Velbert. Gerd Leiendecker ist ein Velberter Urgestein – und er lebt gerne in der Stadt. Musik und Veranstaltungen haben es dem 82-Jährigen besonders angetan.
„Ich bin Velberter und lebe gern in Velbert“, sagt Gerd Leiendecker. Der heute 82-Jährige ist fest in seiner Heimat verwurzelt und hat Spuren hinterlassen. Stolz berichtet er über die „Singende, klingende Schlossstadt“ – eine Sommerveranstaltung im Herminghauspark, die Velbert um die Neunziger wie eine Event-Hochburg erschienen ließ. „15.000 Besucher im Park“, blickt Leiendecker zurück. Rund 50.000 Deutsche Mark seien dabei damals für den guten Zweck wie die Aktion Sorgenkind herumgekommen. Fast wehmütig fügt er an: „Heute kann man so etwas nicht mehr veranstalten – wegen der Sicherheit und des Geldes“.
Die Leidenschaft für die Musik und für Veranstaltungen ist bei Gerd Leiendecker nicht angeboren, aber bereits in jugendlichen Jahren ist sie erwachsen. Als junger Soldat habe sich das Faible für Events bemerkbar gemacht, sagt der 82-Jährige. Er sei als Gefreiter in Stade gewesen, habe eine Weihnachtsfeier für die Kompanie auf die Beine stellen wollen: „Zwischen zwei Weihnachtsbäumen habe ich ein selbst getextetes Gedicht vorgetragen“. Dann sangen alle gemeinsam Stille Nacht, Heilige Nacht. „Es gab keinen Applaus“, so Leiendecker, „nur Tränen in den Augen der Soldaten – und drei Tage Sonderurlaub“. Sein Hobby hat er später zum Beruf gemacht. Lieder über Fußball und den Karneval folgten, „auch eine erste Schallplatte“, so der Velberter. Viele Jahre war Gerd Leiendecker mit dem Stauber-Trio aktiv. Seine Leidenschaft für die Musik hat er weiter gegeben. Seine Tochter Tanja ist als „Wanda Kay“ erfolgreich auf den Bühnen unterwegs.
Der Weg zur Unterhaltung war für Gerd Leiendecker steinig und nicht vorgezeichnet. Seine Karriere ist zunächst ein bunter Strauß. „Mit 14 Jahren musste ich einen richtigen Beruf lernen“, sagt der 82-Jährige. Das sei der Wille des Vaters gewesen. Auf eine Lehre als Automateneinrichter folgten Jobs in einer Wurstmacherei oder als Lieferfahrer, später als selbstständiger Handelsvertreter für Werbeartikel. Hier gelang ihm auch ein großer Wurf: Gerd Leiendecker ist der Erfinder des „Fan Light“, einer Taschenlampe mit einer speziellen Kappe, die als Alternative zu Wunderkerzen bei Konzerten eingesetzt wurde. Die Lichter wurden mit den Fotos ehemals bekannter Künstler wie Roland Kaiser und Wolfgang Petry bedruckt und bei Live-Auftritten geschwenkt.
Seiner Heimatstadt blieb Leiendecker immer treu, unterstrich das mit lokalem Engagement unter anderem im Bürgerverein Oberstadt, dessen Vorsitzender er war. Auch heute lässt ihn die Idee nicht los, kleinere Veranstaltung für die Velberter Gemeinschaft zu entwickeln. Nicht alles funktioniert und schafft den Sprung vom Papier in den Programmkalender – das Herz schlägt bei dem 82-Jährigen allerdings dafür, irgendwie mehr Leben in die Stadt zu bringen. Bis in das hohe Alter von 80 Jahren arbeitete Gerd Leiendecker – „mit meiner Frau zusammen“ – und erst seit zwei Jahren genießt er seinen Ruhestand. Noch im Herbst soll ein Event rund um die Siebziger und Achtziger im zwei Gaststätten in Velbert folgen, so seine Idee. Volle Säle, viel Erfolg? Darum geht es dem Velberter nicht: „Ich wünsche mir nur, dass viele Freunde und Bekannte kommen“.
Ein Highlight im persönlichen Event-Kalender wartet auf den Rentner dann im kommenden Jahr: Im März feiern er und seine Ehefrau Ulrike ihre Diamantene Hochzeit – „60 Jahre verheiratet“, so Leiendecker stolz. „Das ist dann meine eigene Veranstaltung“.


