und fordern die Arbeitgeberseite auf, mit der Gewerkschaft über Alternativen zu verhandeln. Hier gibt es offenbar Differenzen zwischen dem Unternehmen und der IG Metall: So habe es laut Witte im Oktober erste Gesprächsangebote an den Betriebsrat gegeben, die dieser allerdings nicht angenommen habe und es erst im November zu ersten Gesprächen gemeinsam mit der IG-Metall kam. In der Folge kam es allerdings zu Unstimmigkeiten, weshalb sich Witte an das Arbeitsgericht Wuppertal gewandt hat. Das Ergebnis: Dem Antrag des Arbeitgebers wurde stattgegeben und eine Einigungsstelle wurde eingerichtet. Diese tagt erstmals Ende März. In der Zwischenzeit finden vier Verhandlungstermine zwischen Witte und dem Betriebsrat statt.
Betriebsrat und Gewerkschaft haben laut IG Metall von Anfang an darauf bestanden, dass – bevor gekündigt wird – alle Alternativen überprüft werden. „Es wäre schlichtweg unverantwortlich, Kündigungen auszusprechen, ohne vorher Alternativen vollumfänglich überprüft zu haben”, so der Gewerkschaftssekretär der IG Metall Velbert Daniel Ullsperger. Betroffen seien laut Witte geschätzt maximal 115 Arbeitsplätze. Allerdings habe man bereits Gespräche geführt, um sozialverträgliche Lösungen mit Angestellten zu finden. Weitere Gespräche würden laufen, so Janke.
In den ersten Verhandlungen konnten Betriebsräte den Arbeitgeber überzeugen, ein wirtschaftliches Gutachten erstellen zu lassen. Erste Ergebnisse liegen nun vor. „Das Gutachten zeigt deutlich, dass eine sozialverträgliche Restrukturierung bei Witte möglich ist, ohne Kündigungen aussprechen zu müssen. Durch innerbetriebliche Maßnahmen und durch einen abweichenden Tarifvertrag, der eine Reduzierung des Tarifeinkommens vorsieht, kann Witte Niederberg stabilisiert und die Wettbewerbsfähigkeit wieder hergestellt werden“, so Maik Serotzki. Anders bewertet Witte Automotive die bisherige Erkenntnislage. So sei das Gutachten noch nicht abschließend fertig, einige Fakten würden schon in den ersten Ergebnissen zudem falsch berücksichtigt. Zudem, so Witte, sei der Ansatz eines abweichenden Tarifvertrags nicht zielführend, da dieser die strukturellen Probleme am Standort nicht lösen würde. Für die Druckguss-Aufträge und -Mitarbeiter suche man daher nach anderen Lösungen, sei hierzu auch im Gespräch mit anderen Unternehmen aus der Region. “Die Beschäftigten brauchen Klarheit”, so Janke.
Die Beschäftigten seien jedenfalls bereit, der Firma unter die Arme zu greifen, um die Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Die Arbeitnehmerseite stellt nun eine klare Forderung an die Unternehmensleitung. Dort wiederum ist man sich der Verantwortung bewusst. “Auch wir wollen die Ungewissheit für die Mitarbeiter klären”, so Bettina Janke.
Anm. d. Red.: Der Artikel wurde um Unternehmensangaben erweitert.


