Stadtverwaltung und Lokalpolitik werden die Herausforderungen durch knappe Haushaltsmittel bewältigen müssen. Foto: Volkmann
Stadtverwaltung und Lokalpolitik werden die Herausforderungen durch knappe Haushaltsmittel bewältigen müssen. Foto: Volkmann

Velbert. Am Dienstag, 14. Juli, tagt der Rat der Stadt im Europasaal des Forums an der Oststraße 20. Ab 16 Uhr geht es dann unter anderem um zwei Themen, die Velbert bewegen: den Bebauungsplan „Große Feld / Langenberger Straße“ sowie den Haushaltsentwurf. Wer möchte, kann die Sitzung online live verfolgen.


In den Kommunen ist das Geld knapp, so auch in Velbert. Bislang war die Haushaltslage in der Schlüsselstadt vergleichgsweise entspannt. Noch 2024 gehörte Velbert neben Heiligenhaus zu den einzigen beiden Städten im Kreis Mettmann, indenen man mit einem realen Jahresüberschuss glänzen konnte. Rund acht Jahre konnte die Verwaltung positiv abschließen – 2025 endete der Trend dann abrupt. „Im Rahmen der Haushaltsplanaufstellung 2026 zeigt sich, dass auch in den Jahren mittelfristigen Finanzplanung jeweils zweistellige Millionendefizite anfallen werden“, so die Stadt Velbert in ihrem Entwurf des Haushaltssicherungskonzepts für die Jahre 2026 bis 2035.

Die klammen Kassen wiederrum rufen die Velberter Fraktionen auf den Plan, die mitunter Einsparmaßnahmen vorschlagen. Die Wählergemeinschaft Unabhängige Velberter Bürgerinnen und Bürger (UVB) hat beispielsweise Vorschläge eingebracht, um rund eine Million Euro einzusparen. Angesichts eine prognostizierten Defizits von knapp über 30 Millionen Euro wirkt das wie ein Tropfen auf den heißen Stein. „Irgendwo müssen wir aber anfangen“, meint Frank Leibold, sachkundiger Bürger und unter anderem im Rechnungsprüfungsausschuss aktiv.

Einsparpotential sieht die Wählergemeinschaft vor allem bei den Ausgaben für Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Stadtverwaltung. Um rund 425.000 Euro könne man nach Ansicht der UVB hier die Ausgabenseite drücken. Auch bei den Aufwendungen für Fachliteratur ließen sich knapp über 100.000 Euro einsparen – durch eine „stärkere Digitalisierung und eine Überprüfung bestehender Abonnements“. Derartige Ideen könnten auf dem Papier für Entlastung sorgen, beträfen aber die Bürgerinnen und Bürger nicht spürbar. Ganz anders sieht das bei der bereits umgesetzten Einsparung im Schülerverkehr aus: statt Deutschlandticket gibt es nun das günstigere Schokoticket. Und auch eine Verringerung des Budgets für Medienanschaffungen der Stadtbücherei beherberge Einsparpotenzial: Rund 55.000 Euro sind es nach Meinung der Wählergemeinschaft. Zentral ist bei der UVB zudem der Vorschlag der Reduzierung der Wahlkreise wodurch weitere rund 115.000 Euro gespart werden könnten.

Dass sparen allein nur ein Baustein sein kann, ist auch der Wählergemeinschaft Unabhängige Velberter Bürgerinnen und Bürger bewusst. „An die Pflichtaufgaben der Stadt können wir nicht ran. Die sind ein Muss“, so Frank Leibold. Die Wählergemeinschaft geht dennoch davon aus, dass es zukünftig „keine Vollversorgung“ mehr geben könne.
Vor allem gelte es daher, die Einnahmesituation zu verbessern. Hierzu drängt die Fraktion darauf, sowohl neue Unternehmen als auch besser situierte Familien anzulocken. „Velbert ist super“, so UVB-Fraktionsgeschäftsführer Marcus Babilon. Chancen sieht er in dem ebenfalls im Rat thematisierten Projekt „Große Feld“. Bei der UVB kritisiert man seit vielen Monaten eine „Blockadehaltung“ mit Schäden für den Projektfortschritt. In dem neuen Gewerbegebiet sieht die Wählergemeinschaft vor allem Chancen, unter anderem für höhere Steuereinnahmen. Auch die Stadt möchte im Kern Velbert zu einem stärkeren Wirtschaftsstandort mit gewerblich-industriell geprägter Struktur entwickeln. Kritik aus anderem Fraktionen an dem Projekt dreht sich hauptsächlich um die mit der Erschließung verbundenen Kosten. Die sind tatsächlich erheblich und werden allein für den westlichen Teil der Fläche von den Technischen Betrieben auf rund 23 Millionen Euro geschätzt. Laut Stadt Velbert gebe es bereits Interesse von Firmen, sofern die „Flächen absehbar verfügbar sind“.

Bei der UVB ist man diesbezüglich optimistisch: „Das wird richtig was bringen“, so Marcus Babilon, der in Velbert eine „attraktive Stadt in Reichweite größerer Städte“ sieht. „Und wir müssen für Velbert was tun“.

Das ist in der Lokalpolitik parteiübergreifend verbunden mit Aufwand, Zeit und Engagement. „Wir sind am Ende alle Velberterinnen und Velberter“, so der UVB-Fraktionsvorsitzende Dirk aus dem Siepen. Bei der Wählergemeinschaft hofft man auf noch mehr Beteiligung aus der Bürgerschaft (Kontakt: vorstand@uvb-velbert.de; 02051 31 36 613). „Wir können nur Themen angehen, von denen wir auch wissen“, so Frank Leibold.