Der KSC Wülfrath hat vor dem Paul-Ludowigs-Haus in Flandersbach für Rennsport-Feeling gesorgt. Foto: Volkmann
Der KSC Wülfrath hat vor dem Paul-Ludowigs-Haus in Flandersbach für Rennsport-Feeling gesorgt. Foto: Volkmann

Wülfrath. Die Deutsche Meisterschaft im Kart-Slalom findet dieses Jahr im Schatten des Lhoist-Kalkwerks in Flandersbach statt. Der KSC Wülfrath richtet das Spektakel aus; für den Verein in dieses Event von zentraler Bedeutung. 

Am Samstag und Sonntag werden dieses Jahr die Deutsche Meisterschaft im Kart-Slalom in Wülfrath ausgetragen. Teams aus allen 16 Bundesländern haben die Reise in die Kalkstadt daher angetreten. Das Spektakel hat ein bisschen von der Formel 1, nur alles viel kleiner. Die Wagen röhren und wummern nicht, sie knattern und surren. Und die Aktiven drehen keine Runden im Kreis, sondern fahren um orangefarbene Hütchen. Bis zu 40 Stundenkilometer schaffen die kleinen Rennwagen auf gerader Strecke, vor allem sind sie jedoch wendig.

Die insgesamt 153 Starterinnen und Starter brachten nicht nur weitere Vereinsmitglieder, sondern vor allem ihre Eltern mit. Entsprechend voll war es vor dem Paul-Ludowigs-Haus. Hunderte Menschen feuerten den Kart-Nachwuchs an, waren mit Spaß bei der Sache – und mit Ehrgeiz. Spätestens wenn die Ampel auf Grün schaltet, beginnt für rund eine halbe Minute der sportliche Ernst. Mindestens für die Fahrerin oder den Fahrer, meistens jedoch auch für den Trainerstab, der ganz nah dran ist an den Schützlingen in der Fahrergasse. Dass ein Event wie eine Deutsche Meisterschaft auch mit Ambitionen verbunden ist, spürt man am Streckenrand. Vor dem Start dürfen die Aktiven die Strecke abgehen, 15 Minuten haben sie Zeit, um sich Kurven und die Ideallinie einzuprägen, die Bodenbeschaffenheit zu prüfen und ihr motorisches Gedächtnis warmlaufen zu lassen.

Die nach einem Katalog aufgebauten Strecken unterscheiden sich stets, die Pylonen stehen wechseln die Standorte – das ist wichtig, denn umfahren sollte man sich besser nicht. Das kostet wertvolle Sekunden. Auf die Zeit und fehlerfreies Fahren kommt es an. „Meistens geht es um Hundertstel“, erklärt Ulf Herfurth, Vorstand beim ausrichtenden KSC Wülfrath. Aus vier Wertungsläufen wird über die beiden Renntage letztlich ein Ergebnis ermittelt, das über Sieg und Niederlage entscheidet.

Die jungen Fahrerinnen und Fahrer sind insgesamt für wenige Minuten auf der Strecke, dann zittern sie, hoffen darauf, dass die Konkurrenz langsamer fährt oder wenigstens mehr Fehler macht.

Mit der Volljährigkeit ist Schluss

Die Aachenerin Laura Finders ist ein alter Hase im Kart-Slalom-Geschäft. Im Alter von fünf Jahren ist sie mit dem Sport erstmals in Berührung gekommen. Ausgerechnet im Urlaub. Dort habe es eine Kartstrecke gegeben, ihr Bruder und Vater hätten zunächst Interesse gehabt.

Laura Finders kam zu dem Sport, weil er in der Familie gelebt wurde. „Eigentlich hatte ich keine andere Wahl“, scherzt die 18-Jährige. „Ich musste mit zum Training kommen. Und dann konnte ich Langeweile haben oder selbst Kartrennen fahren“. Für sie ging es bald darauf selbst ins Kart. Für den MSC Eilendorf zieht Finders das Renndress an, hatte jüngst die NRW-Meisterschaft gewonnen. Vor den Rennen in Wülfrath hat sich trotz ihres Talents und der guten Leistungen viel Respekt: „Es ist eine Deutsche Meisterschaft. Die Konkurrenz ist stark“. Aufregung war bei der 18-Jährigen dennoch nicht zu spüren. Sie könne „den Kopf ausmachen“. Dann gebe es nur noch das Kart und die Strecke – und ihren Vater Hanswerner Finders an der Start- und Ziellinie. Er gebe ihr Ruhe und Unterstützung, aber auch erste Signale über den Rennverlauf.

Seit 13 Jahren fährt sie Rennen, sitzt in Wülfrath zum letzten Mal in einem der Flitzer. Mit 18 Jahren endet ihre Karriere als Altersgründen. „Das tut schon weh“, verrät Finders. Wie die Rennkarriere der 18-Jährige weitergeht? Ungewiss. Auto-Slalom – so etwas wie die nächste Stufe des Sports – hat sie bereits ausprobiert. Mit dem Abschied vom Kart-Slalom stand eine Entscheidung an und die fiel zunächst für die Schule aus: Laura Finders absolviert ihr Abitur, will dann auf Lehramt studieren. „Irgendwie werde ich den Motorsport schon wiederfinden“. Für die Kart-Szene findet die junge Fahrerin nur lobende Worte: Man sei eine große Famile. „Ich habe viele gute Freunde gefunden“, so Finders.

Nicht nur für die Fahrerinnen und Fahrer und deren Teams, sondern auch für den KSC Wülfrath ist die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaft von großer Relevanz. Ein Grund: Die Startgelder fließen direkt dem Verein zu. „Wir finanzieren uns hauptsächlich durch Veranstaltungen“, erklärt Vereinsvorstand Ulf Herfurth. Rund 40 Vereinsmitglieder halfen bei der Organisation.

Für den Wülfrather Kart-Verein ist ein solches Event eine gute Werbung. 25 Kinder im Alter zwischen sieben und achtzehn Jahren sind aktiv; sie kommen nicht nur aus dem Kreis Mettmann, sondern auch aus der Region darüber hinaus. „Am weitesten reist jemand aus Pulheim an“, freut sich Herfurth, der seit 2009 als Vorstand im Amt ist. Es gebe insgesamt wenige Kart-Vereine in der Umgebung, einige seien „kaputt gegangen“. Dem Club aus der Kalkstadt geht es hingegen blendend. Samstags wird trainiert, hinzu kommen über die von März bis Oktober laufende Saison zehn Wettkämpfe. Titel haben die Wülfrather bereits eingefahren, darunter die Landesmeisterschaft und auch die Deutsche Meisterschaft im vergangenen Jahr.

Vom Rennsport-Nachwuchs zeigt Ulf Herfurth sich begeistert. „Die Kids haben das schnell drauf“. Selbst bei absoluten Anfängern dauere es nur vier bis fünf Wochen, dann könnten sie ihre ersten Rennen absolvieren. „Wir haben Zulauf en masse“, so der Vereinsvorstand. Derzeit habe man sogar seine Kapazitätsgrenzen erreicht. Ausgerechnet die Corona-Pandemie ließ das Vereinsleben aufblühen: „Wir sind immer draußen“, meint Herfurth trocken.

Informationen über den KSC Wülfrath gibt es online unter www.ksc-wuelfrath.de.
Die Ergebnisse der Deutschen Meisterschaft 2023 in Wülfrath finden sich unter www.dmsj.org.

Entschieden wird über die Titel erst am morgigen Sonntag, 15. Oktober. Los geht es mit dem Renngeschehen vor dem Paul-Ludowigs-Haus gegen 8 Uhr.