Ratingen. Für Germania Ratingen 04/19 beginnt in der Oberliga am 30. Januar die Rückrunde direkt mit einem sportlichen Kracher: Im Kreis-Derby muss das Team von Trainer Damian Apfeld vor heimischen Fans gegen den VfB Hilden ran.
Ratingen überwinterte nach einer erfolgreichen Hinrunde auf dem Spitzenplatz der Tabelle der Oberliga Niederrhein. Ende des Monats wird es wieder ernst für den Club. Die Weichen hat Germania Ratingen 04/19 bereits gestellt und sich mit Valon Zhusi defensiv verstärkt. Der junge Abwehrspieler kam in der Winterpause von der SSVg Velbert aus der Regionalliga nach Ratingen. “Wir brauchten noch einen Linksfuß auf der Position – und auf der Position davor”, erklärt Clubpräsident Jens Stieghorst. Die Mannschaft sei insgesamt sehr “rechtsfußlastig”, Zhusi soll daher nun als Ergänzung zu Jimmy Can Atila ins Team integriert werden. Valon Zhusi habe beim Wuppertaler SV eine “gute Jugendausbildung absolviert”, findet Stieghorst.
Die Generalprobe für den Rückrundenauftakt ist der Germania jüngst geglückt. Ein Testspiel gewann das Team klar mit 4:0 gegen den Landesligisten 1. FC Wülfrath. Das Momentum muss Ratingen nun mitnehmen, um den Spitzenplatz mittelfristig zu verteidigen. Sechs Punkte Vorsprung hat die Mannschaft derzeit auf den Tabellenzweiten Schonnebeck. Die Bilanz des RSV 04/19 kann sich sehen lassen: Zehn Siege bei lediglich zwei Niederlagen hat der Club angehäuft, hinzu kommen fünf Unentschieden und somit insgesamt 35 Zähler auf dem Punktekonto. Die beste Offensive der Liga hat in der Hinrunde 50 Tore erzielt – und auch defensiv überzeugt das Team (nur 26 Gegentore).
Trotz der aussichtsreichen Tabellensituation agiert der Club bezüglich des Aufstiegs als kommuniziertes Ziel noch vorsichtig. “Vor der Saison vorbereitet haben wir uns darauf nicht”, so Clubchef Stieghorst angesichts des neunten Tabellenplatzes in der Vorsaison. Die Herbstmeisterschaft ist daher für Germania ein durchaus überraschender Zwischenerfolg. Im Fußball ist es dann allerdings so: Wer an der Spitze steht, gilt zumindest als ambitioniert.
Ob der Sprung in die Regionalliga West als Krönung gewünscht sei? “Das ist klar”, so Stieghorst. “Das wollen wir auf jeden Fall”. Die höhere Liga wäre dann allerdings eine große Herausforderung, wie man bei einem Blick in Ratingens Nachbarstadt Velbert an der SSVg ablesen kann. Dort hatte man den Aufstieg nicht bloß sportlich, sondern auch etatmäßig stemmen müssen. Mit der Konnkurrenz mitzuhalten, fällt den Löwen trotz oftmals spielerisch guter Ansätze schwer.
“Infrastrukturell sind wir gut aufgestellt”
“Velbert hat bessere Möglichkeiten”, gesteht Jens Stieghorst. “Sie sind im Sommer zum dritten Mal in zehn Jahren in die Regionalliga aufgestiegen, kennen also auch die strukturellen Voraussetzungen mit Geschäftsstellenbesetzung, Ticketing oder Sicherheit”. Klar ist aber auch: Der RSV 04/19 würde die hohen Auflagen des Westdeutschen Fußballverbandes für die Regionalliga erfüllen. “Infrastrukturell sind wir gut aufgestellt”, freut sich Stieghorst. “Das Stadion ist tauglich für die Regionalliga”. Bauchschmerzen bereiten dem Clubchef allerdings die teils kurzfristig angesetzten Spiele der Regionalliga West. Vor allem im City-Bereich könne es zu Problemen bei der Anreise von Fans kommen. Sollte es am Saisonende mit dem Spitzenplatz klappen, würde man den Aufstieg realisieren wollen. Und auch dann versteht Stieghorst einen möglichen Regionalliga-Erfolg nicht als überdauernd. Profi-Fußball ginge absehbar nicht – “wir werden mit einer im Kern jungen Mannschaft und als Amateure die Herausforderung annehmen, wenn es dann so passiert”. Allerdings müsse dann unter anderem das Budget von Germania der Spielklasse angepasst werden. Einen guten Weg habe man in den vergangenen Jahren jedenfalls geebnet.
Allzu euphorisch zeigt sich der Präsident aus guten Gründen nicht, immerhin ist die Rückrunde lang – und die vergangenen Spiele haben gezeigt, dass auch ein Spitzenreiter anfällig sein kann: In den zurückliegenden fünf Spielen ware die Punkteausbeute gering. Immerhin könnte das Kreis-Derby gegen Hilden für erste Motivation sorgen, denn zum Saisonbeginn gab es bei jenem torreichen Duell ein 5:4, das Ratingen für sich entscheiden konnte. Er war der Auftakt für eine erfolgreiche Serie.
Auch ohne Aufstieg geht Ratingen ansonsten mit breiter Brust in die Rückrunde. Sollte es mit dem Sprung in die Regionalliga nicht klappen, möchte man in jedem Fall auch in der kommenden Saison oben mitspielen in der Oberliga.
Was beim RSV 04/19 abseits des Rasens besonders ist, ist der Gedanke, die Teilhabe am Fußballsport vor allem für junge Menschen möglich zu machen: Alle Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt.


